Perfekte Welle

Was tun, wenn Lärm durch Gespräche, Musik und Gläserklirren zum echten Problem wird und die Gäste sich beschweren? FRISCH hat sich anhand konkreter Beispiele angesehen, wie Gastronomen störenden Schallwellen Fallen stellen können.
toggle Sidebar Die besten Effekte haben absorbierende Deckenelemente.

Maria Fuchs wusste, worauf sie sich einließ. Die Wiener Gastronomin setzte bei ihrem ersten Lokal sogar auf einen gewissen Lärmpegel. „Als wir das Pizza Mari 2008 aufsperrten, wollten wir ganz bewusst diesen typischen Look von Pizzerien in Italien. Sehr glatt, fast ein wenig kalt, mit einem hohen Energieniveau im Raum“, beschreibt sie das Konzept. Dort sollte es nicht nur geschäftig zugehen, es sollte auch die beste Pizza der Stadt geben. Weil die in der Pizza Mari relativ günstig ist, kann das Konzept nur aufgehen, wenn sich die Tische entsprechend oft drehen. „Wir haben deshalb eine gewisse Lautstärke in Kauf genommen, auf Vorhänge und Tischdecken ganz verzichtet und beim Umbau sogar den Fließenboden drin gelassen“, erzählt sie. Denn zu gemütlich sollte es gar nicht werden. Eine schnelle Pizza allein oder mit Freunden und schon sollte der nächste Gast den Tisch bekommen.

Das Konzept war in Wien ein Riesenerfolg und nach ein paar Jahren folgte mit dem Disco Volante im 6. Bezirk gleich ein noch größeres Projekt nach dem gleichen Muster. Doch dort wurde die Akustik zum Problem. Denn das Disco Volante ist ein riesiger Raum mit 100 Sitzplätzen, extrem hohen Decken und fast ausschließlich „schallharten“ Oberflächen. Der Fachbegriff bezeichnet Wand, Boden- und Deckenflächen aus Materialien wie Beton, Glas, Stein oder Metall, die den im Raum befindlichen Schall nicht absorbieren können, sondern zurückwerfen. Gespräche, Gläserklirren, Tellergeklapper, Stühlerücken oder Trittschall: Das alles potenziert sich über Reflexionen zu immer größerer akustischer Energie. Es entsteht ein Geräuschpegel, der die Unterhaltung schwierig macht. Vor allem Gäste ab Ende 30 stresst das und sie bleiben häufig weg. „Wir haben das vor allem in den hinteren Bereichen gemerkt, wo wir normalerweise Gruppen platzieren. Dort an der Wand und in den Ecken waren die Verständnisschwierigkeiten besonders schlimm. Aber auch die Mitarbeiter hatten Probleme. Einer unserer Kellner ist Musiker. Der wollte nur noch mit Ohrstöpseln arbeiten“, berichtet Wiens bekannteste Pizzeria-Betreiberin, was sie doch dazu veranlasste, Hilfe zu suchen. Die fand sie erst nach einiger Zeit: „Da wird viel angeboten, was nichts bringt und teuer ist. Die meisten Firmen wollen zuerst eine Tritt- und Luftschallmessung verkaufen. Da muss ich mir als Gastronomin schon überlegen, welche Investition mir am Ende wichtiger ist: die in die Akustik oder in eine Teigmaschine.“

Einen geeigneten Partner fand sie schließlich in Oliver Zehetmayr. Der Oberösterreicher kommt ursprünglich aus der Innenarchitektur und hat sich dann auf Akustiklösungen spezialisiert: „Das ist einer meiner Vorteile“, meint er. „Wir verstehen es, Anforderungen aus der Akustik und Architektur auf einen Nenner zu bringen“. Und er weiß, dass für Gastronomen die Kosten ein wesentliches Entscheidungskriterium sind. „Gerade in Lokalen kann man mit kleinen Maßnahmen schon den Nerv treffen“, ist er überzeugt. „Wenn ich eine Stelle beruhige, dann muss ich das Gros der übrigen Maßnahmen vielleicht nicht zu 100 % machen.“ Im Disco Volante gelang ihm eine Verbesserung zum Beispiel dadurch, dass er Akustikpanelle, die hoch- und mittelfrequente Schallwellen absorbieren, direkt an jene Wände montierte, wo es am lautesten war. „Der Lärmpegel ist dort nun schon wesentlich niedriger“, meint auch seine Auftraggeberin und schickt hinterher: „Man könnte natürlich noch viel mehr machen.“

