Das große Gackern

Wie sich Wech-Hendln von der Konkurrenz unterscheiden? „Ganz einfach, sie schmecken besser“, sagt Karl Feichtinger, Geschäftsführer des traditionsreichen Kärntner Geflügelproduzenten. Nach den Methoden ausländischer Billiganbieter will man sich den Hals auch in Zukunft nicht verdrehen.

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Wech ist der einzige Betrieb in Österreich, der die Geflügelproduktion vom Elterntier bis zum Verkauf selbst kontrolliert.

 

 

Wech-Geschäftsführer Karl Feichtinger ist ein besonnener Mann. Er beantwortet Fragen fachkundig und mit Geduld. Einen Anflug von Emotionen zeigt er nur einmal, gegen Ende des Gesprächs. Auf die Frage, was er selbst gerne anmerken möchte, schwillt seine Stimme an: Stolz sei er, auf die jahrzehntelange Mühe, an der österreichischen Qualität festzuhalten. Mag die Konkurrenz der Billigproduzenten oft auch übermächtig geworden sein – von diesem Weg sei Wech niemals abgegangen.

Niemals, das bedeutet im Fall des Kärntner Traditionsunternehmens eine lange Zeit. Seine Gründung geht auf das Jahr 1958 zurück. Damals erkannte Hermine Wech die Nachfrage nach Frischgeflügel und begann benachbarte Bauern mit Kücken und Mastfutter zu versorgen. Die fertigen Hühner wurden wieder abgeholt und zu den Kunden geliefert – zuerst mit dem Motorroller, dann mit einer VW-Pritsche. Die Kärntner Bergbauern, die von Vertriebswegen weitgehend abgeschnitten und im Futteranbau beschränkt waren, gehörten von Anfang an zur Kern-Zielgruppe und wurden schließlich zu Partnern. Noch heute steuern einige der rund 40 Wech-LKWs Höfe jenseitsder 1.000 Höhenmeter an, um Geflügel abzuholen. „Im Winter oft mit Schneeketten“, sagt Feichtinger. „Die Partnerschaft zu unseren rund 200 Vertragsbauern ist eine unverrückbare Stütze.“

GEFLÜGEL VOM BAUERNHOF

Heute produziert Wech im Jahr 17 Mio. Hühner, rund ein Viertel des österreichischen Gesamtverbrauchs. Der Wech-Stammsitz in St. Andrä im Lavanttal gilt als modernster Betrieb des Landes. Insgesamt sind an den drei Standorten in Österreich und drei Stützpunkten im Ausland etwa 750 Mitarbeiter beschäftigt. In Glanegg und Pöttelsdorf werden zusätzlich zu den Hendeln 1,5 Mio.Truthühner produziert, was sogar 75 % des nationalen Verbrauchs entspricht und Wech zum einzigen heimischen Putenproduzenten und Weißfleisch-Vollsortiments-Anbieter macht. Wech ist zudem Österreichs größter Produzent von Bio-Geflügel. Zu den Hauptabnehmern gehören neben KRÖSWANG Handelsgrößen wie die REWE Austria, Hofer, Adeg und Biomarken wie Ja! Natürlich.

GESCHLOSSENER KREISLAUF – HÖHERE STANDARDS

Klar, dass diese imposanten Zahlen eine ausgefeilte Logistik erfordern, umso mehr als Wech seit jeher auf eigene Qualitätsstandards und Frischegarantie pocht. „Wir sind der einzige Betrieb in Österreich, der die Geflügelproduktion vom Elterntier bis zum Verkauf kontrolliert. Sprich: Wir geben auf allen Stufen der Produktion die Kriterien vor“, erklärt Feichtinger. Das Qualitätsmanagement beginnt bereits bei der Fütterung, die vorwiegend aus heimischem Mais besteht und gentechnikfrei sein muss. Spezielle Trinksysteme haben dafür zu sorgen, dass sich die Tiere jederzeit selbst mit Wasser bedienen können. Die Ställe aller Partnerbetriebe müssen mit Fenstern ausgestattet sein und Nachtdunkelphasen einhalten, um den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus der Tiere zu gewährleisten. Vom Gesetz her sei diese Maßnahme nicht vorgeschrieben, betont Feichtinger. Im Ausland würden die Tiere oftmals 24-Stunden-Dauerkunstlicht ausgesetzt werden. Deutlich über dem EU-Schnitt liegt auch die von Wech vorgegebene Besatzdichte von 30 kg Lebendgewicht pro Quadratmeter (ca. 19 Küken/m2). Bodenhaltung ist Pflicht, die prophylaktische Verabreichung von Antibiotika mit dem Trinkwasser – in ausländischen Betrieben gang und gäbe – strikt verboten.

