"Zweifel sind wichtig"

Unser kürzlich verstorbener Firmengründer Manfred Kröswang sen. in einem Gespräch aus dem Jahr 2014. Er hat den Grundstein für den heutigen Erfolg unseres Unternehmens gelegt.

11.08.2016
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Manfred Kröswang sen. blickt zurück auf wichtige unternehmerische Entscheidungen.

Ab wann haben Sie davon geträumt, erfolgreicher Unternehmer statt Bauer zu werden?

Erst nach der Pflichtschule habe ich mich gefragt, ob die Landwirtschaft für mich Perspektiven bietet, die meinen Vorstellungen entsprechen. Landwirtschaft hieß damals rund 60 Stunden unter der Woche und einige Stunden am Sonntag arbeiten. Nebenbei bekam ich mit, dass meine Schulkollegen aus der Stadt großteils Samstag und Sonntag frei hatten. Das hat mich zum Entschluss gebracht, um meine Ziele umzusetzen, eine für damalige Verhältnisse höhere Landwirtschaftsschule zu besuchen. Vollgestopft mit Ideen habe ich nach dieser Ausbildung auf unserem Bauernhof mit der Hühnermast begonnen.

 

Warum gerade Hühnermast?

Zu dieser Zeit sind gerade die Hendlstationen aufgekommen, das hat mich dazu inspiriert. Dabei habe ich nicht nur die Mast, sondern auch die Zustellung, d. h. den Vertrieb übernommen. Da die Nachfrage nach Geflügel immer größer wurde, belieferte ich bald neben der Gastronomie auch Fleischhauer, Werksküchen und andere Abnehmer.

 

Haben Sie auch andere Geschäftsideen umgesetzt?

Grundsätzlich habe ich immer zwei, drei Ideen in der Pipeline gehabt. Eine davon war, für eine Schweizer Pharmafirma Kräuter für die Kosmetik herzustellen. Außerdem wollte ich in die Mohnproduktion einsteigen. Aber gerade zu diesem Zeitpunkt hat die Regierung Gegengeschäfte mit Rumänien abgeschlossen, die den Mohnpreis um die Hälfte sinken ließen. Auch Zuckermais für die Lebensmittelindustrie wurde einige Jahre produziert, bis die Rentabilität nicht mehr gegeben war. Aus diesen Erfahrungen kam auch der Entschluss, den direkten Weg bis zum Endverbraucher zu gehen, um sich nicht in zu große Abhängigkeiten von einzelnen Abnehmern zu begeben. Dabei entstand die Überlegung für Lebensmittel und Gastronomie.

 

Warum haben Sie in den 80er Jahren gerade mit dem Tiefkühlgeschäft angefangen?

Der Einstieg in das Tiefkühlsortiment war in erster Linie bedingt durch Pommes Frites für die Gastronomie. Auch waren die Preisunterschiede zwischen frischen und tiefgekühlten Hendln so groß, dass ein Einstieg in die Tiefkühlschiene naheliegend und erfolgversprechend war.

 

Sollte man als Unternehmer schnell auf Trends aufspringen oder lieber vorher etwas abwarten?

Ich stehe Innovationen grundsätzlich positiv gegenüber, aber man muss jede Entscheidung im Vorfeld beobachten und in der Strategieplanung berücksichtigen. Kriterium muss immer sein, ob eine solche Innovation für den Kunden oder Konsumenten auch von Vorteil ist. Wobei man die alte Kaufmannsregel 20:80 bzw. 80:20 immer berücksichtigen sollte.

 

Darf ein Unternehmer zweifeln? Über welche Ihrer unternehmerischen Entscheidungen mussten Sie am längsten nachdenken?

Selbstverständlich muss jeder Unternehmer ein gesundes Maß an Zweifel bei einer Entscheidung einbringen, sodass die Euphorie eines guten Gedankens mit einem nicht durchgeht. Eine schwierige unternehmerische Entscheidung war, ob wir Franchise-Partner vom Großbäcker Ölz werden oder als selbstständiges Unternehmen die Gastronomie beliefern, wo wir durch unseren Einsatz die Entwicklung selbst bestimmen konnten. Wenn wir damals eine andere Entscheidung getroffen hätten, würde es das Unternehmen KRÖSWANG in dieser Form heute nicht geben.