Unsichtbare Absorber

Dass sie die Probleme im Disco Volante noch mehr für Akustikprobleme in der Gastro sensibilisiert hat, zeigt ihr neuestes Projekt. Für das nur 37 m2 große Cin Cin Buffet engagierte Maria Fuchs Stararchitekt Hermann Czech, der schon seit den 80er Jahren mit akustischen Optimierungsmaßnahmen arbeitet. „Punktuelle Geräusche, etwa an der Bar, sind in so kleinen Lokalen besonders problematisch. Deshalb haben wir dort gelochte Akustikpanelle aus Holz eingesetzt.“ Diese Wandvertäfelungen sind für Gäste nicht als Absorber erkennbar, aber hochwirksam. Der Schall kann durch die Perforation eindringen und wird dann hinter der eigentlichen Holzwand durch eine spezielle Folie und ein entsprechendes Dämmmaterial absorbiert. Nur übertreiben sollte man mit diesem Absorbertyp nicht. „Einen schalltoten Raum will man ja auch nicht erzeugen“, meint Czech: "Früher waren Lokale generell lauter; wie bei der Lüftung sind einfach die Komfortansprüche gestiegen."

Leider hat nicht jeder den Luxus, ein Lokal mit Stararchitekt von Grund auf neu zu planen. Manchmal treten die Probleme sogar erst nach einem akustisch nicht ganz so durchdachten Umbau auf. So erging es Margot Schoißengeier vom Dannerwirt in Hagenberg. Das Lokal ist schon seit 1920 in Familienbesitz und sollte vor sechs Jahren optisch einen Face¬lift bekommen. Also flog alles raus, was nicht mehr modern war. Damit leider aber auch alles, was vorher für eine gute Raum¬¬akustik gesorgt hatte: Vorhänge, eine Holzdecke und auch der raue Spritzputz an den Wänden. „Heute wissen wir, dass der Architekt damals wenigstens an eine Akustikdecke hätte denken müssen“, ärgert sich die Besitzerin des Dannerwirt.

Die Decke ist an sich der beste Punkt, um Räumen Schallenergie zu entziehen, erklärt Akustiker Zehetmayr: „Der Schall hat wie die Thermik eine aufsteigende Wirkung. Wenn wir Schall produzieren, geht der eher in die Richtung der Decke und über die Wände zum Boden. Den besten Effekt haben deshalb absorbierende Deckenelemente.“ Wenn bei einem Umbau also auch die Haustechnik erneuert werden muss, sollte man gleich über schalloptimierende Maßnahmen nachdenken, rät der Spezialist. Dadurch entfallen etwa die Hälfte der Kosten, die ein akustischer Feuerwehreinsatz später kostet würde – wenn er dann überhaupt noch nötig ist.

Umsatzplus dank Akustik

Beim Dannerwirt war er nötig. Dort hängen jetzt etwa 10 cm dicke, runde Akustikpanelle über den Köpfen der Gäste. Das hat den Raum sehr beruhigt. „Die Montage hat nur drei Stunden gedauert. Aber der Unterschied ist eindeutig zu hören. Auch unsere Stammgäste haben das sofort bemerkt. Denen gefällt sogar die Optik“, lacht die Wirtin. Auf die Kosten angesprochen, meint sie, dass sie damit weniger ein Problem habe, weil ihr das Gasthaus im Mühlviertel auch gehört. „Wenn man nur gepachtet hat, überlegt man sich das vielleicht zweimal.“

Doch eine Überlegung ist es wert, wie ein letztes Beispiel zeigt. Als dem Weingut Högl in Spitz die Betriebsfläche zu klein wurde, entschieden sich Josef und Sohn Georg Högl gleich für den großen Wurf. Sie engagierten die Architekten Ludescher+Lutz und ließen sich einen Anbau mit neuen Lager-, Büro-, Verkaufs- und Verkostungsräumen entwerfen. Zum Glück riet er ihnen, vor allem den Verkostungsbereich auch gleich akustisch zu optimieren. „Bei meinen Projekten ist das eigentlich Standard. Etwa 10 % der Raumflächen sollten schallabsorbierende Funktion haben. Das ist eine gute Faustregel“, erklärt Ludescher. Also wurde der Raum vom Tischler innen mit Akustikplatten der Firma Trikustik verkleidet.