Noch höhere Qualitätsstandards kommen beim „Bio-Geflügel“ zur Anwendung, das als hochpreisiges Spezialsegment ca. 3–4 % der Wech-Gesamtproduktion ausmacht. Hier setzt man auf eine langsamer wachsende Rasse, die ausschließlichmit Bio-Futtermittel gemästet wird. Ein Drittel des Lebens dieser Hühner muss den Bestimmungenzufolge aus Auslauf bestehen, daher auf der „grünen Wiese“ verbracht werden.

Die notwendigen Kontrollen kommen von unterschiedlichen und unabhängigen Stellen. Die häufigste Begutachtung ist die des Betriebstierarztes – mindestens zweimal pro Mast klopft er an die Tür der Geflügelbauern. Da alle Wech-Betriebe AMA-Mitglieder sein müssen, erwartet sie eine zusätzliche jährliche Kontrolle. Und schließlich rücken auch die Wech-eigenen Kontrolleure zu Stichproben aus.

STRESSFREIE SCHLACHTUNG

Dieselben hohen Bestimmungen gelten natürlich, sobald das Geflügel in die Obhut von Wech übergeht. Auch der Schlachtbetrieb ist AMA-geprüft– zudem werde das Prinzip der „stressfreien Schlachtung“ hochgehalten, so Feichtinger. Diese beginnt schon mit der Verladung der Hühner – sie werden in der Zeit zwischen 22 Uhr und 5 Uhr früh abgeholt, da in den dunklen Nachtstunden die angenehmsten Temperaturen herrschen. Die Tiere kommen vor der Schlachtung in einen klimatisierten Wartestall, wo sie stressfrei ruhen können. Als nur einer von zwei Betrieben in Europa wendet Wech die sogenannte CO2-Betäubung an – dabei schlafen die Tiere ein, bevor sie in die Schlachtanlage eingehängt werden. „Verglichen mit der gebräuchlichen Wasserbad- bzw. Elektroschock-betäubung, die Tiere vereinzelt bei Bewusstsein zurücklässt, ist das ein gewichtiger Fortschritt im Tierschutz“, sagt Karl Feichtinger.

All diese Faktoren bestimmen letztlich den Geschmack mit. Wechs Frischegarantie verspricht dem Kunden, dass um 5 Uhr morgens geschlachtetes Geflügel am darauffolgenden Morgen geliefert ist. Mit KRÖSWANG gibt es eine spezielle Just-in-Time-Vereinbahrung: Bestellungen, die bis 12 Uhr eingehen, werden umgehend kommissioniert und schon ab 14 Uhr ausgeliefert. Immer noch ist die Herkunft jedes einzelnen Geflügels nachvollziehbar und vermerkt – diese „Bauernhofgarantie“ führte Wech einst als erstes Unternehmen in Österreich ein. Den engen Kontakt zum Bauern möglich macht Wechs Präsenz in regionalen Zusammenschlüssen wie dem traditionsreichen „Lavanttaler Geflügelring“, den es bereits seitden 1950er Jahren gibt. Man kennt einander und sitzt mit seinen Partnern an einem Tisch, das ist heute nicht anders als vor 60 Jahren.

GEFLÜGELKULINARIK IM HÖHENFLUG

Und die Österreicher – haben sie tatsächlich immer noch Gusto auf Hendl? „Absolut“, sagt Feichtinger, der sich selbst mehrmals wöchentlich Geflügel schmecken lässt. „Die Zeiten, in denen es nur Back-oder Grillhendel gab, sind vorbei. Gerade bei der jungen Generation erlebt das Geflügel einen Höhenflug. Während sie generell immer seltener zu Fleisch greift, gewann Weißfleisch in den letzten zehn Jahren deutlich an Beliebtheit, was auch mit veränderten Lebensbedingungenzu tun hat. Für Singles und Berufstätige muss Küche heute schnell gehen. Weißfleisch ist unkompliziert und lässt sich zu zahlreichen leichten Gerichten verarbeiten. Es ist für den Wok ebenso wie den Grill geeignet. Auch wir bei Wech denken ständigüber neue Produkte nach, wobei küchenfertige Produkte gerade besonders stark nachgefragt werden.“

VON FACEBOOK BIS ZUM FESTIVAL

Speziell an die Jungen richte sich auch der Wech Gusto-Blog mit praktischen Rezepte-Tipps sowie die Wech-eigene Facebook-Seite. Die hat derzeitüber 11.500 Follower – für einen Geflügelproduzenten erstaunlich. Und einmal jährlich ist auch der letzte Zweifel an der Beliebtheit von Geflügel aus der Welt geschafft – dann nämlich, wenn sich für mehrere Tage zehntausende eingefleischter Fans in Kärnten zusammenfinden, um einer gemeinsamen Vorliebe zu frönen. Gemeint ist nicht das GTI-Treffen am Wörthersee, sondern Gackern in St. Andrä – Kärntens größtes Kulinarikfest ganz im Zeichen der Geflügelküche.

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