Faktor Freude

Von Corporate-Happiness-Beauftragten über eine Team Lodge bis hin zur Entdeckungsreise: Mit neuen Ideen bringen Hotels und Restaurants Schwung in die Arbeitswelt ihrer Mitarbeiter. Was sie dazu bewegt und wo sie zu finden sind? 
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"Ein glückliches Team bringt auch wirtschaftlichen Erfolg!"

- Isabella Dschulnigg-Geissler, Geschäftsführerin Saalbacher Hof

Schon mal eine „Lässig-Karte“ an einen Kollegen verteilt, weil er so gute Arbeit geleistet hat? Bereits in einem Mitarbeiter-Haus mit Sauna und Dachterrasse gewohnt? Oder gar bei einer Poolparty im Haus des Chefs abgefeiert? Was sich für viele Mitarbeiter noch utopisch anhört, ist zunehmend auch in Restaurants und Hotels am Kommen. Innovative Personalkonzepte verleihen dem Arbeitsalltag eine gehörige Portion Pepp – und machen Lust auf mehr.

Mitreden und lässig bleiben

Der Chef schafft an und die Aufgabe wird erledigt – wer kennt diesen Ablauf nicht? Dass es auch anders geht, beweist das Hotel Saalbacher Hof im Salzburger Pinzgau. Seit 2015 befindet sich das 4-Sterne-Hotel auf dem Weg zum mitarbeitergeführten Betrieb. Angefangen hat alles mit den so genannten „Kotzkübel-Events“. Heute würden die beiden Geschäftsführer Isabella Dschulnigg-Geissler und Christian Geissler die Veranstaltung nicht mehr so nennen, aber damals war die rund dreistündige Veranstaltung eine wichtige Bestandsaufnahme der Mitarbeiterzufriedenheit. Ohne Angst vor Sanktionen, nur ausgestattet mit zehn Grundregeln, konnte jedes Teammitglied offen sagen, was es am Arbeitsumfeld störte. Die Idee wurde auch deshalb zum Erfolg, weil sich in den Wochen danach wirklich viele der angesprochenen Dinge verbesserten. Heute lebt das Event unter dem Namen „Kreativ&Konstruktiv“ weiter, wird zweimal im Jahr veranstaltet und ist Teil eines viel umfassenderen Konzepts zur Mitarbeitermotivation. Ein wichtiges Element bildet dafür der „Circle of Trust“. Wer öfter als zweimal hintereinander im Saalbacher Hof als Saisonkraft arbeitet oder fix hier anfängt, klettert in der Vertrauensleiter nach oben.

Treuevorteile sichern

Er oder sie darf dann im Rahmen der „K&K“-Events selbst daran mitwirken, wie sich die Personalpolitik des Saalbacher Hofes weiterentwickelt. Außerdem gibt es viele zusätzliche Vorteile für die, die sich länger an den Saalbacher Hof binden. So werden zum Beispiel die Kosten für facheinschlägige Seminare während der Arbeitszeit übernommen, Kost und Logis sind ab dem „K&K-Level“ frei und auch Spa- und Fitnessbereiche dürfen zu bestimmten Zeiten mitbenutzt werden. „Wir haben stets das Glück unserer rund 50 Mitarbeiter im Fokus“, so Geschäftsführerin Isabella Dschulnigg-Geissler. „Unsere Corporate-Happiness-Beauftragte kümmert sich um das persönliche Wohlbefinden und stärkt durch innovative Maßnahmen die Zusammengehörigkeit.“ Dazu zählt etwa die „SBH Loveweek“: Jeder Mitarbeiter bekommt einen Kollegen als Secret Angel zugelost. Dieser verwöhnt ihn dann eine Woche lang inkognito mit Aufmerksamkeiten, die die Arbeit versüßen – von motivierenden Sprüchen auf der Pinnwand bis hin zu kleinen Geschenken. Noch besser funktionieren die sogenannten „Lässig-Karten“. Mitarbeiter und Gäste können damit in greifbarer Form Lob verteilen. Vor allem die Karten, die sich die Mitarbeiter untereinander verleihen, sind begehrt. Denn je mehr der „Lässig-Karten“ gesammelt wurden, desto günstiger wird die gemeinsame Mitarbeiterreise, die jedes Jahr die Saison abschließt.

On Tour mit dem Saalbacher Hof

Wenn der Saalbacher Hof gemeinsam „on tour“ geht, übernimmt die Geschäftsleitung garantiert 40 Prozent der Kosten. Dieser Wert kann aber auch auf bis zu 70 Prozent anwachsen, wenn der SBH-Barometer entsprechend positiv ausfällt. Dieser Barometer hängt im Mitarbeiteressraum und setzt sich aus verschiedenen Kennzahlen im Haus zusammen. Je mehr verkauft und je öfter auf den Ressourceneinsatz geachtet wird, umso mehr steigt der SBH-Barometer. Die letzten 30 Prozent der Reise- und Verpflegungskosten können dann auch noch durch die „Lässig-Karten“ gedeckt werden. Dabei wird nur jenes Lob gewertet, das von den Mitarbeitern untereinander verteilt wird. Viele Teammitglieder können so wie in diesem Jahr eine Reise nach Lissabon ganz umsonst machen. Chefin Isabella Dschulnigg-Geissler ist überzeugt, dass sich diese Ausgaben für Gastronomen und Hoteliers auszahlen: „Ein glückliches Team bringt auch wirtschaftlichen Erfolg“, ist sie sich sicher. Außerdem führen die Maßnahmen dazu, dass der Saalbacher Hof kaum Probleme hat, gute Mitarbeiter zu finden. Damit nicht nur Arbeitsuchende aus der Region davon erfahren, tut das Führungsteam auch online viel. Ein eigener Blog unter www.dreamwork.team stellt das spezielle Motivationskonzept vor und trägt so dazu bei, dass der Saalbacher Hof auch als Arbeitgeber zu einer positiv aufgeladenen Marke wird.

