iHasta la victoria siempre!

Machen Sie es wie Fidel – besiegen Sie Havanna! Köche und Gastronomen finden in Kuba eine kulinarische Wüste vor, die man zum Blühen bringen könnte. Havanna – ein Ort wie geschaffen für Aus- und Einsteiger.

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TANZ DIR DIE SORGEN WEG, SAGEN DIE KUBANER UND SCHWINGEN DAS BEIN. VERHUNGERN LÄSST DER SOZIALISMUS SEINE KINDER NICHT, GANZ IM GEGENTEIL. FETTE BEUTE FÜR MCDONALDS & CO, WENN DAS EMBARGO AUFGEHOBEN WIRD. FÜR DIE GASTRONOMEN BIETET SICH EIN GROSSES FELD DER BETÄTIGUNG AN. ALLERDINGS SIND DIE ARBEITSERLAUBNISSE NICHT LEICHT ZU BEKOMMEN. MACHT NICHTS, WAS LEICHT GEHT, ZÄHLT NICHTS. SALUD!

Was ist da los in Kuba? Frisst jetzt die Revolution ihre Kinder? Haben sie eingesehen, dass der immerwährende Sieg des Sozialismus langsam langweilig wird? Will man einfach nur mal billig telefonieren? Kuba im Aufbruch, Kuba im Umbruch: Seit Obama seine Hand nach Raúl und Fidel ausgestreckt hat, reißt die Cubamania nicht mehr ab. Hotelzimmer sind zu Goldgruben geworden, Mietautos kostbar wie Diamanten und selbst Casas Particulares, die Privatzimmer in oft erbärmlichem Zustand, könnten dreifach vermietet werden. Tourismuskonzerne lenken ihre Kreuzfahrtschiffe nach Kuba, Hotelketten streiten in einer Bieterschlacht um Baugründe und Übernahmen bestehender Häuser. Nichts geht mehr, ausgebucht, umgebucht, überbucht – ein Land im Ausnahmezustand. Seit Fidel und Raúl Castro zusammen mit einem hübschen jungen Arzt, Ernesto Che Guevara, das Land gekapert und mit Hilfe der zornigen Bauern, den Campesinos, diese Insel den Kapitalisten rund um Diktator Fulgencio Batista entrissen haben, seit 57 Jahren ist diese Insel eine geschlossene Gesellschaft, eine sozialistische Idealvorstellung, die alle imperialistischen Angriffe abwehren konnte und die DDR genauso überlebt hat wie die Sowjetunion.

 

KUBA IM UMBRUCH

Und jetzt? 2011 hat Raúl Castro über 100 Berufe freigegeben. Jetzt kann jeder Kubaner, jede Kubanerin Zimmer vermieten, kleine private Speiselokale aufmachen, kleine Handelslizenzen erwerben und ein privates Taxiunternehmen eröffnen. Über 400.000 der elf Millionen Inselbewohner haben davon Gebrauch gemacht. Manchmal wurde auch nur legalisiert, was vorher schon als zarter Spross kapitalistischer Selbstbestimmung in den schmalen Ritzen des Systems ergrünen konnte. „Ich fahre nicht zu diesen Werkstätten“, sagt der junge Pablo Enrique Galeno in seinem voluminösen Chevrolet Baujahr 1956, siebzehn Mal schon lackiert, hundertmal repariert. Er deutet auf die aufgebockten gelben Taxis in einer staatlichen Werkstätte. Pablo lässt seine Karre, von der er lebt, lieber bei einem befreundeten Bastler reparieren. Ist eigentlich illegal, aber dafür funktioniert es.

 

