Rock'n'Rücken

Köche haben laut IFES-Studie 2014 einen der fünf härtesten Jobs Österreichs. Langes Stehen, große Hitze und schweres Heben sind speziell für den Rückeneine Belastung. Wir sagen Ihnen, wie man vorbeugen kann.

01.06.2015
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"Einfache Maßnahmen müssen nicht teuer sein. Man kann mit der Küchenbrigade zum Beispiel im Hof Übungen machen."
Alois Gasser, VKÖ Präsident

Kochen ist Hochleistungssport. Nur trainieren Köche nicht entspre­chend. Dabei sind Warenannahme und Verstauung, das Hantieren mit schweren Töpfen und langes Stehen speziell für die Lendenwirbelsäule enorm belastend. Für Alois Gasser, Präsident des Verbands der Köche Österreichs, ist Präventionsarbeit, die bereits bei den ganz Jungen ansetzt, ein zen­trales Anliegen. Der Salzburger weiß, wovon er spricht: Der Haubenkoch hatte selbst eine Wirbelsäulenverletzung und Beinschmer­zen. Vor 28 Jahren wechselte er in die Pro­duktentwicklung des Gewürzherstellers WI­BERG und setzt sich mit dem Verband für Nachwuchsförderung und Prävention ein.

 

„Einfache Maßnahmen müssen nicht teuer sein. Man kann mit der Küchenbrigade zum Beispiel im Hof Übungen machen“, nennt Gasser eine Möglichkeit. Mit Unterstützung seines Arbeitgebers und in Kooperation mit Heilmasseur Kurt Bittermann entwickelte er im Rahmen der 2008 gestarteten Initiative Gesund & Fit eine Reihe von Übungen, um Rücken, Atmung und Konzentration zu stär­ken. Die Einheiten sollten so gestaltet sein, dass sie etwa in Arbeitspausen durchführbar sind. „Wir haben beispielsweise einige Be­sprechungen in der Hockstellung geführt.“ Auch das richtige Heben will gelernt sein. Zwar steht in § 64 des Arbeitnehmerschutzge­setzes, dass jene, die regelmäßig schwer manu­ell heben, darin unterwiesen werden müssen. Das passiert aber oft nicht.

 

DER RICHTIGE ARBEITSPLATZ

Um falsche Haltungen aufzeigen zu können, nimmt Paul Scheibenpflug Arbeitsplätze in diversen Branchen, darunter auch Großkü­chen, unter die Lupe. Er hat sich auf Bewe­gungsergonomie spezialisiert. Zentral sei die Optimierung von Arbeitsplatzgestaltung – und Arbeitsbedingungen, aber auch ein Be­wusstsein beim Arbeitnehmer zu schaffen. An Arbeitsplätzen, an denen man vorgebeugt lange arbeitet, ist Beinfreiheit notwendig. Wer viel steht, sollte sich dazwischen hinset­zen können, etwa um Gemüse zu schneiden. Auch eine Stehhilfe wäre laut Scheibenpflug hilfreich.

 

Er empfiehlt, Mitarbeitern regel­mäßige Tätigkeitswechsel zu erlauben, auch wenn das für die Küchenchefs ein größerer organisatorischer Aufwand ist. „Es sollte nicht nur ein Aufgaben-, sondern auch ein Belastungswechsel erfolgen, wodurch an­dere Muskelgruppen beansprucht werden.“ Scheibenpflug empfiehlt Vorgesetzten mit gutem Beispiel voranzugehen: Dazu gehö­re es, einen Lehrling zu bitten, einen Topf gemeinsam zu heben, obwohl man die Last alleine stemmen könne. „Nur dann wird er sich auch trauen, andere beim Heben schwe­rer Lasten um Hilfe zu bitten.“

 

Erhebungen, wie die seit 2013 gesetzlich vor­geschriebene Evaluierung physischer und psychischer Belastungen am Arbeitsplatz ma­chen Gefährdungspotenziale sichtbar. Initiati­ven wie die kostenlose fit2work-Betriebsbera­tung unterstützen etwa beim Aufstellen von Präventionsmaßnahmen. Arbeitsmedizinerin Susanne Simak, die auch im Rahmen von fit2work tätig ist, weiß, dass es nicht leicht ist, Hilfsmittel in den Küchenalltag zu inte­grieren. An der Sicherheitsbekleidung darf aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht gerüttelt werden, Bodenauflagen und Stehhil­fen scheitern an Hygienebestimmungen und Stolpergefahr.

