Subtile Verführer

Mit Gerüchten lassen sich leicht Emotionen wecken. Die relativ neue Disziplin des Duftmarketings findet deshalb jetzt auch in der Gastronomie immer weitere Verbreitung. FRISCH erklärt Wirkungsweisen, Systeme und Preise.
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Wir fangen typische Kopfbilder in Aromen ein und bereiten daraus Raumdüfte.

Mit der Luft atmen wir nicht nur Sauerstoff, sondern auch jede Menge Duftmoleküle ein. Bei jedem Einatmen bekommt das Gehirn eine „Duft-Information“, sagt der renommierte Geruchsforscher Professor Hanns Hatt: „Unser Wohlbefinden wird enorm von Gerüchen beeinflusst“, ergänzt der Professor für Zellphysiologie an der Ruhr- Universität Bochum. Wie wichtig der Geruchssinn ist, zeigt sich auch daran, dass wir ohne ihn Essen nicht genießen können – man denke nur an Schnupfen. Die Nase isst also immer mit.

Von allen Sinneswahrnehmungen ist der Geruchssinn der stärkste Auslöser von Emotionen und Erinnerungen. Das Gehirn speichert olfaktorische Sinneseindrücke über Jahrzehnte hinweg. Eine Duftkombination wird Hatt zufolge mit der Emotion, die wir im Moment der Duftaufnahme hatten, und den Bildern, die wir in diesem Moment gesehen haben, zusammen abgespeichert. Wird die gleiche Kombination an Duftstoffen zu einem späteren Zeitpunkt wahrgenommen, können die zusammen abgespeicherten Erinnerungen und Emotionen wieder wachgerufen werden. Das geschieht in Sekundenschnelle und natürlich ganz unbewusst.

Je nachdem, ob die mit einem bestimmten Duft abgespeicherte Erinnerung positiver oder negativer Natur ist, gehen wir beim wiederholten Wahrnehmen mit einer Situation im Hier und Jetzt innerlich in Widerstand oder nicht. Im positiven Sinne lässt ein Duft Glücksgefühle entstehen, im äußerst negativen Fall warnt er sogar vor einer Gefahr. Dann erfüllt der Geruch ebenso einen überlebenswichtigen Zweck: Was faul riecht, bekommt dem Körper meist nicht gut.

Wenngleich die Bedeutung und Bewertung von Düften eine sehr individuelle Angelegenheit ist, gibt es Düfte, die bei der Mehrheit der Menschen für ähnlich positive Resonanz sorgen. Bekanntestes Beispiel: der Zimt-Duft, der bei vielen weihnachtliche Gefühle weckt. Da dem so ist, können Düfte ganz gezielt eingesetzt werden, um bestimmte Reaktionen beim Menschen hervorzurufen. Anders gesagt: Mit Düften lässt sich gut verführen. Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die sich genau darauf spezialisiert haben und unter dem Begriff Duftmarketing unter anderem in der Gastronomie und Hotellerie Luft veredeln.

In der Gastronomie wird Duftmarketing meist im Eingangsbereich angewendet, um die ankommenden Gäste bereits beim Eintreten in eine Art Wohlfühlatmosphäre zu hüllen. „Es ist doch schön, wenn man ein Lokal betritt und es riecht einfach fantastisch“, lacht Wolfgang Kronlachner, geschäftsführender Gesellschafter der Liebhaberei, der im Eingangsbereich seines Lokals „Golden Bamboo – einen belebenden Duft aus sprudelnder Satsuma und Limetten- Kopfnoten, gemischt mit köstlichem Apfel und gemahlen mit Bambusholznoten“ versprüht. Golden Bamboo gehöre zu den sogenannten „Willkommensdüften“, erklärt er: „Wenn man ihn riecht, fühlt man sich sofort wohl“, so der Liebhaberei-Chef, dessen Team schon öfters gefragt wurde, „was denn da so gut duftet“.

