SuperBowls

All-in-one heißt es beim neuen Foodie-Trend: In Schüsseln und Schalen wird eine komplette, gesunde Mahlzeit serviert. Vom Frühstück über den Smoothie bis hin zum Abendessen – der normale Essteller hat ausgedient. Über das Schüsselprinzip aus den USA.

19.07.2016
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Greenhouse Bowl

Mit gebratenem Tofu auf grünem Quinoa, gegrilltem Gemüse, Guacamole, Apfel-Karotten-Rohkost, Süßkartoffel- Fries mit hausgemachter Teriyaki-Sauce, frischem Spinat mit Tahindressing und schwarzem Sesam und Sprossen.

Zunächst klingt es seltsam: Der neueste Food-Trend hat nichts mit einer Zu­tat zu tun, sondern mit Geschirr. Essen wird einfach in Schüsseln angerichtet. Über den Neuigkeitswert lässt sich strei­ten. Bereits seit der Jungsteinzeit benutzen Menschen Schüsseln und Schalen als Behältnis für ihre Speisen. Gewöhnlich werden da­rin Müslis, Suppen, Breie oder Salat angerichtet. Doch eine neue Bewegung bringt frischen Wind in den Schüsselalltag: Bowls. Bowls sind ein Trend in den Städten und zielen auf junge Menschen ab. Es sind All-in-one-Mahlzeiten, die meistens etwas mit gesundem Essen zu tun haben und für eine ausgewogene Mischung aus Ge­treide, Gemüse oder Obst, Protei­nen und Vitaminen stehen sollen. Sie sind süß, herzhaft oder fruch­tig – und zudem bequem auf der Couch zu verzehren.

 

BOWLING-NATION NUMMER 1

Vorreiter des Schüsseltrends sind wie immer die USA. Begonnen hat alles mit den Smoothie-Bowls, wo dickflüssiges Obstmus mit gefrorenen Früchten, Gemüse, Kokosraspeln oder Proteinpulver verfeinert wird. Schön inszeniert haben Food-Blogger die Obstschüsseln über Instagram berühmt gemacht. Die neuesten Bowls aber haben wenig mit Smoothies zu tun. Reis, Nudeln, Salat oder verschiedene Getreidesorten sind die Basis einer Bowl. Grundsätzlich kommt der Trend aus der vegan-vegetarischen Szene, aber auch für Fleischtiger gibt es Bowls. Schüsseln auf Fleisch- oder Fisch-Basis findet man z. B. im Dimes in New York City. In ihre „Sesame-crusted Salmon“-Bowl werfen die beiden Inhaberinnen, Alissa Wagner und Sabrina De Sousa, Lachs im Sesammantel mit Quinoa, Chermoula (einer marokkanischen Marinade), Auberginen, Zucchini und Mangold. „Die zwei wichtigsten Komponenten unserer Bowls sind Balance und Schönheit. Sie müssen schmackhafte Proteine, herzhaftes Getreide, frisches Grün, geröstetes Gemüse und eine köstliche Sauce enthalten. Und dabei sollen unsere Bowls auch hübsch aussehen“, erzählt uns Alissa Wagner von Dimes. Dabei setzt Wagner ihren Fantasien keine Grenzen. „Jede Bowl ist etwas Einzigartiges, da es unendlich viele Möglichkeiten und Kombinationen gibt. Bowls werden nie langweilig und sind eine äußerst befriedigende Mahlzeit.“

Einmal quer durch die United States: In Portland, Oregon, nahe der Pazifik-Küste bietet Brian Heck, Inhaber von Canteen, ebenso exotische Bowls an. „Ich nenne Bowls die Dreieinigkeit. Ich kombiniere eine Getreidesorte, Blattgrün und Bohnen. Ich arbeite dann an einer Sauce – die Geheimwaffe sozusagen. Jeder guten Bowl liegt eine gute Sauce zugrunde.“ In seine Bangkok-Bowl gibt der Gourmet Avocado- und rotes Thai-Curry mit Erdnusssauce und Kimchi, in seiner Southern-Bowl lässt er den Geschmack der Südstaaten hochleben: Barbecue-Soja-Locken, Schwarzaugenbohnen, Krautsalat und Cashew-Ranch-Sauce werden hier in einer Schüssel vermischt. „Egal, wie komplex Bowls sein können, letztendlich ist die Grundidee immer dieselbe: Verwende Qualitätsprodukte und füge tolle Gewürze, Farben und Saucen hinzu.“ In seiner Canteen reicht Heck am liebsten selbstgepresste Säfte oder Smoothies dazu. Das erfrischt nicht nur, sondern sorgt für einen Extra-Kick an Vitaminen und ist laut Heck die perfekte Kombina¬tion mit den gesunden Bowls.