 

Doch auch kleine Maßnahmen zeigen große Wirkung. Simak erinnert sich an einen 1,90 m großen Lehrling, der beim Schneiden den Rücken krümmte. „Wir haben ihm vier dicke Schneidbretter übereinander­gelegt, wodurch sich seine Haltung verbessert hat.“ Die Pausen gelte es zu nutzen, sich hin­zusetzen und zudem Dehn-und Streckübun­gen zu machen. Statt sich einmal die Woche im Fitnesscenter auszupowern, empfiehlt die Arbeitsmedizinerin fünf bis zehn Minuten tägliches Training. „Über Prävention sollte bereits in der Ausbildung informiert wer­den“, mahnt Simak. Bei all jenen, die schon Beschwerden haben, lässt sich durch Rücken­schule und Muskeltraining ein gewisses Maß an Linderung erzielen. Doch viele trauen sich aus Angst vor Jobverlust nicht in den Kran­kenstand zu gehen.

 

BETRIEBLICHE GESUNDHEITSFÖRDERUNG

Der Präventionsgedanke greift bereits in manchen Betrieben. Das zur Schick-Gruppe gehörende Wiener Hotel Stefanie startet demnächst ein Gesundheitsprogramm. Vier Mitarbeiter aus den Bereichen Haustech­nik, Rezeption und Verwaltung wurden im Rahmen von Fit im Betrieb in KMU zu Gesund­heitsmultiplikatoren ausgebildet. Regelmäßig sollen nun für Interessierte vor dem Früh­dienst Entspannungsübungen für Rücken, Na­cken und Gelenke angeboten werden.

 

Ein anderer Vorreiter, das Romantik-Hotel Gmachl in Elixhausen in Salzburg, wurde mit seinem Gesundheitsprojekt Herzblut sogar mit dem Vorsorgepreis 2014 ausgezeichnet. Im Mitarbeiterhaus eröffnete ein Trainingsraum und Sporttrainer Jürgen Wagner startete ein Programm, bei dem regelmäßig Lauftraining, Radfahren, Yoga und Rückenschule angebo­ten werden. Das Programm umfasst außerdem Maßnahmen zur Ernährung und Stressbewäl­tigung, über die die Mitarbeiter mittels App informiert werden. Doch der Aufwand für das umfassende Programm lohne sich, so Hotel­chef Friedrich Hirnböck: „Mitarbeiterfluktu­ation und Krankenstandstage sind mit dem Projekt zurückgegangen.“

 

Wer auch ohne Programm des Arbeitgebers etwas für seine Gesundheit tun möchte, kann es selbst mit Yoga versuchen. Harriet Bucher, ausgebildete Yoga-Lehrerin und Verfasserin des Buchs Yoga gegen Rückenschmerzen, fin­det die fernöstliche Gymnastik vor allem für Köche ideal: „Yoga fördert das Körperbewusst­sein, die richtige Atmung und verhilft durch den Fokus auf Hals-, Brust-und Lendenwir­belsäule sowie auf eine physiologische Fußbe­lastung zu einer aufrechten gesunden Körper­haltung“, betont Bucher. Zentral sei, dass die Elemente Kräftigung und Dehnung enthalten sind. Mit Yoga ist es aber genauso wie mit vie­len anderen Übungen. Was zählt, ist, dass man sie wirklich regelmäßig macht.