Erster Eindruck

„Der erste Eindruck ist entscheidend. Wenn bereits beim Betreten des Restaurants alles nach Fritteuse riecht, wird sich der Gast nicht wohl fühlen. Er will die zubereiteten Gerichte genießen und nicht das Gefühl haben, dafür selbst in der Küche gearbeitet zu haben“, sagt Peter Wieser, Geschäftsführer von Aromea Airdesign, das eine umfangreiche Duftkollektion aus 100 % naturbelassenen Duftessenzen und hochwertigen Ölen aus nachhaltiger Produktion bietet. Das Ziel seines Unternehmens: Den richtigen Duft an die richtige Stelle bringen und damit bestenfalls eine Atmosphäre schaffen, in der Gäste gerne Zeit verbringen und ebenso gerne konsumieren.

Negative Geruchsemotionen

Die Gastronomie und Hotellerie ist geradezu prädestiniert dafür, denn Aromea zufolge hängt das Wohlfühlen eng mit einer gut riechenden Umgebung zusammen. Da negative Emotionen beim Riechen eines unangenehmen Dufts wesentlich intensiver sind als positive beim Riechen eines angenehmen Dufts, spricht vieles für das Duftmarketing. Abgestandene Luft, der Geruch nach Fett, Müll, Schweiß oder Rauch – womöglich noch zu einem Duftcocktail vermengt – können schon beim Öffnen einer Eingangstüre den Appetit verderben, an der Sauberkeit und Qualität der Küche zweifeln lassen und schlimmstenfalls dazu führen, dass der Gast erst gar nicht das Lokal betritt. Der Duft nach ofenfrischer Pizza hingegen lässt bei vielen das Wasser im Mund zusammenlaufen, noch ohne einen Blick auf die Menükarte geworfen zu haben. Vielleicht ruft er sogar Erinnerungen an einen Urlaub in Bella Italia wach.

Genau derartige, im Duftgedächtnis gespeicherte, allgemeine Erinnerungen abzurufen ist das Spezialgebiet von Duftmarketing-Experten wie Aromea. „Wir fangen typische Kopfbilder in verschiedensten Aromen ein, bereitet daraus hochwertige Raumdüfte und verweben diese über seine Duftlösungen mit der direkten Umgebung“, so Geschäftsführer Peter Wieser. Persönliche Duftvorlieben des Gastronomen haben hier nichts verloren: „Der Duft soll nicht in erster Linie dem Chef gefallen, sondern muss zum jeweiligen Haus passen“, betont er. Wie aber kommt man zum passenden Duft? „Ich schaue mir den optischen Auftritt des Unternehmens und das Ambiente der Räumlichkeiten an, dann schlage ich drei bis fünf Duftkompositionen vor und argumentiere, warum ich genau diese gewählt habe. Der Kunde muss natürlich auch wissen, was er mit seinem Unternehmen vermitteln will. Auch das soll sich im Duft widerspiegeln. Der Duft kann ebenso produktunterstützend sein“, erklärt der Aromea-Geschäftsführer und liefert gleich ein Beispiel dazu: „Bei einem Asiaten würde ich beispielsweise auf Düfte mit Lemongrass und Ginger setzen.“ Beides allgemein bekannte und olfaktorisch abgespeicherte Gewürze aus der asiatischen Küche.

Fein vernebelt

Die Veredelung der Luft erfolgt wahlweise mittels natürlicher, rein synthetischer und naturidenter Duftstoffe. Wieser: „Wir verwenden alle drei Varianten und je nach Duftrichtung gibt es unterschiedliche Mischungen dazu.“ Die Anwendung ist hypoallergen. Das hänge mit der patentierten Technologie und der geringen Dosierung zusammen. Das von Aromea verwendete Nano-System vernebelt den Duft derart fein, dass ein „trockener Nebel“ entsteht.

