Ein Stück Heimat

Qualitat ist für Karl Schirnhofer alles. Deswegen stellt er höchste Anforderungen an seine Bauern und es stört ihn nicht, wenn seine Kunden weniger Fleisch essen. Aber die Topliga in Sachen Rind- und Schweinefleisch sollte es eben sein. 

01.08.2015
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"Die Leute sollen weniger,  aber hochwertigeres Fleisch essen"

Karl Schirnhofer, Eigentümer und Geschäftsführer

"Künftig sollen die Menschen weniger, aber hochwertigeres Fleisch essen", sagt Karl Schirnhofer. Für den Chef eines Fleischverarbeitungsbetriebs eine ungewöhnliche Ansage. Doch Schirnhofer, der das gleichnamige Unternehmen seit 1981 leitet, hat feste Überzeugungen: Nicht nur der Umwelt soll es gut gehen, sondern vor allem auch Mensch und Tier. Es versteht sich daher von selbst, dass alle Tiere, die von Schirnhofer verarbeitet werden, bei österreichischen Bauern in artgerechter Haltung aufwachsen. Karl Schirnhofer hat den Betrieb aus Kaindorf, der 1926 von seinem Großvater zum Handel mit Lebendvieh gegründet worden war, Anfang der 1990er übernommen. „Was uns von anderen unterscheidet, ist die Vertragsbauernschaft", erklärt Karl Schirnhofer. „Das heißt, wir haben mit unseren ca. 90 Schweinebauern und knapp 400 ALMO-Bauern strenge Verträge – die Bauern unterwerfen sich bei der Produktion unseren Regeln, dafür zahlt ihnen Schirnhofer höchste Preise am Markt samt einer Prämie.“

 

HÖCHSTE ANFORDERUNGEN

In den Verträgen steht unter anderem, dass ausschließlich in Österreich geborene, gemästete und geschlachtete Tiere geliefert werden dürfen. Beim Premium-Schweinefleisch wurde bereits 2001 ein für Europa einzigartiges Qualitätssicherungssystem geschaffen, dessen Aufgabe es ist, dass die Schweine so gesund wie möglich aufwachsen. Hier dokumentieren die Vertragsbauern alles, was in ihrem Stall geschieht: Die Ferkelzugänge werden genauso vermerkt wie die Fütterung. Durch die Online-Dokumentation können alle Schweine bis zu ihrem Geburtsort zurückverfolgt werden. Die für die Bauern dadurch entstandenen Mehrkosten erstattet Schirnhofer den Bauern zurück. Beim ALMO-Fleisch (siehe Kasten) wurde ein vollständig gentechnikfreier Produktionszyklus vom Embryo bis zum Schnitzel bereits 2005 erreicht. „Es geht mir nicht darum, zu sagen, dass dann das Fleisch oder die Wurst besser schmeckt – aber wir können schlicht nicht abschätzen, welche Folgen Gentechnik für Mensch und Tier hat.“

 

Neben dem gentechnikfreien ALMO-Almochsenfleisch stellt Schirnhofer auch Premium-Rind- und -Schweinefleisch, steirisches Premium-Kalbfleisch sowie Würste und Schinken in Kaindorf her. Das Engagement von Karl Schirnhofer und seinen 300 Mitarbeitern am Standort in Kaindorf drückt sich nicht nur in exzellenten Fleischprodukten aus, sondern auch in langjährigen Partnerschaften der Umweltschutzorganisation Greenpeace und der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Eine Auszeichnung, die in der Fleischindustrie Seltenheitswert hat. Karl Schirnhofers Vision ist, dass sein Unternehmen vollständig zum grünen Betrieb wird. Daher hat er im Heimatort Kaindorf mit 200 Bauern ein Projekt zum Humusaufbau gestartet. So soll der durch Intensivwirtschaft ausgelaugte Boden wieder in seinen Urzustand gebracht werden. Neben gesunden Böden hat das auch den Vorteil, dass dadurch enorme Mengen CO2 gebunden werden können. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur vollkommen klimaneutralen Produktion. Schirnhofers Exporte nach Deutschland sind übrigens schon heute völlig CO2-neutral.

 

WISSEN, WOHER ES KOMMT

Neben dem Umwelt- und Tierschutz hat sich Schirnhofer selbstverständlich dem Konsumenten verpflichtet. Seit 2009 lädt der Betrieb aus Kaindorf bei Hartberg Interessierte daher in seine Gläserne Fabrik. Dort können die Besucher die Verarbeitung der Fleischwaren bei Schirnhofer genau unter die Lupe nehmen. Ein Angebot, auf das die Konsumenten anscheinend gewartet haben: 17.000 Besucher werden in der Gläsernen Fabrik jährlich Zeuge, wenn Würste geformt, Schinken geräuchert und Filets zugeschnitten werden. Nicht zuletzt profitiert so auch die Ökogemeinde Kaindorf durch zusätzliche Gäste.

Ochs im Glück

 

Lois scheint die Sonne aufs glänzende Fell, wenn er sich langsam ein Stückchen bergab bewegt, zu einem Flecken Wiese, das besonders saftig ausschaut. Für heute besteht sein Programm aus stehen, liegen, beißen und kauen. Lois ist einer von 4.000 Almochsen, die im Sommer auf den Hängen des steirischen Naturparks Almenland weiden. Einst waren Ochsen wie Lois gefragte Arbeitstiere, bis sie durch den leistungsstärkeren Traktor verdrängt wurden. Wohin also mit den Rindern, die weder für Zucht noch zur Milchproduktion geeignet sind? Zunächst sah es nicht gut aus, bis Ende der 1980er Jahre wurden sie als billige Fleischlieferanten nach Nordafrika verschifft. Dann hatten die Bauern der oststeirischen Region Almenland eine Idee: Künftig sollten die Tiere im Sommer auf den Almen der Region weiden und im Winter mit heimischem, gentechnikfreiem Futter versorgt werden. So werden einerseits die Almen kultiviert, andererseits entsteht Fleisch von höchster Qualität. Ein Bauer bringt pro Jahr im Schnitt zehn Ochsen zur Schlachtreife.

 

1995 nahm Karl Schirnhofer die ALMO-Bauern unter Vertrag. Schirnhofer kümmert sich um die Vermarktung des Almochsenfleischs und bietet den Bauern eine Abnahmegarantie – und zahlt die höchsten Preise für das Fleisch in Österreich. Im Gegenzug fordert Karl Schirnhofer von den ALMO-Bauern die Einhaltung nach strengsten Qualitätsrichtlinien: 150 Tage im Jahr müssen die Ochsen auf der Alm und auf der Weide sein. Im Winter sind sie in Freilaufställen untergebracht, im Sommer auf der Alm. Eiweißfuttermittel wie Sojaextraktionsschrot ist verboten. Vor der Schlachtung werden die Tiere nicht durch lange Transportwege gestresst. All das wirkt sich natürlich auf die Fleischqualität aus. „Bei einer Gegenverkostung mit anderem Rindfleisch – ohne zu würzen – macht sich das ALMO-Fleisch durch seinen unverkennbaren, bekömmlichen Rindfleischgeschmack bemerkbar. Man könnte beim ALMO-Almochsenfleisch durchaus ohne Gewürze auskommen.“

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