„Wir haben uns ganz auf Holz spezialisiert, das kommt nicht nur bei den Weinbauern gerade gut an“, meint Wolfgang Pfiel vom Trikustik-Vertrieb und erklärt dann das Prinzip. „Unsere Platten sind in diesem Fall geschlitzt, dahinter kommt eine akustisch wirksame Membran und schließlich Mineralwolle. Die sorgt dafür, dass die akustische Energie in Wärme umgewandelt und so dem Raum entzogen wird.“ Was technisch kompliziert klingt, hat einen ganz handfesten Effekt, wie Josef Högl heute weiß: „Im Erdgeschoss haben wir keine akustischen Maßnahmen getroffen. Auf den Unterschied zum Verkostungsraum werden wir sehr häufig angesprochen. Wir haben damit manchmal sogar ein Problem, weil die Verweildauer unserer Besucher im Verkostungsraum enorm gestiegen ist und manchmal schon die nächste Gruppe wartet.“ Haben sich Umbau und Optimierung also für das Weingut unter dem Strich rentiert? Ja, meint Högl: „Die Umsätze im Ab-Hof-Verkauf sind seit unserem Umbau sicher um 30 Prozent gestiegen.“ Einer der Gründe dafür ist laut Högl neben der Architektur, dass sich die Gäste jetzt bei ihm dank besserer Akustik wohler fühlen.

Quick Fixes

Kein Geld für einen Spezialisten? So lässt sich die Akustik im Gastraum mit einfachen Mitteln selbst verbessern.

POLSTERSTÜHLE

Wer für die Bestuhlung gepolsterte Modelle kauft, die mit Stoff bezogen sind, tut viel für die Raumakustik. Der Schall kann durch den Stoff eindringen und wird durch die Polsterung absorbiert. Besonders Bänke mit hohen gepolsterten Lehnen tragen außerdem dazu bei, dass sich benachbarte Tische gegenseitig weniger stören.

VORHÄNGE

Vorhänge sind aus ästhetischen Gründen eher selten geworden. Gegen zu viel Hall in einem Raum helfen sie allerdings hervorragend. Je dicker der Stoff ist, desto besser ist auch die schallabsorbierende Wirkung.

TEPPICHE

Teppiche sind ein probates Mittel gegen Trittschall und Schuhgeklapper. Sie verhindern aber eher, dass eine Geräuschkulisse entsteht. Für den Schall, der bereits im Raum ist, haben sie laut Akustikern kaum dämpfende Wirkung.

DEKORATION

Je mehr unregelmäßige Objekte, die Schallwellen aufnehmen können, in einem Raum sind, desto besser für die Akustik. Bei Konzepten, die mit viel Deko arbeiten, braucht man sich deshalb weniger oft Sorgen um die Sprachverständlichkeit in einem Raum machen.

DIY-ABSORBER

Aus Mineralwolle kann man sich sehr kostengünstig Absorber selbst bauen. Dabei sollte man aber bedenken, dass Mineralwolle gesundheitsschädlich ist und nicht nach außen dringen darf. Außerdem müssen die Brandschutzvorschriften beachtet werden – vor allem, wenn man sie hinter einer abgehängten Decke anbringt.


Schall Schlucker

Akustiker können heute aus einem ganzen Bauchladen an professionellen Akustikprodukten wählen, um einen Raum zu optimieren. Hier die gängigsten Typen.

WAND-ABSORBER

Die meisten Profis arbeiten mit Wandabsorbern, wenn sie ein Lokal optimieren müssen, das bereits in Betrieb ist. Es gibt sie in Varianten für hoch- und mittelfrequente Schallwellen. Dann wirken sie gegen die Überlagerung von Stimmen und grelles Gläserklirren. Ideal ist es, wenn sie direkt dort eingesetzt werden, wo sich die Schallquelle befindet. Also beispielsweise über der Bar. Als Bassabsorber sind diese Produkte in der Regel dicker und haben mehr Masse. Wer genug Platz unter der Decke hat, kann sie dort anbringen, damit es die Optik nicht zu sehr stört.