Der Vorteil rein synthetischer gegenüber natürlicher Duftstoffe ist dabei, dass damit ein wesentlich breiteres Spektrum an Düften hergestellt werden kann. Auch der ökologische Aspekt spielt eine wichtige Rolle. Wieser: „Für einen Liter Rosenöl brauche ich fünf Tonnen Rosenblüten. So gesehen ist die rein natürliche Variante eigentlich gar nicht vertretbar.“ Notwendig ist sie ebensowenig: Die Moleküle einer Pflanze können in ihrer Zusammensetzung kopiert und synthetisch hergestellt werden. Das Ergebnis sind naturidente, nachhaltig hergestellte, bezahlbare, stets in gleicher Qualität und Menge verfügbare Duftstoffe, die olfaktorisch ihrem natürlichen Pendant in nichts nachstehen.

Zum Verströmen der Düfte bieten Hersteller verschiedene Systeme. Zur Auswahl stehen Duftsäulen sowie kompakte Beduftungsgeräte zum Einbau in Lüftungen und Lichtschienen sowie für die Wandmontage. Der Vorteil professioneller Systeme: Durch die Möglichkeit der elektronischen Steuerung können sie an individuelle Bedürfnisse in Bezug auf Einsatzzeit und -dauer sowie Intensität optimal angepasst werden. Bei Einsatz vieler Geräte bieten Hersteller mittlerweile auch eigene Apps an, mit denen die Beduftung via Tablet oder Smartphone verwaltet und überwacht werden kann.

Punktuelle Akzente

Die Systeme zur Luftveredelung dienen je nach Einsatzgebiet nicht nur zum Verströmen angenehmer Gerüche, sondern auch dazu, unangenehme Gerüche zu überlagern und neutralisieren. Während in Hotels ein Duft durchaus ein wenig mehr hervorstechen darf wie beispielsweise im Wellnessbereich, steht im Restaurant und hier vor allem im Bereich von offenen Küchen die Funktionalität, also das Neutralisieren unangenehmer Gerüche, im Vordergrund. Je nach Restauranttyp ist eine Beduftung daher mehr oder wenig nützlich. Ein italienisches Restaurant wird auf eine Luftveredelung womöglich verzichten können, für ein Restaurant mit Schauküche, in der Burger gebruzelt werden, ist sie unverzichtbar. „Unsere Schauküche ist zwar ein echter Blickfang und die Gäste sind begeistert – aber die Gerüche ... Man will ja einen schönen Abend genießen und nicht danach alles waschen müssen, weil man nach einer Zwiebel-Pommes- Mischung riecht“, sagt LeBurger- Geschäftsführer Lukas Tauber, der auf „Orient Express“, eine Duftmischung mit Grapefruit, Basmati-Reis und Safran, setzt. Dabei geht es Tauber nicht um den Einfluss auf den Geschmack der Burger an sich: „Das komplette Ambiente spielt eine große Rolle. Nur wenn ich mich wohl fühle, kann ich auch in Ruhe das Geschmackserlebnis genießen.“

Genau für jene Zwecke dienen die kleinen, kompakten Geräte, die sich mittels Adapter perfekt in Lichtschienen verbauen lassen. Das Gerät kann in das Beleuchtungssystem über der Schauküche integriert und damit direkt über der Störquelle angebracht werden. Der Vorteil der Nanotechnologie kommt auch hier zum Tragen: Statt eines punktuellen Duftkegels, aus dem Tröpfchen auf den Boden fallen, wird der Duft in der Luft vernebelt. Die duftenden Moleküle spalten die Molekularverbindung der Fremdgerüche im Raum auf und machen sie geruchsneutral. Wieser von Aromea: „Der Fremdgeruch wird nicht überdeckt, sondern bekämpft.“ 

Dabei steht der eingesetzte Duft nicht im Vordergrund: „Man würde ihn erst dann merken, wenn man die Beduftung ausschaltet“, erklärt der Duftexperte und ergänzt: „Unsere Duftmischungen verfolgen mit Hilfe unterschiedlicher Duftkomponenten zwei Ziele: die Neutralisation schlechter Gerüche und die Luftveredelung.“ Bei den neutralisierenden Komponenten handle es sich um eine patentierte, chemische Verbindung, die stinkende Moleküle von Fett, Schweiß, Alkohol oder Rauch umformt. Sie beruhe auf natürlichen chemischen Reaktionen, sagt Wieser. Die luftveredelnden Noten sind klassische Duftnoten wie beispielsweise Holz, fruchtig oder frisch. Als Beispiel nennt er die Mischung „Cucumber Mint“, die neben den neutralisierenden Komponenten Gurke, Minze, Melone, Jasmin sowie Seerosen beinhaltet.

