Von wegen schei***egal

Wer die Bedürfnisse seines Gastes ernst nimmt, achtet darauf, dass auch der unvermeidliche Klobesuch nicht nach hintenlosgeht. FRISCH hat Experten gefragt, was Sie dabei beachten sollten.
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Das „stille Örtchen“ ist immer noch häufig eine Problemzone in der Gastronomie. Davon abgesehen, dass viele Toiletten hygienische Mängel aufweisen, kann auch ein enger oder lieblos gestalteter Waschraum das Gesamterlebnis trüben. Laut einer Studie des Unternehmens Tork, das Papier- und Hygieneprodukte herstellt, sind 90 Prozent der Befragten der Überzeugung, dass die Sauberkeit im Waschraum Rückschlüsse auf den Gesamthygienezustand erlaubt. Wie das Klo, so die Küche.

 

Für absolute Hygiene sorgen

Die Basis für einen hygienischen Waschraum bildet die entsprechende Ausstattung: Große Flächen, abgerundete Ecken und pflegeleichter Materialien sorgen dafür, dass eine Toilette leicht zu reinigen ist. Gerade auf Damentoiletten gibt es noch viel Nachholbedarf, findet auch Nicole Waltl-Piffer. Sie ist Teil des Architektenteams „W2 Manufaktur“, das u. a. für die Gestaltung der Hotels Forsthofalm, Das.Goldberg und Salzburger Hof verantwortlich zeichnet. „Ich vermisse immer noch häufig Behältnisse, in denen man Hygieneprodukte berührungsfrei und ohne unangenehme Gerüche entsorgen kann. Da ist man uns in wärmeren Regionen, wo Körperhygiene seit jeher eine andere Rolle spielt, deutlich voraus“, sagt Nicole Waltl-Piffer im Interview.

 

Auch Tobias Mildner, Seminarleiter und Schulungsreferent zum Thema Reinigung beim deutschen Hygiene- und Versorgungsspezialisten igefa, sieht einen massiven Trend hin zu berührungsfreien Lösungen in Waschräumen: „In den USA sind bereits 95 Prozent der Seifen- und Handtuchspender sensorgesteuert. Aber auch für Türen, an deren Klinken sich die meisten Bakterien und Keime sammeln, gibt es bereits entsprechende Technik.“ Übrigens hat die oben genannte Tork-Studie auch gezeigt, dass dort, wo Toiletten sauber sind, die Hemmschwelle für Benutzer größer ist, selbst unangenehme Spuren zu hinterlassen. Umgekehrt motivieren unhygienische Anlagen Schmutzfinken dazu, sich auszutoben.

 

Wertschätzung ausdrücken

Ein weiteres häufiges Ärgernis, das längst nicht mehr sein muss, sind leere Seifen- oder Handtuchspender sowie fehlendes Klopapier. Moderne Systeme informieren regelmäßig über Füllstände und ersparen zeitaufwändige Kontrollgänge. Und auch die Qualität der Verbrauchsmaterialien ist ein Signal an den Kunden: „Was gar nicht geht, ist billige oder verdünnte Seife, die aus den Spendern tropft, oder minderwertige Papierqualität bei Handtüchern und Klopapier“, meint Tobias Mildner bestimmt. „Damit signalisiere ich dem Gast auch, wie sehr ich ihn wertschätze.“

 

Wo keine gute Belüftung möglich ist, sollte man zumindest mit hochwertigen Raumparfums und dezenten Duftspendern arbeiten. Billige Duftstoffe riechen nicht nur unangenehm, sondern können bei empfindlichen Nasen sogar Allergien auslösen. Damit es auf einer Restauranttoilette nicht riecht wie auf dem Bahnhofsklo gilt es aber noch mehr zu berücksichtigen: „Wenn Urin danebengeht, dann saugen das trockene Fliesenfugen geradezu auf“, weiß Reinigungsprofi Tobias Mildner. „Hier kann man z.B. mit waschbaren Mattenvorlegern oder bestimmten biologischen Reinigern arbeiten.“ Manche Hersteller sorgen für mehr Treffsicherheit, indem sie z.B. „Zielfliegen“ in Urinale eindrucken.

Historisches

 

Gelbes Gold

Der römische Kaiser Vespasian (Regierungszeit 69–79 n. Chr.) ließ Urin besteuern und an Tuchfärber verkaufen, um u. a. den Bau des Kolosseums zu finanzieren. Von ihm stammt der sprichwörtliche Ausdruck „Geld stinkt nicht“, den er wohl im Streit mit seinen Beratern äußerte.

 

Die Urahnin der Klofrauen

1330 wurde im Konfessbuch der Stadt Frankfurt am Main das erste Mal eine Frau als „Schizhusfegern“ bezeichnet. Sie trug den Namen Hilla und dürfte die erste Klofrau der Geschichte gewesen sein.

 

Leonardos Lokus

Selbst Leonardo da Vinci inspirierte der Klogang: Er entwarf 1488 eine Toilette, die sich bei Bedarf durch eine Achse aus der Wand klappen ließ, hinter der ein Abzugsschacht versteckt gewesen sein musste.

 

Wiener WCs

Das erste Pissoir Wiens wurde am 25. September 1861 in Betrieb genommen. Am 14. März 1905 wurde die erste unterirdische Bedürfnisanstalt des europäischen Kontinents in der Grabenstraße in Betrieb genommen.