 

Gerade in den 90er Jahren hat KRÖSWANG sehr erfolgreich eine Expansionsstrategie verfolgt. Wie wichtig waren dafür Ihre Mitarbeiter?

Als wir uns entschlossen haben, über Oberösterreich hinaus zu expandieren, war es schon von großem Vorteil zu wissen, dass man eine verlässliche Stammmannschaft hat. Motivierte Mitarbeiter bis zu den Führungskräften, die hinter dem Betrieb stehen und innovativ mitarbeiten, sind für den Unternehmer das Grundkapital des Erfolgs. Zum Thema Personalauswahl passt ein Gebot aus der Frühzeit der katholischen Kirche: „Jagt die Lauen von mir.“ Großen Dank darf ich meiner Gattin aussprechen, dass sie unter großen Entbehrungen als geistiges Oberhaupt den Betrieb mitgeführt hat.

 

Gab es einen Moment, in dem Ihnen klar wurde, dass Sie es geschafft hatten, ein langfristig erfolgreiches Unternehmen zu gründen?

Den Moment, sich zurückzulehnen und zu sagen: „Jetzt hab ich es geschafft!“, gab es eigentlich nie. Wenn Erfolg sich abzeichnet, war es für mich immer eine Genugtuung und zugleich Ansporn für neue Taten.

 

Sie haben schon sehr früh mit Lieferanten aus der damaligen CSSR und Ungarn gearbeitet. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Zu Beginn war das sehr abenteuerlich. Angefangen von der Kalibrierung der Produkte (genaue Gewichtsklassen) über Grenzformalitäten und veterinäre Vorschriften bis hin zur Bezahlung in fremden Währungen. Da kam es vor, dass ich an einem Tag 1.400 km auf schlechten Straßen gefahren bin und nebenbei noch 2–3 Stunden verhandelt habe, um alles ins Reine zu bringen.

 

Was war aus heutiger Sicht Ihre beste unternehmerische Entscheidung?

Die beste Entscheidung für das Unternehmen war – eine Fügung –, dass sich meine Gattin für den Frischdienst so eingesetzt hat.

 

Gibt es auch etwas, was Sie anders gemacht hätten?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da für mich fast alles Pionierarbeit war und ich auch fast über jeden Stolperstein gefallen bin. Hätte man die Entwicklung absehen können, hätte man von Beginn an mehr investieren und riskieren können.

Wordrap Manfred Kröswang sen.

 

Was ist Ihr Motto als Unternehmer?

Nicht gegen Windmühlen anrennen, aber kämpfen für eine Idee, von der man überzeugt ist – ohne dabei den Charakter und das eigene Ich zu verleugnen.

 

Wen sehen Sie als Ihr größtes Vorbild?

Freunde, die zu einem stehen und helfen, auch wenn es einem mal nicht so gut geht. Und davon gibt es wenige.

 

Was macht Unternehmer erfolgreich?

Eine wesentliche Aufgabe eines „Unternehmers“ ist es, das richtige Personal zu finden. Den Überblick seiner Firma bis in den letzten Winkel nicht zu verlieren und trotzdem Zeit zu finden für strategische Entscheidungen.

 

Was motiviert Sie?

Der Erfolg!

 

Wobei finden Sie Entspannung?

Wenn ich für mich etwas Positives erledigen kann. Bewegung, aber auch das Lesen von zeitgeschichtlicher Literatur.

 

Wo kommen Sie auf die besten Ideen?

Zwischen 4 und 6 Uhr morgens und wenn ich etwas sehe, das man für den eigenen Betrieb umsetzen kann.

 

Welchen Wunsch möchten Sie sich noch erfüllen?

Noch mehr Zufriedenheit, um mehr abschalten zu können von den Tagesereignissen.

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