ÖSTERREICH IN KUBA

Womit wir in der weichen Seele dieses Landes angekommen sind, die in der rauen Schale sozialistischer Revolutionäre wohnt: „Kuba ist nicht zu verstehen“, sagt Josef Haderer. Der 49-Jährige lebt seit 17 Jahren in Kuba und ist wahrscheinlich der einzige Österreicher, der auf dieser Insel ein Gasthaus führt. Und doch, trotz all der Jahre in Kuba, versteht er die Kubaner nicht? „Nichts ist perfekt und doch funktioniert alles irgendwie“, sagt Haderer, der in Camagüey, mehr als sechs Autostunden entfernt von Havanna, die Casa Austria eröffnet hat. Das ist ein austriakischer Gourmettempel mit dem Café Sissi, der Bar Mozart und einer Fassade mit der Aufschrift „Mozarts Geburtshaus“. Wiener Schnitzel, Gulasch und Apfelstrudel reißen die Verköstigten bisweilen zu Beifallsstürmen hin, wenn man Tripadvisor als Quelle heranzieht. Einer schreibt dort: „Es ist beeindruckend, was Sepp in 17 Jahren, die er schon auf Kuba lebt, aufgebaut hat. In der Casa Austria findet man ein hohes Niveau in Sachen Speisen und Bedienung. Die Kombination Casa, Restaurant, Bar und Konditorei ist absolut gelungen.“ Der 49-jährige Haderer hat also geschafft, wovon andere noch träumen. Wie ging das, Herr Haderer? „Ich bin gelernter Zuckerbäcker und begann hier als fahrender Konditor und Straßenhändler“, erzählt er. Man kannte ihn bald als „Dulcero austria“, als Zuckerbäcker aus Österreich. Mit diesen süßen Leckereien „bestach“ er auch so manchen Bürokraten, wenn es galt, Bewilligungen oder Ausnahmegenehmigungen zu bekommen.

 

DAS LETZTE ABENTEUER

Denn eines steht fest. Selbstständigkeit in Kuba ist das letzte große Abenteuer. Der Staat ist alles, der Staat denkt für alle, der Staat sorgt für alle – Zuckerbäcker oder andere Selbstdenker waren jahrzehntelang nicht vorgesehen. Hier ist die Schule gratis, das Krankenhaus ebenso und Lebensmittelkarten berechtigen zum kostenlosen Bezug von Grundnahrungsmitteln. Wer sich in Kuba selbstständig machen will, braucht eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Diese zu bekommen, ist praktisch unmöglich. Es gibt aber eine Ausnahme von dieser Regel: Tu felix Austria nube! Österreicher, heirate! Wer hierher will, muss eben Opfer bringen. Josef Haderer hat schon fünf Mal geopfert. Längst ist Niuris, seine erste kubanische Ehefrau, den süßen Versuchungen wieder entschwunden, „macht nix, ich lebe eh für die Arbeit“, erklärt Gastronom Haderer seine privaten Turbulenzen. Dem Projekt Casa Austria scheint es gut zu tun.

 

100 FLÜGE PRO TAG

Zurück nach Havanna. Hier findet man zwar keine Landsleute, die ein Lokal aufgemacht haben, aber jede Menge Österreicher, die sich „noch rasch vor dem Verschwinden des typischen Kubas“ die Insel ansehen möchten. Noch mehr kommen aus Deutschland, aus Kanada und bald auch aus den USA. Derzeit dürfen US-Staatsbürger nur auf Bildungsreisen nach Kuba. Doch das könnte sich bald ändern. Für 100 Flüge pro Tag von US-Städten nach Havanna werden gerade Lizenzen ausgehandelt. Das bringt einen gewaltigen Boom mit sich. Alle großen Hotelketten kaufen sich ein oder bauen aus, spanische Marken wie Meliá-Hotels haben die besten Karten. Hier winken auch die meisten Jobs für Köche und F&B-Manager, die Gramatneusiedl für Havanna eintauschen möchten. Und das geht so: Man bewirbt sich bei den Zentralen und die Hotelmanager legen sich im positiven Fall ins Zeug. Sie geben bei den staatlichen Behörden in Kuba an, dass sie für diesen oder jenen Job eine Schlüsselkraft an der Hand hätten, die mit dieser Qualifikation gebraucht wird, aber in Kuba nicht gefunden werden kann. „In der Regel klappt das dann auch“, sagt Österreichs Handelsdelegierter für Kuba, Friedrich Steinecker.

DER STAAT DENKT MIT

Andere Anstellungen gibt es nicht, der Staat redet mit, so oder so. Hotels, die nicht direkt vom Staat gelenkt werden, sind Joint Ventures. Einfach nach Kuba zu fahren und irgendwo anzuheuern, ist Harakiri. Es gibt keine Jobs, keinen Arbeitsmarkt wie bei uns. Birute Pranaitiene aus Litauen hat einen dritten Weg gefunden. Im ehemals fashionablen Bezirk Vedado, in dem vor der Revolution die Amerikaner zahlreiche Vergnügungsetablissement wie ein Casino Amerika etabliert haben, hat Birute eine der vielen eleganten, wenn auch heruntergekommenen, spanischen Villen gekauft. Genau genommen hat sie nur den ersten Stock und auch den nicht offiziell erstanden. Denn auch das Kaufen von Immobilien ist in Kuba nur den Kubanern möglich. Also hat sie einen bekannten Kubaner gebeten, für sie den Kauf zu tätigen. Nicht illegal, aber gefährlich. Wenn der Freund nicht mehr so freundlich ist, handelt es sich um ein stranded investment. Solche gibt es viele, weiß Erwin Pletterbauer. Der Wiener Biobauer möchte auch in Kuba Fuss fassen, war schon mehrfach vor Ort, doch er hat das Risiko bisher noch gescheut: „Da kommt dann einfach eine Anweisung von oben, es wird das Geschäft zugesperrt oder man bekommt keine Einreisegenehmigung mehr."