 

IN SCHALE GEWORFEN

Der Schüsseltrend hat auch hierzulande bereits viele Fans gefunden. In den Städten setzen vermehrt vor allem vegetarische und vegane Lokale auf die ausgewogenen Mahlzeiten. In Graz gibt es im Greenhouse von Esmee und Berit Gilma Bowls aus regionalen und saisonalen Produkten, darunter eine Salatbowl mit Erdbeeren, Granatäpfeln und Limettendressing oder eine pikante Bowl mit indischem Kichererbsen-Curry. Auch Frühstücksbowls, wie die Chia-Bowl oder die Overnight-Oats-Bowl, bieten die beiden Veganerinnen an. Dazu trinken die Gäste am liebsten Kaffee oder kaltgepresste Säfte. „Wir haben unsere Bowls sorgfältig nach dem Clean-Eating-Prinzip zusammengestellt – vollwertige, naturbelassene Lebensmittel von höchster Qualität, kein Zucker, keine Zusatzstoffe, Aromen oder Fertigprodukte – und alles mit Liebe zubereitet!“ Clean Eating bedeutet, dass Nahrungsmittel naturbelassen und ohne zusätzlichen Zucker oder Zusatzstoffe zubereitet werden. Dieser Kernphilosophie folgt auch The Bowl in Berlin. Das biozertifizierte Restaurant ist neben Lax Eatery in München die Anlaufstelle für Bowls in Deutschland. Mit einem ganz anderen Fokus arbeitet das NomNom in Linz. In ihren Bowls ist die Grundbasis entweder ein Früchte- oder ein Gemüsemus. Bowls sind quasi universell. Das findet auch Esmee Gilma vom Greenhouse: „Bowls liefern ein vielfältiges Geschmackserlebnis und bieten alles, was ein Mensch zum Gesundsein braucht – und das in einem Gericht. Sie sind also nahrhaft, gesund, schmecken großartig und können je nach Vorliebe angepasst werden. Was gibt es Besseres?“

 

 

ERFOLGREICHES SCHÜSSELPRINZIP?

Für den Hype um die Bowls war vor allem Instagram mitverantwortlich. „Menschen machen zuallererst Fotos von ihren Mahlzeiten und stellen sie auf Instagram, bevor sie zu essen beginnen“, so Alissa Wagner von Dimes. Auch Esmee Gilma ist sich sicher, dass Trends wie die Bowls sich erst durch das Internet auf diese Weise verbreiten konnten. Dabei ist aber die richtige Zielgruppe nicht außer Acht zu lassen. Bowls sind ein urbaner Trend unter den Jungen und Gesundheitsbewussten. „Zu uns ins Greenhouse kommen Menschen, die Wert auf gesunde Ernährung legen. Denen ist wichtig, dass das Essen hausgemacht ist und immer frisch zubereitet wird. Es sind Leute, die in der Mittagspause statt Fast Food lieber etwas Gesundes, Ausgewogenes zu sich nehmen, das ihnen Energie für den restlichen Tag gibt“, so Gilma.

Alissa Wagner begrüßt in ihrem Lokal in New York die ganze Nachbarschaft, wobei Designer, Künstler und Freunde die Hauptklientel darstellen. Die Micro-Eatery zeigt, dass man sich mit Bowls ganz gut über Wasser halten kann. Mehr als 100 Bowls gehen da jeden Tag über die Theke, das Mittagsgeschäft ist dabei am Wichtigsten. Dementsprechend muss man sich auch an die Kunden anpassen. Traditionelle Gastronomen können Bowls in ihrem Stil adaptieren, sei es mit Huhn, Fisch oder anderen Fleischsorten. Dabei darf nicht vergessen werden, was dieser Trend bedeutet und wofür er steht: eine Mahlzeit mit allen wichtigen Komponenten und Vitaminen einer vollwertigen Speise. Hier können Bowls auch eine vegetarische Alternative in der herkömmlichen Küche bieten.