Den Geschmack von Gerichten zu beeinflussen, sollte tunlichst vermieden werden, weshalb von einer Luftveredelung im Essbereich abzuraten ist. „Der Genuss darf natürlich keinesfalls beeinflusst werden“, so Melanie Rebernak von El Gaucho am Rochusmarkt in Wien: „Man nimmt den Duft bei uns nur im Eingangsbereich und dann vielleicht noch ein paar Minuten lang wahr. Was aber natürlich sehr wichtig ist, wenn man unser Lokal betritt – und verlässt. Wenn man später sein Steak genießt, darf der Raumduft ganz natürlich und neutral sein. Es ist aber immer angenehm, einen duftenden Raum zu betreten.“

Duft als Merkmal

Bei der Dosierung ist laut den Experten darauf zu achten, unterhalb der Wahrnehmungsschwelle zu bleiben. Besser ein neutraler Geruch als ein Duft, der nach mehrmaligen Besuchen auf die Nerven geht. Olfaktorisch auffällig, aber nicht aufdringlich zu sein, erfordert Fingerspitzengefühl. „Es ist wichtig, dass man mit Geräten oder Düften die Gäste nicht stört“, sagt Franz-Josef Perauer, Geschäftsführer vom Vier-Sterne-Superior- Designhotel Zillertalerhof, wo die Lobby und Gänge beduftet werden: „Das Tolle an den Düften ist, dass sie sehr subtil wirken. Also, du hast nicht das Gefühl, dass dich ein Duft-Walzer überrollt und du ihn nach zwei Tagen schon nicht mehr riechen kannst.“ Ein zu aufdringlicher oder penetranter Duft kann schnell das Gegenteil der erwünschten Wirkung erzielen.

Ein als angenehm wahrgenommener Duft hingegen schafft nicht nur ein angenehmes Ambiente, das zum Wohlgefühl beiträgt, es erhöht bestenfalls ebenso die Verweildauer der Gäste und schafft eine emotionale Verbindung zum Lokal. Kenan Koc, Geschäftsführer des veganen Fast-Vood-Restaurants Space Burger, glaubt, dass ein Duft ebenso den Umsatz in seinem Lokal steigern kann: „Düfte sind sicherlich ein sehr starkes Instrument. Sie fungieren unterschwellig und beeinflussen mit Sicherheit die Gemütsstimmung der Menschen. Wir wollen damit erreichen, dass sich die Gäste wohl fühlen und wiederkommen.“

Duften als Markenzeichen

Derart eingesetzt können Düfte auch Teil der Corporate Identity sein: Die Markenwerte werden damit auf einer zusätzlichen Ebene vermittelt und die Gäste können das jeweilige Unternehmen auch olfaktorisch erfahren. „Bei unseren fünf Standorten setzen wir auf gewisse Einrichtungsmerkmale, die unsere El Gaucho-Erfahrung authentisch machen. Beispielsweise die offene Showküche oder unsere gläsernen Wein-Vitrinen. Merkmale, die man wiedererkennt. Nun haben wir auch einen Duft zu einem unserer Merkmale gemacht“, erzählt Melanie Rebernak von El Gaucho, wo „Velvet Wood“, ein Duft mit Sandelholz und Zedernholz, für eine mysteriöse, mondäne Stimmung sorgt: „Bei uns nimmt der Duft mit den holzigen, modernen und geheimnisvollen Noten sowohl unser Interieur als auch unsere Philosophie in die Gesamterfahrung mit auf.“ Bei Space Burger hingegen ist es der Duft „Fruit Seduction“, der laut Geschäftsführer Koc, die Philosophie des Unternehmens – Gesundheit und Nachhaltigkeit – widerspiegelt. Koc zufolge soll der Duft auch in allen neu eröffneten Filialen zum Einsatz kommen und so Teil der Corporate Identity werden.

