Scharfe Kante

Der deutsche Messerhersteller Nesmuk produziert die vielleicht besten, aber auch teuersten Klingen der Welt. Sie sind scharf, dünn und sehr lange haltbar. Aber was ist ihr Geheimnis?

01.10.2015
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"Manche glauben, dass ein gutes Messer schwer sein muss.  Für uns ist aber nur ein scharfes Messer     ein gutes Messer. "

Walter Grave, Geschäftsführer Nesmuk Messer

Wer ein Nesmuk Messer das erste Mal sieht, ist fas ziniert: von der Form, der Handwerkskunst und der extravaganten Gestaltung von Griff und Klinge. Doch es gab und gibt auch Vorbehal te gegenüber den Messern der Manufaktur aus der deutschen Messerhochburg Solingen. „In der Welt der Profiköche gilt die Annahme, dass ein gutes Messer schwer sein muss“, erklärt das Walter Grave, Gründer und Geschäftsführer des Messerherstel lers. Ein schweres Messer signalisiert Qualität, Stärke und damit auch Ausdauer und Haltbarkeit. Grave hat eine andere Definition: „Für uns ist nur ein scharfes Messer ein gutes Messer.“ Die Klingen von Nesmuk Messern sind deshalb im Vergleich zur Konkurrenz aus Japan und vom heimischen Markt besonders dünn gearbeitet. Dem Küchen alltag sollen sie wegen spezieller Stahllegierungen trotzdem bestens standhalten. Aber zurück zum Anfang der Geschichte.  

 

SCHICKSALSBEGEGNUNG  

2005 gründete Grave sein Unternehmen. Vorausgegangen war dem ein Zufall. Auf einer Messe im Jahr zuvor fiel ihm der ärmlich eingerichtete Stand eines Schmieds auf, der einfache, aber äußerst formschöne Klappmesser verkaufte. Die Begegnung der beiden war der eigentliche Beginn von Nesmuk. Denn die Klingenform dieser Messer stellte sich als bestens geeignet für ihre Definition vom idealen Kochmesser heraus. Der Schmied hatte sie schon vor 25 Jahren entwickelt und über die Jahre festgestellt, dass so geformte Messer nicht nur besonders gut in der Hand liegen, sondern bei längerem Arbeiten auch keine Rückenschmerzen verursachen.  

 

VIER DUTZEND ARBEITSSCHRITTE  

Design und Form sind aber nur eine Seite der Medaille. Denn Messermachen ist noch immer solides Handwerk. Für die Nes muk EXKLUSIV-Reihe stapeln die Schmiede der Messermanufaktur beispielsweise 480 Lagen unterschiedlicher Kohlenstoff stähle in mehreren Arbeitsschritten übereinander. Sie schweißen und schmieden sie bei 1.200 °C zusammen und hämmern sie schließlich in die typische Nesmuk-Form. Fertig ist das Produkt damit aber noch lange nicht. Nachdem die Rohklinge geschmiedet wurde, wird sie mehrmals unter Zusatz von Was ser geschliffen. Danach wird sie geschärft, bis sie höchsten An sprüchen genügt, und schließlich noch der Griff montiert. „Man weint nicht, wenn man mit unseren Klingen Zwiebeln schneidet. Das liegt daran, dass die Klingen so scharf sind, dass die Kapillaren nicht platzen“, ist Walter Grave stolz auf das End produkt, das seine 24 Mitarbeiter herstellen. Er vergleicht seine Messer gern mit Rasierklingen und dabei spricht aus ihm die pure Leidenschaft an feinstem Handwerk.  

 

DIE KUNST DER BESCHICHTUNGEN  

Bevor er seinen Traum vom für ihn perfekten Kochmesser verwirklichen konnte, musste der ehemalige Werbefachmann aber zuerst eine Finanzierung aufstellen. Es gelang ihm schnell, Investoren zu finden, die längerfristig denken konnten und bereit waren, insgesamt 5 Mio. Euro in das Projekt zu stecken. Die hohe Summe war mehr als notwendig, denn das Vorhaben war ehrgeizig. Es galt zunächst die passenden Materialien zu finden. Gängige Edelstähle kamen nicht in Frage. Mehrere Fraunhofer Institute forschten an Materialien und Funktionsbeschichtun gen, die Nesmuk Klingen stark, scharf, rostfrei, dünn und aus dauerfähig machen sollten.  

 

Die Klingen der Janus Serie sind beispielsweise aus Hochleis tungsstahl, der mit einem kleinen Anteil Niob versetzt ist. Das seltene und sehr teure Element macht die Klingen stark und dennoch elastisch. Zusätzlich werden die Klingen dieser Serie mit einer schwarzen Beschichtung versehen, die drei Mal härter als Stahl ist. Für die Diamor Messer-Reihe wurde eine spezielle Beschich tung entwickelt, die aus einem diamantartigen Kohlenstoff besteht. Diese verlängert die Schnei dehaltigkeit der Klinge um ein Vielfaches. Die Liste der spezi ellen, teils geheimen Materialien und Beschichtungen ließe sich weiterführen.  

 

Sie ist ein Grund dafür, dass sich meist nur Topköche die teuren Arbeitsutensilien leisten kön nen. Denn seltene Materialien, Hightech-Beschichtungen, die Verwendung neuester Technolo gien und der exorbitante Produktionsaufwand haben ihren Preis. Für eine Damastklinge brauchen die Schmiede beispielsweise rund vier Dutzend einzelne Ar beitsschritte. Ein Messer aus diesem Material kann dann schon 39.000 Euro kosten. Es geht aber auch billiger. In der Serie „Soul Slicer" liegt der Einstiegspreis beispielweise bei ca. 365 Euro. Der Beliebtheit der Klingen tut der hohe Preis keinen Abbruch. Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass mehr vermögende Hobbyköche unter den Käufern sind als echte Profis. Und das international. Händler aus Spanien, Italien, Finnland, der Schweiz, den Nie derlanden und sogar aus Russ land und den USA haben Nes muk längst im Programm. Auch in Österreich kommen die Klingen sehr gut an, wie Grave verrät. Es gibt bereits zehn Händler, die Nesmuk Messer verkaufen.

 

MESSER DER ZUKUNFT

Wenn Walter Grave über Messer spricht, bekommt man leicht das Gefühl, dass man in einer Uni-Vorlesung sitzt. Da redet ein Fachmann, der die schärfsten Messer der Welt herstellen möchte. Ein gutes Stück sei nes Weges hat er in den letzten zehn Jahren bereits geschafft. Er könnte jetzt eigentlich die Arme kreuzen und im Erfolg schwel gen. Aber das tut er nicht. Er lässt weiter forschen. Auch das beste Messer der Welt kann noch optimiert werden. „Wird es irgendwann in der Zukunft ein Messer geben, an dem absolut nichts haften bleibt?“, fragt er in die Zukunft blickend. Dem Unternehmen aus Solingen ist es zuzutrauen, genau dieses Messer auch zu produzieren.

www.nesmuk.de/messer

 

 

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