MEHR ENERGIE FÜR'S TRAGEN UND FÜLLEN

Begeben Sie sich in eine schulterbreite Beinstellung. Strecken Sie beide Arme nach außenaus und heben Sie sie nach oben – dabei atmen Sie ein.

Beugen Sie den Oberkörper leicht und gehen Sie dabei etwas in die Hocke. Lassen Sie beide Arme langsam absinken und atmen Sie dabei aus.

Nun heben Sie beide Hände – mit den Handflächen nach oben am Körper entlang langsam empor. Stellen Sie sich dabei vor, Sie würden Energie tragen. Der Körper richtet sich auf und die Arme werden weiter bis zur Stirn gehoben.

Atmen Sie ein und drehen Sie anschließend die Handflächen nach unten. Lassen Sie nun langsam die Arme vor dem Körper sinken und atmen Sie ruhig aus.

Wenn die Hände am Mund vorbeigeführt werden, berührt die Zungenspitze absichtlich den Obergaumen. Dann sinkt die Zunge wieder und die Energie wird in den Unterbauch abgelegt.

Die Übung endet, indem beide Hände vor dem Bauch zum Stehen kommen. Wir empfehlen drei bis fünf Wiederholungen.

 

So wirkt’s:

Geist, Energie und Atmung werden bei der Ausführung dieser Übung reguliert, um eine nie endende harmonische Verbindung von Himmel, Erde und Mensch zu schaffen. Zudem werden die Lungenkapazität und die Lungenfunktion verbessert. Durch den optimierten Sauerstoffgehalt im Blut wird auch der Stoffwechsel gefördert.

 

IN DER HOCKE ENTSPANNEN

Für diese Übung stellen Sie die Füße an den Fersen etwa 15 cm und an den Zehen etwa 30 cm auseinander und gehen langsam in die Hocke. Der eben be­schriebene Abstand kann individuell unterschiedlich sein und richtet sich nach der persönlichen Beweglichkeit.

Schaukeln Sie nun sanft etwas auf und ab, bis die Haltung so bequem wie möglich für Sie ist. Die Hände sind dabei über die Knie nach vorne gestreckt. Verweilen Sie in dieser Position so lange, wie Sie sie als angenehm empfinden.

Vorsicht beim Aufstehen: Stehen Sie langsam auf und gehen Sie zuerst mit dem Becken hoch. Erst anschließend langsam die Wirbelsäule aufrichten!

Tipp: Wenn Sie die ganze Fußsohle nicht am Boden halten können, legen Sie ein Buch unter die Fersen.

 

So wirkt’s:

Bei dieser Übung werden wichtige Muskelgruppen auf natürliche Weise ge­dehnt. Außerdem lösen sich Blockaden der Lebensenergie im Becken und das Gleichgewicht kann wieder hergestellt werden. Verdauung und Darmtätigkeit werden ebenso angeregt. Die „Hockstellung“ entspannt nicht nur den Körper, sondern bringt auch geistige Ruhe und Frieden.

 

FIT FÜR DIE RUSH-HOUR

Nehmen Sie eine stehende Haltung ein – die Beine schulter­breit.

Die Hände vor den Brustkorb führen. Die Handflächen aneinander legen und kräftig zusammendrücken.

Wenden Sie Ihren Körper nach links. Heben Sie die Hände über den Kopf – die Augen folgen den Händen. Dabei atmen Sie langsam ein. Am höchsten Punkt der Arme innehalten und ausatmen.

Während des Einatmens die Hände wieder vor den Brustkorb bringen.

Nach einigen Atempausen wenden Sie Ihren Körper nach rechts und fahren mit dem gleichen Atemrhythmus fort.

Auf beiden Seiten sechs Wiederholungen.

Zum Schluss die kleinen Finger voneinander trennen, dann Ring-, Mittel-, Zeige­finger und Daumen.

Der Wirbelsäulen-Strecker ist besonders bei Lenden-und Hüft­schmerzen zu empfehlen. Aber auch die bei Köchen so verbreite­ten Rückenschmerzen können dadurch gelindert werden.

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