Helfende Hände

Das älteste SOS-Kinderdorf Afrikas wurde rundum erneuert. KRÖSWANG finanzierte eines der vierzehn neuen Gebäude.
toggle Sidebar Die größte Stadt der Elfenbeinküste ist die Küstenstadt Abidjan. Dort sind mehr als 40.000 Kinder ohne Eltern und leben auf der Straße...

Österreich ist eines der reichsten Länder der Erde. Viele Probleme, mit denen Menschen anderswo auf der Welt kämpfen müssen, sind für uns nicht einmal vorstellbar“, sagt Manfred Kröswang. „Wir wollen jenen Menschen helfen, die nicht das Glück hatten, in einem reichen Land wie Österreich oder Deutschland geboren zu sein.“ Und am meisten Hilfe brauchen die Kinder. „Wir wollten ein Projekt unterstützen und nicht einfach nur Geld überweisen“, sagt er. Bereits 2009 finanzierte KRÖSWANG den Bau eines Familienhauses im SOS-Kinderdorf Fort Portal in Uganda. In Abobo Gare in Elfenbeinküste eröffnete nun die zweite Einrichtung mit KRÖSWANG Beteiligung. Hier finanzierte der Lebensmittellogistiker den Umbau eines Hauses.

 

DORFGEMEINSCHAFT

Beim SOS-Kinderdorf ist man der Überzeugung, dass ein Kind am natürlichsten in einem familiären Umfeld aufwächst. SOS steht für Societas Socialis, was so viel wie soziale Gemeinschaft bedeutet. Jedes SOS-Kinderdorf bildet mit mehreren Familienhäusern, einer Schule und einem Kindergarten einen engen Dorfverband. In jedem Familienhaus kümmert sich eine SOS-Mutter gemeinsam mit einer Sozialpädagogin um rund zehn Kinder, die wie richtige Geschwister lernen müssen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, auch wenn sie nicht verwandt sind. Das soziale Leben spielt sich in der Dorfgemeinschaft ab, wo die Kinder gemeinsam in die Schule gehen, wo sie spielen, Sport machen, aber auch im Haushalt helfen.

 

HORIZONT

Patenschaften unterstützen SOS-Kinderdorf-Familien einerseits finanziell und sichern ihren Unterhalt, andererseits bereiten den Kindern Briefe, Bilder und kleine Aufmerksamkeiten aus Deutschland, Österreich oder anderen europäischen Ländern Freude. Derzeit leben sieben Kinder, vier Mädchen und drei Buben, im KRÖSWANG Familienhaus. KRÖSWANG übernahm mit der Förderung nicht nur den Bau und die Renovierung jeweils eines Familienhauses, sondern auch die Patenschaft aller darin lebenden Kinder. Damit gehen pro Jahr jeweils etwa 20.000 € in die SOS-Kinderdörfer in Uganda und Elfenbeinküste. Inklusive Baukosten beliefen sich die Förderungen damit auf insgesamt 330.000 € seit 2009.

 

HERKUNFT

Der Stadtteil Abobo, in dem sich das SOS-Kinderdorf befindet, ist sehr dicht besiedelt. Geschätzte 20 % der Bevölkerung leben in Slums. Besonders die Kinder leiden unter der Armut. Kein Wunder, dass gerade hier das erste SOS-Kinderdorf Afrikas entstand. Das war im Jahr 1971. 45 Jahre sind seither vergangen und das SOS-Kinderdorf ist nun rundum erneuert worden. Die bestehenden Häuser wurden renoviert, neue Häuser ergänzen die Angebote für die Dorfbewohner. Nicht nur die Zeit nagte an den bunten Fassaden, seit dem Bestehen des SOS-Kinderdorfes passiert im Land viel Schreckliches, zahlreiche Krisen und Diskrepanzen, die auch zum Bürgerkrieg führten. Seit 2011 hat das Land einen demokratisch gewählten Präsidenten namens Alassane Ouattara. Seine Frau Dominique Ouattara, die First Lady, nahm an der Eröffnungszeremonie des frisch renovierten SOS-Kinderdorfes teil.

 

LEBENSFREUDE

Das Kinderdorf in Abidjan ist das älteste Kinderdorf Afrikas. Hier lebten in zehn Häusern über achtzig Kinder, seit dem Umbau befinden sich sogar 14 Häuser auf dem Gelände, in dem nun 140 Kinder ein neues Zuhause finden. Die größte Herausforderung war, dass die Renovierung während des laufenden Betriebes passierte. Es wurde immer an drei oder vier Häusern gleichzeitig gearbeitet, die Familien mussten zusammenrücken. „Die betroffenen Familien mussten während der Bauzeit an ihren Häusern auf die übrigen Häuser verteilt werden, was bei neun Kindern pro Haus nicht immer einfach war“, heißt es bei SOS-Kinderdorf. „Aber die Freude über das neue Zuhause hat überwogen und alle vorübergehenden Strapazen auf sich nehmen lassen.“ In Summe wurde zwei Jahre an der Renovierung des gesamten Dorfes gearbeitet.