ECKABSORBER

Lokale, in denen basslastige Musik spielt, sollten auf Eckabsorber nicht verzichten. Das sind meist dicke Rollen aus speziellen Schaumstoffen, die die Bass¬energie in den Raumecken absorbieren. Für ideale Ergebnisse sollten sie sogar dann eingesetzt werden, wenn die Musik nicht laut spielt. Denn in großen Gasträumen summieren sich die vielen Geräusche zu einer gewaltigen Schall- und Lärmkulisse mit großer Energie. Die kann nur ein schwerer Bassabsorber dem Raum entziehen.

WANDBILDER

Es ist Geschmackssache, aber es geht. Wandabsorber können auch als Wandbilder ausgeführt sein und werden so für den Gast quasi getarnt. Maße bis 1,80 x 9 Meter sind möglich. Ein Problem dabei ist allerdings, dass auch hier die Oberflächen offenporig sein müssen, um den Schall durchzulassen. Dadurch kann das Druckergebnis beeinflusst werden.

HElMHOLTZRESONATOREN

Bei diesem Absorbertyp werden beispielsweise Holzplatten gelocht oder geschlitzt, damit der Schall durch sie hindurchdringen kann. Hinter der Holzplatte befindet sich zuerst eine spezielle Membran und dann absorbierendes Material wie beispielsweise Mineral- oder Schafwolle. Helmholtzresonatoren kommen zum Einsatz, wenn im Zuge eines Neubaus oder einer Renovierung Wände oder Decken neu errichtet werden können. Sie sind hochwirksam und für den Gast kaum als akustisches Element zu erkennen. Aber sie sind auch relativ kostspielig.

ABSORBERVERPUTZE

Absorberverputze hatten lange Zeit bei Architekten und Akustikern einen eher zweifelhaften Ruf. Architekten gefiel die Oberfläche nicht und Akustiker fanden, dass sie nicht genug Verbesserung brachten. Es gibt allerdings mittlerweile neue Produkte, die Marmorsand verwenden. Sie sind vielleicht nicht so gut wie Helmholtzresonatoren, aber sie haben einen entscheidenden Vorteil. Sie können auch bei schwierigen Flächen, wie beispielsweise Gewölbekellern, zum Einsatz kommen, wo es extrem schwierig ist, die Akustik zu verbessern, ohne die Optik zu zerstören.

Zu viel Hall vertreibt jeden Gast

Der Akustikexperte und Innenarchitekt Oliver Zehetmayr berät seit fast 20 Jahren Kunden, die ihre Räume klanglich optimieren wollen. Vor allem in der Gastronomie steht er dabei immer wieder vor großen Herausforderungen.

Wer kommt zu Ihnen, Herr Zehetmayr? Wissen die meisten Gastronomen, wie wichtig die Raumakustik ist?

Die Akustik wird immer mehr zum Thema. Aber der Leidensdruck muss nach wie vor groß sein. Etwa drei Viertel der Projekte, die wir betreuen, sind schon fertig, bevor der Betreiber draufkommt, dass es akustisch nicht funktionieren kann, weil die Gäste kein Wort verstehen. Wir müssen dann Feuerwehr spielen und versuchen zu retten, was zu retten ist.

Woran liegt das?

Natürlich spielt die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Zu 100 Prozent werden die vorgeschlagenen Maßnahmen fast nie umgesetzt. Wir versuchen uns dann auf die Stellen im Lokal zu konzentrieren, die wirklich wichtig sind: der Barbereich, wo viele Gläser klirren oder die Decke beispielsweise. Dabei könnten sich die Gastronomen viel Geld sparen, wenn sie sich ein Akustikkonzept vor einer Neugestaltung oder Renovierung erstellen lassen. Etwa 50 Prozent vom Aufwand könnte man dann ohne Mehrkosten in einen Umbau oder eine Renovierung einbinden. Zum Beispiel, wenn man die Stühle so wählt, dass eine offenporige Tapezierung den Schall schluckt.

Warum glauben Sie, dass sich die Ausgaben für gute Akustik rentieren?