Im Greenhouse geht es Gilma „darum, den Gästen hochwertiges, leckeres Essen zu bieten, das ihnen guttut. Die Gastronomie heutzutage muss sich sehr bemühen und den Gästen etwas bieten.“ Dabei die Balance aus guten Produkten und einem vernünftigen Preis zu finden, sei oft schwierig, sagt Heck von Canteen. Bowls in Österreich und Deutschland kosten zwischen 6 und 10 €, je nach Größe und Zutaten. Esmee Gilma findet, dass jeder Gastronom seine eigenen Bowls erfinden und verkaufen kann. „Wir haben beispielsweise eine steirische Bowl aus regionalen Zutaten kreiert. Ähnliches könnte man sogar in der traditionelleren Gastronomie anbieten.“ Dort sind Bowls bislang eine große Unbekannte. Zum einen hat das mit der Reichweite des Trends zu tun, zum anderen sind Bowls besonders im urbanen, vegetarischen Food-Milieu beliebt und weniger in der heimischen Kulinarik. Jedoch können die kleinen Schüsseln auch in der traditionellen Küche Anwendung finden.

Simone Grießner von der Speisenmeisterei in Zell am See meint: „Der Begriff Bowls ist für uns neu, aber die Machart nicht. Bei uns gibt es die meisten Salate, Suppen, auch einige Desserts in Schüsseln, aber auch andere Vorspeisen, die jetzt nicht speziell vegetarisch oder sogar vegan sind.“ Essen in Bowls ist also hip und sieht gut aus, ist aber wohl nicht die Neuerfindung des Rades. Obwohl sie wirtschaftliches Potenzial haben, kann ein Gastronom von Bowls alleine auch kaum überleben. Selbst die spezialisierten Bowl-Lokale bieten daneben zahlreiche Getränke an, vor allem Smoothies und kaltgepresste Säfte – diese Kombi kommt bei den Gästen sehr gut an.

 

 

DER BOWL-BAUSATZ

Diese vier Bowl-Bauteile sind essenziell für eine Bowl. Ob mit Fleisch, vegetarisch oder vegan: Diese vier Food-Gruppen gehören in jede Schüssel.

 

Getreide

In einer klassisch süßen oder pikanten Bowl ist immer eine Getreidesorte zu finden. Von Reis bis hin zu Quinoa oder Couscous – Getreide liefert wichtige Ballaststoffe und verschafft einer Bowl erst den richtigen Biss.

 

Obst & Gemüse

Die Grundzutat. Fruchtige Obstbowls sind die häufigsten Schalen in den Lokalen. Entweder als Mus aus verschiedenen Beeren oder als Topping, Früchte bringen Frische und Vitamine in die Schüsseln. Gemüse findet man eher in den salzigen Bowls – besonders Hülsenfrüchte wie Bohnen, aber auch Blattgrün sind gern gesehene Gäste.

 

Flüssigkeit

Bei den Bowls geht nichts über die richtige, flüssige Komponente. Bei den süßen, fruchtigen Bowls bieten Mus oder die Smoothie-Grundlage das nasse Extra. Bei den herzhaften Schüsseln muss es eine Marinade oder eine Sauce sein, damit die Bowl nicht zu trocken wird. Besonders gerne werden exotische Marinaden wie Currysaucen oder Chermoula verwendet. Aber auch hier gilt: Alles ist möglich.

 

Extras

Die Extras oder Toppings sind die Verfeinerer einer Bowl. Frische Kräuter aus dem Garten – klassische Minze, aber auch Hanf oder Kimchi – kann man in Bowls finden. Oft sind auch Kokosraspeln oder Sesamkörner als Extra in den Schüsseln zu finden. Und da Bowls vor allem vegetarisch oder vegan zubereitet werden, sind Fleisch und Fisch wohl auch als Bowl-Extras zu betrachten.

