In Eigenregie

Gute Videos zu drehen, ist heute selbst für Laien kein Problem. Dank hochauflösender Smartphones sind Sie schnell produziert. FRISCH zeigt, wie´s funktioniert und was den Reiz der Eigenproduktionen ausmacht.
toggle Sidebar Als Profi bin ich oft baff über die Kameraqualität, die einem heute geboten wird.

Die Idee, Videos zu machen kam Matthias Hubert Reinisch, Küchenchef und Inhaber im Restaurant Hotel & Heuriger Reinisch in Köflach, im ersten Lockdown: „Ich wollte für meine Gäste da sein, auch wenn sie mich nicht im Restaurant besuchen können.“ Er rief auf Facebook seine Fans dazu auf, ihm Produkte zu nennen, die sie im Kühlschrank haben, um daraus ein Rezept zu entwickeln. „Ich wollte aufzeigen, wie man im Lockdown zuhause für mehr Abwechslung beim Essen sorgen kann. Daraufhin kam von Freunden der Vorschlag, doch Videos zu machen“, so Reinisch. Eine Nachfrage bei der Facebook-Fancommunity, ob ihr die Idee auch gefalle, fiel äußerst positiv aus. Mehrere hundert unterstützende Kommentare und Likes folgten noch am selben Tag und so legte der Küchenchef gemeinsam mit seiner Freundin hinter der Smartphone-Kamera kurzerhand völlig unvorbereitet los. Das erste Video „Chicken Masala“, gesendet aus seiner Privatküche, wurde gleich am ersten Tag 2.000-mal aufgerufen. Auch die nächsten Videos stießen auf große Resonanz. „Da war ich selbst überrascht“, so Reinisch. Mit der Wiederöffnung im Sommer legte Reinisch eine Video-Pause ein: „Da ist das Thema wieder ein wenig eingeschlafen.“ Aufgrund des großen Zuspruchs arbeitet der Steirer jetzt aber an einem eigenen YouTube-Kanal, auf dem er künftig wöchentlich ein Video online stellen will.

Bewegtbild Hausgemacht

Reinischs unbekümmerte Herangehensweise ist ein plakatives Beispiel dafür, wie einfach und günstig authentisches Marketing mittels „hausgemachter“ Videos sein kann. Und Authentizität ist laut Marketing-Experte Matthias Hechler „eine perfekte Basis, um sich Fans zu machen“: „Wenn Sie auf einer echten und authentischen Basis mit Ihrer Zielgruppe kommunizieren, verschmelzen Schein und Sein zu einem stimmigen und konsistenten Ganzen. Ihre Zielgruppe spürt, dass Sie leben, was Sie verkaufen.“ Kein anderes Medium ermöglicht es leichter, sich authentisch zu zeigen und damit den Austausch mit seiner Zielgruppe zu forcieren als ein Video. Es bietet die Möglichkeit, Häppchen an kurzweiliger Unterhaltung oder schneller Informationsvermittlung zu bieten und sich als Person und/oder sein Unternehmen nahbar und greifbar zu präsentieren. Mit Videos lassen sich die Gäste auch in der digitalen Welt bedienen. Hinzu kommt, dass sich durch die steigende Smartphone-Nutzung die Medienkonsumation in Richtung audiovisueller Inhalte verschiebt. Ein Grund mehr, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Hoch im Kurs steht dabei allen voran das Online-Portal YouTube, gefolgt von Social-Media-Kanälen wie Facebook und Instagram. Dort werden am liebsten unterhaltsame und lustige sowie informative und inspirierende Videos konsumiert.

Technisches Wunder

Gerade in letzter Zeit haben viele Restaurantbesitzer den Schritt ins World Wide Web gewagt, um ihre Kunden auch digital zu erreichen. „Loyale Konsumenten werden die Restaurants, die sie lieben, immer unterstützen. Dein Job ist es, ihnen zu helfen, dein Restaurant noch mehr zu lieben“, sagt Marketing-Spezialistin Laura-Andreea Voicu: „Es ist wichtig, mit den Konsumenten in Kontakt zu bleiben, jetzt mehr als jemals zuvor. Videos sind dank der Dominanz der digitalen Welt und Social Media einer der besten Wege, das zu tun.“

Smartphones fördern in dieser Hinsicht nicht nur die Konsumation der Videos, sie sind heute gleichzeitig das Tool zur Produktion der audiovisuellen Botschaften. „Wenn ich nicht gerade einen Spielfilm drehen will, dann komm ich mit einem Smartphone extrem weit“, sagt Fotograf und Filmer Christian Schneider: „Als Profi bin ich oft baff über die Kameraqualität, die einem heute geboten wird.“ Bei gutem Licht und Ton sind Smartphone-Videos oftmals kaum noch von Filmen mit großer Kamera zu unterscheiden.