 

GENUTZTE CHANCEN

Birute Pranaitiene, die Litauerin, hat es dennoch gewagt. Sie war gerade in einer dieser Lebenssituationen, die einen Ausund Umstieg möglich machten. Jetzt ist sie „Besitzerin“ einer wunderschönen „Casa Celio“ in Vedado. „Es war die Chance meines Lebens, die Kinder sind groß und ich wollte noch etwas Neues beginnen.“ Sicherlich, mit dem Personal sei es schwierig, sagt sie, Gott sei Dank habe sie ihre kubanische Managerin Viviana (Anmerkung: Wenige Wochen nach dem Interview wechselte diese zu einem anderen Arbeitsplatz.) Auch ist die Beschaffung von Lebensmitteln oder Baumaterialien ein einziges Abenteuer. „Es gibt in ganz Havanna kein Joghurt. Manchmal. Das ist halt so. Anfangs war ich erstaunt und verärgert, jetzt habe ich mich dran gewöhnt.“ Das Abenteuer Wirtschaft also. Dazu braucht es keine Börse in Schanghai oder Big Business an der Wallstreet. Es reichen die geheimnisvollen Straßenfluchten der bezaubernd pittoresken kubanischen Hauptstadt. Hier tut sich was, hier brodelt es, hier geht die Post ab. Lust bekommen?

 

Psychologe und Pfarrer Josef Haderer (49) hat es gewagt:

Er hat mitten in Kuba, in Camagüey, ein Lokal aufgemacht, die Casa Austria. Jetzt ist er Millionär – an Erfahrungen.

Seit wann haben Sie den Betrieb in Camagüey? Wie kam es dazu? Seit 2013 haben wir die Casa Austria im Zentrum Camagüeys mit Zuckerbäckerei, Café, Restaurant und Hostal mit fünf Zimmern in unterschiedlichen Stilen. Camagüey war Zufall: verliebt, verlobt, verheiratet und als Familienvater mit drei lieben Kindern geblieben.

Welche Speisen werden von Touristen nachgefragt, welche von Einheimischen? Herzhafte Hausmannskost, Meeresspezialitäten und auch lokale Schmankerl, dann als Nachspeise der Apfelstrudel, Schwarzwälder Kirschtorte oder Butterblätterteigschaumrollen, wie sie KRÖSWANG vertrieben hat – zumindest vor 30 Jahren –, bezogen aus der Konditorei Haderer Stefan, wo ich jahrelang als Geschäftsführer gearbeitet habe. Zwischen Einheimischen und Touristen gibt es kaum einen Unterschied: Was der eine bestellt, weil er es kennt, probiert der andere aus Neugier.

Was würden Sie Österreichern oder Deutschen raten, wenn sie sich ins Abenteuer Kuba begeben wollen? Man muss 100 % Fachmann sein und verstehen, was man macht. Außerdem ist ein Charakter zwischen Psychologe und Pfarrer hilfreich und sehr viel Geduld.

Wie und wo beziehen Sie Ihre Produkte für die Küche, welche Schwierigkeiten treten dabei auf? Ich kaufe täglich in Landwirtschaftsmärkten ein. Man sollte Bauern, Fleischer und Verkäufer von Geschäften aller Art als Freunde haben. Man braucht sehr viel Zeit, um das alles zu bekommen.

Was ist das Schöne an Ihrer Arbeit derzeit? Ich kann an 360 Sonnentagen täglich beweisen, dass das Unmögliche doch möglich ist auf unserer Karibikinsel.

Und worauf könnten Sie gerne verzichten? Auf die ungerechtfertigten Ausreden vieler Leute.

Wie wird die Zukunft? Politisches Tauwetter allein ist zu wenig, der nötige Aufwind wird davon abhängen, wie schnell die Insel eine österreichische Arbeitsphilosophie annehmen und ausleben will. Wird man reich, wenn man in Kuba ein gastronomisches Lokal aufmacht? Ich bin Millionär an Erfahrungen nach fast zwei Jahrzehnten in Kuba und habe das nötige Kleingeld, um in den besten Hotels der Insel meine Ferien zu verbringen oder Nachbarländer zu besuchen.