Ist ein Duft stimmig und weckt er Assoziationen, die zur eigenen Positionierung passen, kann er die eigene Marke positiv beeinflussen. Kann er mit intensiven emotionalen Ereignissen verknüpft werden, hat er eine besonders emotionale Wirksamkeit. Wer dabei nicht auf eine vorgefertigte Duftkomposition setzen möchte, kann sich von den Duftexperten ebenso seinen persönlichen „Corporate Scent“ komponieren lassen und sich somit auch olfaktorisch vom Mitbewerb abheben. Bei der Entwicklung des „Corporate Scent“ werden die unterschiedlichsten Faktoren wie unter anderem Ort und Lage des Hauses, Region, Charakter des Hauses oder auch das Speisenangebot und die Zielgruppe berücksichtigt. Aus all den äußeren Eindrücken und immateriellen Aspekten entwickelt der Parfümeur schließlich eine maßgeschneiderte und individuelle Duftkomposition.

Egal, welcher Duft es am Ende wird: Die inneren Bilder, die mit dem Duft erzeugt werden sollen, sollten jedenfalls zum Gesamtbild des Unternehmens passen und diesem gerecht werden. Bei mieser Stimmung im Team, lauter Musik, die aus Lautsprechern hallt, oder unappetitlichem Ambiente funktioniert selbst die beste Duftmischung nicht. Im besten Fall wird der Duft in das Musik- und Lichtkonzept integriert, um ein stimmiges, sinnliches Gesamterlebnis zu erzeugen.

Dos & Dont`s

Wer in ein eigenes Duftmarketing investieren möchte, sollte folgende einfache Regeln beachten.

1. Nicht zu hoch dosieren

Auffällig, aber nicht aufdringlich lautet die Devise. Der Duft bleibt unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Kunst ist, derart sachte vorzugehen, dass die Gäste den Duft nicht bewusst wahrnehmen, ihnen aber bewusst wird, dass es gut riecht.

2. Einsatzbereich eng definieren

Statt alle Räume unter eine einheitliche Duftwolke zu stellen, gilt es, zu überlegen, wo eine Beduftung überhaupt Sinn macht. In Gastbetrieben ist dies allen voran der Eingangsbereich: So wird der Gast bereits beim Eintreten in eine Art Wohlfühlatmosphäre gehüllt.

3. Im Küchenbereich nur neutralisierende Düfte einsetzen

Besonders offene Küchen sind problematisch. Der Mix aus Fett, Rauch und Schweiß verdirbt schnell den Appetit. Statt geruchlich noch eins draufzusetzen, ist Neutralisation gefragt. Spezielle Wirkstoffe zersetzen in diesem Fall die Geruchsmoleküle.

4. Im Speisesaal: Essensduft erwünscht

Im Sitzbereich von Restaurants dürfen die Teller duften, schließlich isst die Nase mit und der Geruch einer Speise beeinflusst wesentlich das Geschmacksempfinden. Eine Beduftung ist nur dort ratsam, wo schlechte Küchengerüche überdeckt werden sollen.

"Düfte subtil einsetzen!"

Eva Angelucci, Regional Sales Director Austria von Store Media, über die beste Vorgehensweise bei der Luftveredelung von Restaurants und Hotels. 

Warum sollte man bei der Luftveredelung auf einen Experten vertrauen? Tut es ein klassischer Duftdiffusor mit Basalholzstäbchen nicht auch?

Ich rate sehr davon ab, irgendeinen Duft zu nehmen. Ein zu stark dosierter und unpassender Duft bewirkt meist das Gegenteil von dem, was man erzielen möchte. Gastronomen können dadurch sogar Gäste verlieren.

Was machen die Profis anders?