Vom Laien zum Regisseur

Wo früher der Einsatz von Profis nötig war, kann dank Smartphone heute jeder Laie zum Kameramann und Regisseur seines Lebens werden. Die „schlauen Telefone“ bestechen nicht nur mit hoher Kameraqualität, sondern sind auch flexibel, schnell, nahezu überall einsetzbar und helfen obendrein, das Marketing-Budget zu schonen. Mit entsprechenden Videoschnitt-Apps werden sie zum All-in-one-Gerät: Drehen, Schneiden, Verschicken – das Smartphone ermöglicht alles in einem Aufwasch. Der angehende Smartphone-Filmer sollte allerdings in ein Gerät der jüngsten Generation investieren: Je neuer das Gerät, desto besser die Technik und damit die Qualität der Videos. Abgesehen von der Kameratechnik spielt auch der Speicherplatz eine große Rolle, denn: Beim Drehen kommt viel Material zusammen, auch wenn im Endeffekt vielleicht nur ein Zehntel davon im finalen Video zu sehen ist. Bei einem iPhone sind Geräte mit mindestens 256 GByte empfehlenswert, bei Android-Handys kann notfalls mit einer Speicherkarte nachgerüstet werden. Wer alleine dreht, sollte sich ein Stativ zulegen: Die Hände bleiben frei und die Bilder ruhig und wackelfrei. Bleibt das Handy in der Hand, dann sorgt ein Handheld-Stabilisator, auch Gimbal genannt, für flüssige und ruckelfreie Bilder. Hinsichtlich Beleuchtung reicht in der Regel Tageslicht aus, um schöne Handyvideos zu drehen. Und wird es kein Interview oder steht das Smartphone nah genug, reicht meist auch das Gerätemikrofon.

Besser mit Zusatzequipment

Wer regelmäßig Videos dreht, sollte sich jedoch ein Zusatz-Equipment besorgen. Empfehlenswert sind laut Profi-Filmer Christian Schneider jedenfalls ein Stativ oder Gimbal, eine digitale Audio-Funkstrecke und ein akkubetriebenes LED-Panel: „Mit einer Gesamtinvestition von nicht einmal 500 Euro hat man sich ein Top-Equipment angeschafft, mit dem sich tolle Videos erstellen lassen.“ Zusätzlich kann eine Powerbank nützlich sein: Das Drehen saugt den Akku schnell leer. Angesichts der Kosten für eine professionelle Videoproduktion wird die Anfangsinvestition schnell zur Lappalie. Die Beauftragung eines Filmprofis kann in die tausenden Euros gehen. „Setzen Sie als Hausnummer nicht unter 1.500 Euro für ein einfaches Video an. Nach oben gibt es keine Grenzen“, sagt Martin Goldmann, Experte für Videoproduktionen für Unternehmen. Die Kosten hängen dabei von der Art des Films, der Länge und den Inhalten ab.

Kreativität gefragt

Was aber spricht für Videos? Durch Bewegung und Sound lassen sich Emotionen besser transportieren. Durch die Ansprache des Seh- und Hörsinns wird nämlich mehr Aufmerksamkeit erzielt und die Inhalte bleiben länger in Erinnerung. Anders als bei einem statischen Bild lassen sich mittels bewegten Bildern selbst komplexere Informationen innerhalb weniger Sekunden verständlich vermitteln. Und der Kunde bekommt durch audiovisuelle Informationen ein viel besseres Gefühl für die Person oder das Unternehmen. Mittels Videos lassen sich auch im Gastrobereich unterschiedlichste Themen auf eine emotionale Art und Weise vermitteln, wobei die klassische „Koch-Show“ das beliebteste Konzept ist. Die Gäste können ebenso mit Kurzvorstellungen saisonaler Menüs, Wochen-Specials, Events, Behind-the-Scenes-Videos oder Mitarbeitervorstellungen im „A Day-in-the-Life-of“-Stil bei der Stange gehalten werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, wobei die Geschichte spannend, interessant, aufregend, dynamisch, vielfältig, amüsant oder abwechslungsreich, also in jedem Fall emotional und authentisch sein sollte. Hilfreich kann auch sein, sich im Vorfeld eine Geschichte zu überlegen und alle Videos nach gleichem Konzept aufzubauen. Das steigert den Wiedererkennungswert. Im Falle von Küchenchef und Restaurant-Inhaber Matthias Hubert Reinisch war beispielsweise die private Küche jedes Mal Schauplatz seiner Koch-Show: „Die Menschen, die meine Videos schauen, haben auch keine professionellen Geräte zuhause, daher möchte ich dort kochen, wo auch die Zuschauer kochen, um authentisch zu bleiben. Meine Gerichte sollen zuhause leicht und einfach zum Nachkochen sein.“