Teures Pflaster

Kuba hat zwei Währungen: Die Einheimischen werden in Pesos bezahlt und können sich damit nur einige Grundnahrungsmittel kaufen, die eigentliche Landeswährung heißt CUK, mit der man überall kaufen kann und die ursprünglich nur den Ausländern vorbehalten war.

Umgerechnet kostet in Kuba:

1 Mojito an der Bar: € 2,50

1 Bier im Restaurant: € 0,85 pro Flasche

Taxifahrt in der Stadt: € 5,–

Übernachtungen in Casas Particulares: € 35,–

Mittagsmenü: € 10,–

Benzin: € 0,80 / Liter Super

Mietauto: € 36 / Tag

Busfahrt Havanna–Varadero (Hotelkomplexe): € 15,–

1 Tanzshow im Tropicana in Havanna: € 65,–

1 Zigarre Cohiba Pyramides: € 25–32,–

Durchschnittsverdienst: ca. € 20,– / Monat

Gehalt von Ärzten: € 30,– / Monat

 

DAS LEBEN AUF DER INSEL IST SCHON FÜR TOURISTEN EHER TEUER – FÜR DIE KUBANER KAUM NOCH LEISTBAR: DIE LEBENSMITTELKARTEN REICHEN GERADE BIS ZUR MITTE DES MONATS. DANACH IST IMPROVISATION ANGESAGT.

So reisssen Sie in Havanna einen Haxn aus: Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten, in Havanna einen Job zu bekommen:

1. Bei einer internationalen Hotelkette anheuern

2. Heiraten

 

Sprache: Spanisch ist fast ein Muss, die Hotelketten legen natürlich auch auf Englisch wert, aber damit kommt man im Land nicht weit, die Englischkenntnisse in Kuba sind eher endenwollend.

Bürokratie: Alle bürokratischen Schritte erledigt normalerweise die Hotelkette für Sie. Als Schlüsselkraft haben Sie zwar auch keine permanente Aufenthaltsgenehmigung (da müssen Sie schon jemanden heiraten), aber die limitierte Genehmigung reicht auch.

Wohnen: Als Schlüsselkraft bekommen Sie eine Wohnung vom Hotel innerhalb der Ressorts gestellt. Am freien Markt dürfen Sie nicht mieten. Allerdings stellt die staatliche Behörde Wohnungen zur Auswahl. Die sind dann teuer und nicht immer das Geld wert.

Bezahlung: Die Hotelketten werden Sie nicht nach Kuba locken können ohne gutes Geld. Daher liegen die Gehälter in den vergleichbaren Regionen von Europa. Kubaner kriegen nur 18–24 Dollar. Pro Monat.

Permanente Aufenthaltsgenehmigung: Die gibt es nur, wenn man engste Beziehungen zu einer Kubanerin, einem Kubaner hat. Das ist faktisch die Ehe.

Arbeitgeber: Die Hotelketten haben Joint Ventures mit kubanischen Betreibern abgeschlossen. 80 % der Kapazitäten sind in der Hand spanischer Hotelketten. Gerade hat sich auch Starwood drei Hotels gesichert, die US-Ketten werden höchstwahrscheinlich stark zulegen.

Jobs: Ausländische Anteilseigner an Joint-Venture-Hotels haben in der Regel das Recht, gewisse Schlüsselpositionen mit eigenem Personal zu besetzen. Das wird normalerweise in den Statuten vereinbart. Ganz allgemein gilt, dass nachgewiesen werden muss, dass der ausländische Mitarbeiter, der eingestellt werden soll, über eine Qualifikation verfügt, die auf dem kubanischen Arbeitsmarkt nicht zu finden ist. Das ist ein weites Feld, aber meist geht der Personalwunsch durch.

Selbstständig machen: Einen privaten Gastronomiebetrieb in Kuba kann man derzeit nur eröffnen, wenn man Kubaner ist oder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung hat. Ein Ausländer könnte zwar die Genehmigung für eine Investition zur fabrikmäßigen Herstellung von Brot und Süßwaren bekommen, darf aber keinen Einzelhandel in Form eines Bäckereiverkaufes oder eines Cafés betreiben. Hierzu ist derzeit noch immer ein Kubaner oder ein permanenter Resident vorzuschalten.

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