"Wir setzen auf Kraut-Funding."

Andreas Flatscher eröffnete 1988 sein erstes Lokal, mittlerweile ist er Fixstern am Wiener Wirtshaushimmel. Bei der Finanzierung gibt sich der Vollblutgastronom kreativ.

01.02.2015
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Andreas Flatscher hält Crowd Funding für eine großartige Idee.

Herr Flatscher, wie haben Sie Ihr erstes Lokal, die legendäre „Wäscherei“, finanziert?

Damals haben die Banken noch ein bisschen Geld vergeben. Ich konnte meinen Onkel dazu überreden, sich mit einer Mio. Schilling als stiller Gesellschafter mit 30 % zu beteiligen. Für diese Einlage hat mir die Bank Austria weitere 4 Mio. Schilling geliehen, für die die BÜRGES-Förderungsbank eine Haftung übernommen hat. Die Chuzpe dabei: Mein Onkel hat sich diese eine Million selber bei der Creditanstalt in Salzburg ausgeborgt, was aber niemand wusste. Wir haben uns also zu 100 % fremdfinanziert. Ich hatte mit 22 ja nur ein überzogenes Studentenkonto.

 

Und wie war das 2011 bei „Flatschers Restaurant“ in der Kaiserstraße?

Ein Spießrutenlauf. Nachdem mir sieben Banken abgesagt haben, obwohl ich mit der „Wäscherei“ ja ziemlich erfolgreich war, hat mir die Bawag P.S.K. dann doch noch die dafür nötigen 100.000 € finanziert. Dazu kamen gut 200.000 € an Eigenkapital. Es ist heutzutage unmöglich, als junger Mensch in der Gastronomie einen Kredit zu bekommen. Das stellt natürlich auch eine massive Markteintrittsbarriere für Nachwuchsgastronomen dar, die nicht aus dem Geldadel kommen – sprich: wo der Papi zahlt. Du kannst dich gastronomisch eigentlich fast nicht mehr selbstständig machen, wofür in erster Linie die Banken – Stichwort Basel II und III – verantwortlich sind.

 

Was würden Sie einem Jungen raten, der es dennoch wagen möchte?

Bei einem guten Arbeitgeber drei, vier, fünf Jahre in der Restaurantleitung mitzuarbeiten, um das Geschäft von der Pieke auf zu lernen, und dann, wenn mir ein gutes Konzept vorschwebt, meinen Chef eventuell zu fragen, ob er es mit mir gemeinsam umsetzen möchte. Zur Erschließung von alternativen Geldquellen würde ich vor allem mit meiner Familie und Freunden reden.

 

Was halten Sie von Crowdfunding?

Ist, finde ich, eine großartige Idee. Für die „Flotte Charlotte“ setzen wir allerdings auf Kraut-Funding. Zehn Mitarbeiter werden bewaffnet mit Blechsparbüchsen durch die Mariahilfer und die Kärntner Straße spazieren. Jeder, der uns eine Spende gibt, bekommt einen Krautsalat und einen Gutschein für ein Seidl und eine Currywurst. Davon erwarte ich mir ungefähr 10.000 €, auf die ich mich wirklich freue. Wir haben im Restaurant nämlich gerade eine neue Lüftung um 125.000 € installiert, mit dem Bistrot ein neues Lokal für 600.000 € hingebaut und ex-pandieren auch am Hauptstandort.

 

Wie kann man heute als Wirt Expansion finanzieren?

In erster Linie über den Cashflow. Wenn das Geschäft gut läuft, steuert vielleicht auch die Hausbank etwas bei. Grundsätzlich ist das Gescheiteste aber sicher eine Finanzierung aus Eigenmitteln. Und dann gibt es natürlich noch die Möglichkeit von Lieferantenkrediten. Mir hat zum Beispiel einer meiner Hauptlieferanten ein zinsloses Darlehen über 100.000 € gewährt, das ich jetzt über 3 ½ Jahre in monatlichen Raten zurückzahle. Das bekommst du aber nur, wenn dir der Lieferant auch wirklich vertraut.

 

Für Sie als Unternehmer, was ist das größte Problem in der Gastronomie?

Dass du zuerst einmal ein paar Hunderttausend Euro fix investieren musst, ohne vorher zu wissen, ob dein Konzept vom Markt aufgenommen wird. Die Chance ist immer 50:50, egal, wie gut du bist. Alles andere ist Lüge. Organisches Wachstum von innen heraus ist in der Gastronomie nicht möglich. Du kannst nicht einfach einmal fünf Tische hinstellen, und wenn den Leuten das Essen schmeckt, anschließend das Lokal drumherum bauen.

 

Und wenn das Konzept vom Markt nicht angenommen wird?

Dann gehst du in Konkurs, und das war es dann in Österreich. Im Gegensatz zu den USA haben wir leider keine Kultur des Scheiterns. In Amerika wirst du entschuldet, startest neu, wirst vielleicht Multimilliardär. Bei uns wirst du stigmatisiert. Wir sind immer noch kein Unternehmerland. Leider.

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