 

Der Blender

Nicht erst seit Smoothies die Food-Szene erobert haben, gehören Standmixer zum Inventar jeder Küche. Blender, wie die leistungsstarken Mixer auch genannt werden, sind vielseitig einsetzbar. Mit ihnen lassen sich Suppen, Shakes, Cocktails, Pestos und Pürees herstellen, darüber hinaus können sie auch als Zerkleinerer und Entsafter verwendet werden. Dabei gilt: je höher die Watt-Zahl, desto besser und stärker der Blender. Das beweisen YouTube-Videos, in denen der wohl bekannteste Blender der Welt – einer der Firma Blendtec – Handys, Metall und Holz zerkleinert. Blender gibt es in allen Preis- und Leistungsklassen. Speziell für die Gastronomie geeignete Standmixer, mit einer besonders hohen Leistung und einer großen Füllmenge, können zwischen 200 und 900 € kosten.

 

 

DIE BOWLER - diese Typen fliegen auf Blows

Die Frühstücker

Frühstücksfreunde und Brunch-Enthusiasten kommen mit einer Frühstücksbowl genau auf ihre Kosten. Bieten Sie Ihren Kunden verschiedene Müslisorten an, mit denen die zahlreichen Frühstücker ihre Lieblingsbowl selbst zusammenstellen können: Schoko- Nussmüsli, Honig-Knuspermüsli, Hafer- Crunchy-Müsli, Cornflakes. Dazu servieren Sie frisches Obst und bieten neben normaler Milch auch laktosefreie Milch, Sojamilch oder Reismilch an, damit für jeden etwas dabei ist. Für die Deko gibt es Kokosraspeln oder Schokostücke auf die Bowl.

 

Die Veganer

Bowls sind ein vegetarischer und veganer Trend, der vor allem in den Städten zu finden ist. Deswegen sollte es in jedem Lokal zumindest eine Bowl geben, die den Bedürfnissen der veganen und vegetarischen Kunden entgegenkommt. Die vegane Bowl besteht vor allem aus Salat und Getreide. Als Basis wird Quinoa verwendet, dazu gibt der Chefkoch frisches, angebratenes Gemüse wie Tomaten, Avocado, Auberginen, Kichererbsen und Chili für die Würze. Für die notwendige Frische werden Granatapfelkerne hinzugegeben. Humus wird auf frischem Brot dazu gereicht. Heiß oder kalt serviert.

 

Die Traditionalisten

Für Freunde der traditionellen Küche können Bowls auch adaptiert werden. Dabei ist wichtig zu beachten, dass das Fleisch oder der Fisch reich an Proteinen und wichtigen Fetten ist. Am besten eignet sich für eine Fleischbowl mageres Hühnerbrustfleisch, das mariniert aus der Pfanne gebraten wird. Das Fleisch wird auf braunem Langkornreis und mit Salat, Tomaten und einer Sauce in der Bowl serviert.

 

 

 

Bowls in Österreich

In Österreich gibt es noch nicht sehr viele auf Bowls spezialisierte Lokale. So ist es nicht verwunderlich, dass man bei der Internetsuche nach „Bowls“ eher auf Bowlingbahnen stößt als auf die hippen Schüssel-Gerichte. Weil es gar nicht so leicht ist, diese Lokale zu finden, haben wir hier eine kleine Sammlung zusammengetragen – von diesen Bowl-Spezialisten können Sie sich etwas abschauen. GREENHOUSE, Graz: Fairtrade-Kaffee, kaltgepresste Säfte und Bowls, www.greenhouse-ginko.at GORILLA KITCHEN, Wien: Pulled Pork, Hähnchen und Tofu wahlweise im Burrito oder in der Bowl, www.facebook.com/gorillakitchenvienna EL BURRO, Wien: Fleisch oder Vegetarisches im Taco, Burrito und Bowl, dazu eine Sauce nach Wahl, www.elburro.at NOM NOM, Linz: Frische Smoothies und Bowls, www.nomnom-linz.at

 

Internationale Vorbilder

Vorbild der Bowl-Bewegung waren Trendsetter in den USA – The Bowl in Berlin hat den Trend wohl am schnellsten aufgegriffen und ist in sozialen Netzwerken, auf Food-Blogs und in der Google-Suche am häufigsten anzutreffen. THE BOWL, Berlin: Bowls nach ursprünglichem Verständnis: Clean Eating. In die Bowls kommen nur glutenfreie, zuckerfreie und naturbelassene Zutaten, www.thebowl-berlin.com DIMES, New York City: Frühstück, Sandwiches, Smoothies und Bowls, dimesnyc.com CANTEEN, Portland, Oregon: Bowls und Säfte, canteenpdx.com

 

 

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