Weil Menschen heute ab einem gewissen Alter sehr gezielt ausgehen und die Ansprüche höher sind. Wenn ich einen schönen Abend mit Freunden verbringen möchte, dann setze ich mich gerne in ein Lokal, in dem ich das auch genießen kann. Dabei spielt eine große Rolle, wie sich das menschliche Gehör mit zunehmendem Alter entwickelt. Schon ab Ende 30 fängt man an, schlechter zu hören. Das ist ein kaum merkbarer Prozess, weil das Gehirn die Fehlstellen ausgleicht. Es führt aber dazu, dass ein hoher Lärmpegel ab diesem Alter vermehrt zu Stress führt. Wer die meist besonders finanzstarke Zielgruppe ab 40 ansprechen will, sollte das wissen.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Raum optimieren sollen?

Am besten ist, wenn es schoneinen Raumplan gibt. Dann wissen wir, wo die Musikanlage steht, wo sich die meisten Gäste aufhalten und wo Gläser klirren können. Auf Basis der innenarchitektonischen Planung, Bestandsmessungen und Nachhallzeitberechnungen versuchen wir dem Raum entsprechend der ÖNorm und Erfahrungswerten eine gewisse Grundakustik zu geben. Das heißt, wir reduzieren die Nachhallzeit auf ein erträgliches Maß, wodurch wir automatisch ein Erhöhung der Sprachverständlichkeit erreichen. Vor allem bei Räumen mit schallharten Oberflächen, wie Glas, Metall oder Beton bilden sich hohe Lärmpegel, die eine Kommunikation beinahe unmöglich machen.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Problem zu beheben?

Der Schall hat wie die Thermik eine aufsteigende Wirkung. Wenn wir Schall produzieren, geht der eher in die Richtung der Decke und über die Wände zum Boden. Den besten Effekt haben deshalb absorbierende Deckenelemente. Sie können so gestaltet sein, dass sie eher mittlere und hohe Frequenzen absorbieren, weil sich Gespräche und Gläserklirren hauptsächlich in diesem Frequenzbereich bewegen. In großen Lokalen braucht es aber zusätzlich Absorber für die Bassfrequenzen, weil die Klangmasse aus vielen Stimmen und Quellen einen entsprechend hohen Schalldruck erzeugt.

Welche Rolle spielt dabei die Ästhetik? Stören die Absorberflächen nicht?

Es kommt drauf an. Besonders in den letzten fünf Jahren hat sich bei den Akustikprodukten sehr viel getan. Heute gibt es an sich jede Möglichkeit, die Akustik auch in einem schlichten Raum zu optimieren – von schallabsorbierenden Bildern angefangen über akustisch wirksame Möbel bis hin zu flächenbündigen Wandpaneele, die Teil der Lokalgestaltung sind. Letztere müssten allerdings in der Ausführungsplanung bereits berücksichtigt werden.

Und was ist, wenn das nicht mehr geht?

Wenn wir in einem Lokal in Vollbetrieb aktiv werden, versuchen wir meist mit kleinen Maßnahmen schon den Nerv zu treffen. Dafür verwenden wir meist Absorber, die an die Decke oder die Wände montiert werden. Im Café Leopold in Wien haben wir mit einem kleinen absorbierenden Segel direkt über der Bar sehr gute Ergebnisse erzielt. Im Zusammenspiel mit einigen Absorbern an der Wand und einer schon vorhandenen glatten Gipskartondecke, die die Funktion des Bassabsorbers übernommen hat, reichte das völlig. Die Kosten dafür waren auch nicht besonders hoch.

Weil Sie es gerade ansprechen: Was zahlt man bei Ihnen für so eine Optimierung?

Das ist schwer zu sagen. Das fängt bei 3.000 bis 5.000 Euro an und kann bei gehobenen Lokalen auch bis auf fünf bis acht Prozent der Bausumme hinaufgehen. Ich glaube aber, dass es gerade in diesem Bereich heute nicht mehr ohne akustische Optimierung geht. 

Zur Person

Oliver Zehetmayr arbeitet seit 1998 als Akustik-Planer. Zuerst optimierte er Konzertsäle, Musikschulen und Großraumbüros, zuletzt aber immer häufiger auch Restaurants und Bars.