Gans schön gut

Am Stödingerhof in Neukirchen schmecken Gänse noch nach Heimat. Jedes der rund 2.000 Tiere hat österreichische Eltern, frisst Futter vom hofeigenen Ackerland und wird auch hier geschlachtet. Ein Hofbesuch.

01.10.2015
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"Wenn am Montag geschlachtet wird, kann die Ware am Mittwoch schon beim Kunden sein."

Rudolf Feichtinger, Gänsezüchter

Dass der Morgenverkehr heute direkt am Stödingerhof vorbeizieht, ist so ziemlich das Einzige, was nicht ganz ins Klischee einer reinen, natur- und heimatverbundenen Landwirtschaft passt. Die Lage direkt an der Wiener Straße B1 hatte aber großen Anteil am Erfolg des Betriebes von Rudolf Feichtinger. Ab 1997 haben sie den ursprünglich rein auf Schweinemast getrimmten Betrieb Schritt für Schritt umorganisiert und sich auf Gänsezucht spezialisiert. „Wir haben damals mit 50 Gänsen begonnen und die Straße war sozusagen unser erster Absatzmarkt“, grinst Feichtinger. Er hätte seit damals immer mehr Gänse verkaufen können, als er züchtete.

 

Heute stellt er von Mai bis Ende August die Küken in vier Tranchen in seine rund 550 m2 große und 30 °C warme Zuchthalle ein. Zu den wichtigen Ganslterminen von Martini bis Weihnachten verkauft er in unterschiedlichen Mengen insgesamt rund 2.000 Gänse. Österreichische Gänse. Das ist dem Mann mit der leisen Stimme und dem riesigen Fachwissen zur Zucht des Federviehs besonders wichtig. Denn die Küken haben nicht nur in Österreich lebende Mütter. Sie bewegen sich ab der vierten Lebenswoche tagsüber auch frei auf seinen riesigen Wiesenflächen rund um den Hof im oberösterreichischen Neukirchen bei Lambach.  

 

ZART & FETTARM  

Gefüttert werden die Tiere mit einer selbst entwickelten Mischung aus Weizen, Gerste, Ackerbohne und Sojaextrakt, für die die Pflanzen ebenfalls zum größten Teil auf dem Ackerland des ZehnHektar- Betriebs wachsen. Nur das Sojaextrakt kauft der Landwirt zu. „Selbstverständlich gentechnikfrei“, sagt er schon, bevor man ihn danach fragen kann.

 

Das alles macht sich im Geschmack am Teller bemerkbar. Feichtinger ist davon genauso überzeugt wie seine Kunden. Darunter viele der gut besuchten Gasthöfe und Restaurants in der Umgebung, bei denen er sich keine Qualitätsschwankungen leisten kann: „Unser Fleisch ist wesentlich zarter und durch die Bewegung der Tiere draußen fettärmer. Für die Fleischfülle auf der Brust sind Weizen und Gerste verantwortlich, die gelbe Färbung und den genau richtigen Fettanteil erreichen wir durch die Zufütterung von Mais in den letzten 3–4 Wochen, der sogenannten Endmast“, erklärt er seinen Ansatz. Gewöhnlich dauert es 22–24 Wochen, bis die Tiere schlachtreif sind. Kein Vergleich mit den nur 12–16 Wochen, die Frühmastgänse in Osteuropa in beengten Hallen mit Industriefutter gemästet werden, bevor sie in überfüllten LKWs unter riesigem Stress ins Schlachthaus gekarrt werden.  

 

FAKTOR SCHLACHTHAUS

Hier sieht Feichtinger, der in diesem Zusammenhang auch gerne das Wort „Billigschiene“ verwendet, vielleicht einen noch wesentlicheren Unterschied seines Betriebs zu vielen anderen. Nicht allein, dass bei ihm die Tiere nur nachts in der Halle sind und in der Endmast sich lediglich zwei Gänse einen Quadratmeter teilen. Er hat sich auch ein eigenes, hochmodernes Schlachthaus direkt auf dem Hof eingerichtet. Sechs Mitarbeiter sorgen hier ab Oktober dafür, dass die Gänse fachgerecht und entsprechend den hygienischen Vorgaben des Veterinäramtes geschlachtet werden.

 

„Der wesentliche Punkt ist dabei, dass bei uns der Stress für die Tiere vor der Schlachtung so gut wie möglich reduziert wird“, erklärt der Ganslexperte. Denn viele Studien belegen, dass sich Stresshormone im Blut der Tiere negativ auf die Fleischqualität auswirken. Das Team des Stödingerhofs führt die Gänse deshalb zwei Tage vor der Schlachtung von der Weide in den Stall, lässt sie dort ruhen und füttert sie nur mit Wasser, um letzte Schadstoffe auszuschwemmen. Im Schlachthaus wird mit Strom betäubt und direkt weiterverarbeitet. „Wenn am Montag geschlachtet wird, kann die Ware am Mittwoch schon beim Kunden sein“, ist der Landwirt stolz auf die reibungslos funktionierende Logistik. Doch so schnell muss es gar nicht gehen. „Mir sagen die Köche immer, am besten schmecken meine Gansl, wenn sie eine Woche abgelegen sind und erst danach in den Ofen kommen.“ Das ist auch kein Problem. Eingeschweißt und gekühlt sind die Tiere mit ihren dreieinhalb bis viereinhalb Kilo etwa zwölf Tage haltbar.  

 

AUF DIE NEUE GANSLSAISON!

Die Vorzüge seiner Gänse werden bald noch mehr Gastronomen in Österreich und Deutschland kennen lernen. 2014 waren die Produkte des Stödingerhofs testweise bei KRÖSWANG gelistet. Die Qualität überzeugte und ab heuer gibt es die Stödinger-Gansln wahrscheinlich zu jeder Ganslsaison im Sortiment. Ab Oktober werden also auch die KRÖSWANG LKW wieder von der B1 in die Hofeinfahrt biegen. Ein wichtiger Absatzmarkt ist die Straße für Rudolf Feichtinger also geblieben.        

 

 

Geschmacksfaktoren

Was beeinflusst den Geschmack einer guten Gans? Und war um sollte man lieber die Finger von Billiggänsen lassen?  

 

FREILAUF: Durch die Freilandhaltung wird das Gänsefleisch wesentlich zarter und fettärmer. Außerdem haben die Tiere am Stödinger hof bis zu 24 Wochen Zeit zu wachsen. Die Billigkonkurrenz nur 16.  

FUTTER: Auch hier spielt Regionalität eine wesentliche Rolle. Bis auf das Sojaextrakt baut Bauer Feichtinger alle Futtermittel selbst an. 

SCHLACHTUNG: Der Transport zum Schlachthof verursacht Stress. Und das schmeckt man! Deshalb hat der Stödingerhof ein eige nes Schlachthaus direkt auf dem Gelände.

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