Wohnen im Luxus

Auch andere Arbeitgeber in Hotellerie und Gastronomie tun längst mehr, um ihre Angestellten zu binden. Das Stock resort im Zillertal in Tirol etwa, dessen Managementteam bald klar war, dass vor allem jene, die von weiter her auf Saison kommen, eine gepflegte und günstige Unterkunft sehr schätzen. Bereits 2004 wurde die Stock Team Lodge errichtet und seitdem stetig ausgebaut. Gegen einen Unkostenbeitrag von maximal 75 Euro pro Monat beziehen Mitarbeiter luxuriöse Wohnapartments – inklusive Sauna, Fitnessstudio und Pool mit Panoramablick. Zwei Drittel der rund 175 Beschäftigten nehmen dieses Angebot wahr. Auch im Joballtag setzt das Stock resort auf Innovation. Mit der Social-Intranet-Lösung „Hotelkit“ wurde ein Face- book-ähnlicher Kommunikationskanal für die Mitarbeiter installiert. „Darüber hinaus haben wir vor zwei Jahren die Stock Academy ins Leben gerufen“, erzählt HR-Managerin Daniela Niederwolfsgruber. Der Jahresplan umfasst beispielsweise Sushi-Workshops mit Spezialisten oder Persönlichkeitsseminare.

Reiseziel Weiterbildung

Dass vielfältige Chancen zur Weiterbildung immer wichtiger werden, weiß auch Vienna House. Seit 2014 nimmt Österreichs größte unabhängige Hotelgruppe seine rund 2.200-Personen starke Crew mit auf eine Mitarbeiterreise. Diese umfasst verschiedene Stufen: von Entdeckungstagen – einem Intensiv-Training durch alle relevanten Abteilungen – über Weiterbildungskurse an der Vienna House-Akademie bis hin zum Führungskräfteprogramm. Dabei kommt auch „Mikro-Learning“ zum Einsatz: Das webbasierte Tool ist via PC oder Smartphone aufrufbar. Mitarbeiter finden Kursinhalte hier nochmals in kleinen Häppchen serviert und können ihr Fachwissen jederzeit gezielt auffrischen. Beim Thema Arbeitszeit zeigt sich Vienna House flexibel. „Wir glauben, dass ein bunter Mix an Mitarbeitern das beste Ergebnis bringt – darum bieten wir verschiedene Zeitmodelle an“, so HR-Verantwortliche Kathrin Gollubits. Diese reichen von Teilzeit über mobile Arbeitsplätze bis hin zum Arbeiten von zu Hause. Daneben können die Mitarbeiter auch die Schicht oder den bevorzugten Arbeitsort auswählen. „Eine große Errungenschaft ist zudem, dass wir bei Mitarbeitern auf klassische All-in-Modelle verzichten“, so Gollubits.

Klare Strukturen punkten

Arbeitszeiten sind für viele Mitarbeiter ohnehin der springende Punkt – schließlich will man neben dem Job Platz für Familie, Hobbys und ein entspanntes Bier auf der Couch haben. Dass hier auch kleinere Betriebe Großes leisten können, beweist das Restaurant Skygarden in Linz in Oberösterreich. „Für uns als Familienunternehmen sind klare Strukturen wichtig“, so Geschäftsführer Ralph Ramsebner. Seine 15 Mitarbeiter haben daher ausschließlich durchgehende Dienste in drei Schichten. Die Zuteilung macht der Chef – persönliche Wünsche bezieht er nach Möglichkeit mit ein. Neuigkeiten oder der aktuelle Dienstplan werden über eine WhatsApp-Gruppe ausgetauscht. „Ein Vorteil“, meint Ramsebner. „Im alten Log-Buch ging manches unter.“ Besonders stolz ist er auf das Schulungsprogramm. Als Teil der „Hotspots Linz“ können sich seine Mitarbeiter kostenlos weiterbilden. „Bei größeren Kursen zahlen wir eine Extra-Unterstützung“, sagt Ramsebner. Darüber hinaus winken weitere Schmankerl: Im Sommer lädt der Chef schon mal zur Pool-Party ein, im Winter fährt die gesamte Crew zum Schlemmen nach Wien. Wenn Ramsebner auf sein kleines, aber feines Team blickt, ist er zufrieden. Denn er weiß: „Gute Mitarbeiter zu halten, ist eine Kunst, die immer wichtiger wird.“ Was die Zukunft noch alles bringen wird? Wir sind gespannt.