Auch die Salzburger Spitzenköche Karl und Rudolf Obauer starteten im Lockdown eine Koch-Show am eigenen Herd. Gekocht wurde das, was die Familie „normal“ isst. Die Zuseher wurden dabei via Instagram und Facebook Zeuge bei der Zubereitung von Erdäpfeldatschi, Pizza und Schweinsbraten. Die Koch-Shows, das war eine rein private Sache, so Rudolf Obauer: „Unverstellt. Unverblümt. Amateurhaft.“ Nicht unwesentlich ist nebst emotionalem Bindungsaufbau übrigens auch der Mehrwert für den Kunden. Daher gibt's beispielsweise bei Obauer und Reinisch nichts Abgehobenes, sondern klassische Hausmannskost, die selbst ein Laie zubereiten kann. Welcher Inhalt letztlich gewählt wird, seine Würze liegt in der Kürze. Warum? Studien zeigen, dass die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Smartphone-Nutzern im einstelligen Sekunden-Bereich liegt. Aus diesem Grund ist auch in der digitalen Welt der Trend hin zu leichter Kost bemerkbar. Das Video muss in Zeiten permanenter Informationsüberflutung innerhalb weniger Sekunden die Aufmerksamkeit der Konsumenten gewinnen und darf nicht zu lange dauern, oder besser gesagt: So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Profi-Filmer Christian Schneider empfiehlt bei Videos für soziale Medien jedenfalls generell eine maximale Dauer von einer Minute.

Traffic erhöhen

In die eigene Website eingebettet, können Videos die Verweildauer erhöhen. Nicht unwichtig: Suchmaschinen belohnen Websites mit längerer Verweildauer und hochwertigem Video-Content durch ein besseres Ranking. Via YouTube oder anderer Social-Media-Plattformen veröffentlichte Videos können wiederum auf die eigene Website aufmerksam machen. Aufgrund von Algorithmen wird immer nur ein Teil der User den Video-Post auf sozialen Medien sehen. Aus diesem Grund kann es hilfreich sein, ein Video mit anderem Teaser und Titel oder anderen Bildunterschriften mehrfach zu posten. Ebenso möglich ist, einen Link auf die Website hochzuladen, unter dem eine längere Version des Videos zu finden ist. Um den Kontakt zu Gästen in der Online-Welt nicht zu verlieren und einen Wiedererkennungseffekt zu erzielen, ist es zudem wichtig, regelmäßig zu posten. Meist ist es deshalb gut, sich eine Strategie für einen längeren Zeitaum zu überlegen und einen Themenplan zu erstellen. Das sorgt für Struktur, Routine und Effizienz. Gelingt das, ist der Schritt zum Filmer für den eigenen Betrieb schnell geschafft. 

„Smartphone-Technik ist der Wahnsinn.“

Geht es nach dem Profi-Fotografen und -Filmer Christian Schneider, dann ist es ein Leichtes, Videos mit dem Smartphone zu drehen. Im FRISCH Interview gibt er wertvolle Tipps.

Kann jeder, der ein Smartphone hat, heute auch gute Videos machen?

Grundsätzlich ja. Jedoch gilt, je neuer das Handy, desto besser die Kameraqualität und desto mehr Features stehen zur Verfügung. Das Modell, das ich aktuell nutze, verfügt sogar über ein Standard-Weitwinkelobjektiv. So etwas gab es bisher nur bei Profi-Kameras. Viele wissen aber auch nicht, dass man die Kamera am Handy noch optimieren kann. Schraube ich beispielsweise die Framerate, die angibt, wie viele Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, hoch, wird die Qualität des Videos gleich um ein Vielfaches besser. Hier gilt, je mehr Bilder pro Sekunde desto weicher, ruckelfreier und damit schöner sind die Aufnahmen. Viele User wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt.

Empfehlen Sie noch zusätzliches Zubehör?

Für schnelle Aufnahmen zwischendurch reicht ein Smartphone der neuen Generation vollkommen aus. Dennoch empfehle ich zumindest einen Stabilisator zu verwenden, der wackelfreie und flüssige Aufnahmen garantiert.


Technik ist nicht alles. Gibt es Tipps, wie man schöne Aufnahmen macht?