 

SPIELRAUM

Das SOS-Kinderdorf ist da eine glückliche Oase mit Schule, Sportplatz und Spielplatz. Selbst wenn die Kinder aus für uns unvorstellbaren Verhältnissen kommen, schaffen sie es, ihre Geschichte zu überwinden, und starten aufregende Karrieren. „Hab kein Selbstmitleid, zieh dich nicht selbst wegen deiner Geschichte runter“, Ratschläge wie diese bekommen die Kinder von ihren SOS-Müttern. „Nutze es als Stärke und mach einfach immer weiter!“

Geographie:

Die Elfenbeinküste ist mit rund 322.000 km2 fast so groß wie Deutschland und hat etwas mehr als 23 Mio. Einwohner. Zum Vergleich: In Österreich leben zurzeit knapp 9 Mio. Menschen auf 84.000 km2. Die Elfenbeinküste liegt am Golf von Guinea (Atlantik) in Westafrika. Nachbarländer sind Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana.

Geschichte:

Die Elfenbeinküste war bis 1960, wie die meisten anderen westafrikanischen Staaten, eine französische Kolonie. Das Land lockte mit ein wenig Erdöl und Erdgas, aber vor allem mit dichtem Wald und massenhaft Kaffee und Kakao. Der Name Elfenbeinküste kommt von der Jagd auf Elefanten und deren wertvolle Stoßzähne. Elfenbein war lange Zeit das wichtigste Exportprodukt des Landes. Heute ist die Elfenbeinküste der weltweit größte Kakao- Produzent und -Exporteur.

Sprachen:

Seit der Kolonialzeit und bis heute ist die Amtssprache des Landes Französisch. Neben der importierten Sprache werden im Land rund 80 Volkssprachen und Idiome gesprochen. Immer mehr Menschen sprechen inzwischen Französisch, allerdings müssen sie die Sprache in der Schule lernen, traditionell weitergegeben werden die Dialekte.

Hauptstadt:

Die größte Stadt des Landes ist die Küstenstadt Abidjan, mehr als 4 Mio. Menschen leben in der Metropole. Bis 1985 war Abidjan die Hauptstadt der Elfenbeinküste und noch heute ist sie Regierungssitz – die Hauptstadt ist inzwischen aber das viel kleinere Yamoussoukro, etwa zweieinhalb Autostunden nordwestlich von Abidjan im Landesinneren. Wie überall auf der Welt strömen die Menschen auch in Afrika vom Land in die Städte und die Einwohnerzahl der Metropole Abidjan nimmt stetig zu. So steigen auch die Armutsrate und die Anzahl der Waisenkinder. In Abidjan sind mehr als 40.000 Kinder ohne Eltern und leben auf der Straße.

 

VON VENTILATOREN UND VIDEOSPIELEN

Samuel ist elf Jahre alt und lebt mit sechs Geschwistern in einem Familienhaus im SOS-Kinderdorf Abobo Gare. Seine Eltern gaben ihn im Alter von knapp zwei Jahren bei der Polizei ab, die den Jungen ins SOS-Kinderdorf brachte. Seine Geschichte ist kein Einzelfall...

 

Wie hat das SOS-Kinderdorf dein Leben verändert?

Im SOS-Kinderdorf bekam ich ein Dach und eine Mutter. Dank meiner Mutter habe ich immer etwas zu essen und wenn ich krank bin, begleitet sie mich ins Spital. Ich gehe in die Schule und bin stolz, dass ich mit meinen Freunden Französisch sprechen kann.

Was magst du am liebsten im Dorf?

Ich mag unser Familienhaus – es ist sehr schön und hat schöne Farben.

Was hat sich seit der Renovierung verändert?

Seit der Renovierung haben wir Ventilatoren in den Schlafzimmern. Außerdem gibt es Straßenlaternen. Das Dorf ist heller und schöner geworden.

Bist du glücklich, dass das Dorf renoviert worden ist?

Ja, ich bin sehr glücklich. Vorher war es sehr heiß in den Schlafzimmern, mit den Ventilatoren schlafen wir besser. Außerdem gibt es Moskito-Netze an den Fenstern.

Was wünschst du dir noch im Dorf?

Ich hätte gerne einen DVD-Player im Familienhaus. Außerdem wäre es schön, mehr Fernsehkanäle zu haben, sodass ich auch Fußballspiele aus der UEFA Euro schauen könnte.

Wie sieht dein Tag aus?

Wenn ich aufwache, mache ich ein wenig Hausarbeit und dann gehe ich duschen. Ich besuche die Jugendlichen im Jugendhaus, um zu tratschen oder Computerspiele zu spielen. Ich wünschte, wir hätten mehr Video-Spiele.

Was ist deine Lieblingsspeise?

Reis mit Erdnuss-Sauce.

Dein Lieblingsschulfach?

Geschichte und Geografie. Was ist dein Traum? Mein Traum ist eine gute Ausbildung, sodass ich auf mich selbst aufpassen und eine Familie gründen kann.

Was willst du werden, wenn du groß bist?

Ich wäre gern ein berühmter Physiker und würde am liebsten bei der NASA arbeiten.