Für Außenaufnahmen eignet sich die „blaue Stunde“ am besten. Damit ist die abendliche oder morgendliche Dämmerung gemeint. Das Licht sorgt für schwächere Kontraste zwischen Hell und Dunkel und schafft eine besondere Stimmung. Eine gefilmte Person darf aber nie vor einer Lichtquelle wie etwa einem Fenster stehen, sonst sieht man nur ihre Kontur. Bei Drehs in Innenräumen sollte das Licht generell immer von vorne kommen und nie von hinten – außer es ist stilistisch gewünscht. Außerdem sollte der Filmer nie direkt vor der gefilmten Person stehen, sondern leicht rechts oder links neben ihr. Wird für Drehs generell mehr Licht gebraucht und hat man ausreichend Zeit für den Dreh, dann würde ich in ein akkubetriebenes LED-Panel investieren. So ein mobiles Beleuchtungsset ist leicht, kompakt und einfach zu bedienen. Das Gleiche gilt übrigens auch für eine digitale Audio-Funkstrecke. Die Bedienung ist total einfach, das Audiosignal kristallklar.

Gibt es noch etwas zu bedenken beim Aufnehmen?

Die Drittelregel, bei der der Bildschirm in neun gleich große Felder geteilt wird. Sie garantiert harmonischere Bildkompositionen. Bei hochformatigen Nahaufnahmen beispielsweise sollten die Augen immer im oberen Drittel sein. Bei weiterer Entfernung schaut es besonders gut aus, wenn sich der Kopf einer Person im mittleren Feld und – je nach Blickrichtung – im rechten oder linken äußeren Drittel befindet. Vermeiden sollte man zu viel leere Räume rund um eine gefilmte Person. Wichtig ist, dass die Szenerie lebendig ist und doch aufgeräumt wirkt. Möchte ich im Hintergrund etwas kaschieren, rücke ich einfach die Person mehr ins Bild. Überhaupt ist es wichtig, beim Drehen verschiedene Bildausschnitte zu wählen – einmal mehr ins Detail gehen, dann wieder mehr die Weite betonen. Ohne Abwechslung wird das Video langweilig. Ich empfehle außerdem, immer in Hochformat zu drehen, weil das auf dem Smartphone einfach viel besser aussieht.

Wie kann ich speziell Gerichte ins rechte Licht rücken?

Es darf kein Schatten auf das Gericht fallen, wenn es gefilmt wird. Es sollte unbedingt gleichmäßig beleuchtet sein. Ich rate zu einer Aufnahme am Fenster mit Tageslicht. Ein Horror ist jedenfalls das Licht von Gastrowärmestrahlern. Das rückt die Speisen definitiv in kein gutes Licht. Je nach Art des Gerichtes ist es auch besser, es von vorne oder oben zu zeigen. Beispielsweise einen Burger von oben zu filmen, macht wenig Sinn, weil man kaum etwas davon sieht. Ich empfehle, den Winkel der Aufnahme an das Gericht anzupassen.


Wie lange sollte ein Video sein?

Die Aufmerksamkeitsspanne ist sehr gering, daher sollte das fertige Video maximal eine Minute dauern. Dennoch ist es wichtig, genug Videomaterial aufzunehmen, denn beim Schneiden wird wieder viel gekürzt. Ich rate, während des Drehs gleich alle Takes, die nicht gelungen sind, sofort zu löschen, und nur das Material zu behalten, das gut war. Das spart eine Menge Arbeit beim Schnitt.

Stichwort Schnitt: Was gilt es dabei zu beachten?

Jede gedrehte Szene sollte mindestens drei Sekunden lang ruhig gefilmt sein. Hilfreich ist, beim Drehen innerlich mitzuzählen. Vor und nach jedem gesprochenen Text sollten mindestens drei Sekunden angehängt werden. Bei „Go“ also nicht gleich losstarten, sondern sich ganz kurz Zeit lassen. Das erleichtert unheimlich den späteren Schnitt. Andernfalls kann es sein, dass dann Material für Übergänge fehlt.

Gibt es ein Schnittprogramm, das Sie empfehlen können?

Die App „InShot-Video-Editor & Foto“ zählt meines Erachtens derzeit zu den besten am Markt. Sie ermöglicht eine perfekte Video- und Bildbearbeitung. In der Basisversion bietet sie alle notwendigen Grundfunktionen für alltägliche Drehs und ist kostenfrei.

Herr Schneider, vielen Dank für das Gespräch! 

Zur Person

Christian Schneider ist Profi-Fotograf und -Filmer mit Schwerpunkt in den Bereichen Tourismus und Food. Ab Sommer zeigt er in Online-Seminaren mit dem Titel „Content like a boss“, wie sich Videos professionell mit dem Smartphone erstellen lassen. Damit richtet er sich speziell an Hotels und Restaurants. www.christianschneider.photography