Ein professioneller Anbieter sucht Düfte aus, die genau zum jeweiligen Konzept passen. Wir können zum Beispiel aus einem Sortiment von 2.300 verschiedenen Düften wählen. Wichtig dabei: Die Düfte beinhalten keinerlei Allergene. Bei natürlichen Aromen ist das nicht der Fall. Bei unseren Düften kann selbst ein Pollenallergiker bedenkenlos den Duft einer Blumenwiese genießen.

Wie lösen Sie die Dosierungsthematik?

Ein professionelles System stellt die gleiche Duftintensität an 365 Tagen im Jahr sicher. Die Duftspender sind programmierbar und funktionieren vollautomatisch. Sie werden an der Decke oder Wand montiert und fallen meist gar nicht auf. Sie können sogar so gesteuert werden, dass die Beduftung ausschließlich während der Öffnungszeiten erfolgt. Der Duft wird ganz fein dosiert und mittels Trockentechnologie im Raum vernebelt.

Wie viele Geräte braucht man dafür?

Ein Gerät kann bis zu 300 m² beduften. Eine 950-ml-Kartusche dafür hält bei normaler Nutzung rund drei Monate. Außerdem kann man das Aroma auch über die Lüftungsanlage einspielen. Hotels machen das oft so, da die Lobbybereiche meist sehr großzügig angelegt sind und man hier mehr Aroma braucht. Bis in die Zimmer sollten die Düfte aber nicht eingespielt werden. Jeder Gast ist einzigartig und hat somit unterschiedliche Duftvorlieben.

Welche Duftintensität ist angebracht und wo empfehlen Sie, das Gerät zu positionieren?

Der Duft soll immer dezent im Hintergrund bleiben und – wie man in Wien so schön sagt, „keine Watschn ins Gesicht sein“. Er muss so subtil eingesetzt werden, dass er nicht auffällt und doch wahrgenommen wird. Wir empfehlen, in Restaurants vor allem den Eingangsbereich zu beduften, denn der erste Eindruck ist entscheidend. Der Duft hat hier in erster Linie einen Welcome-Effekt. Er soll bewirken, dass sich die Gäste beim Eintreten gleich wohlfühlen. Das Gleiche gilt für Hotels, wo ein Aroma auch auf den gesamten Rezeptionsbereich beziehungsweise die Empfangshalle ausgedehnt werden kann. Ein Wellnessbereich eines Hotels ohne Einsatz eines entspannenden Duftes ist heutzutage undenkbar.

Welche Kriterien entscheiden bei der Wahl eines Duftes?

Bei der Luftveredelung in Hotels und Gastronomiebetrieben gibt es verschiedenste Varianten. Namhafte große Hotelketten setzen auf einen für sie eigens entwickelten und patentierten Duft in allen Häusern der Welt. Hiermit dient der Duft auch der Corporate Identity. Er präsentiert die Marke und macht sie wiedererkennbar. Privat geführte Restaurants setzen grundsätzlich auf die klassische Art des Aromamarketings. Möglich ist hierbei, sich einmalig für einen Duft zu entscheiden oder den Duft regelmäßig zu wechseln. Bei Restaurants empfehlen wir, den Duft an die jeweilige Jahreszeit anzupassen, mindestens jedoch zweimal pro Jahr einen Wechsel durchzuführen. Düfte haben eine sehr starke Wirkung auf das Gemüt und beeinflussen das Wohlbefinden. Ein frischer Zitronenduft beispielsweise ist im Winter unangebracht und im Frühjahr oder Sommer empfehlenswert. In der kalten Jahreszeit hingegen empfehlen wir Düfte, die ein Gefühl von Wärme vermitteln, wie unter anderem „Sandelholz“ oder „Zimt und Lebkuchen“.

Welche Möglichkeiten bietet eine Luftveredelung noch?

Düfte dienen an manchen Orten auch zur Neutralisation von Gerüchen. Bestes Beispiel dafür sind die Food Courts in Shopping-Centern, wo sich die Gerüche unterschiedlichster Küchen vermischen und es zu einer Geruchsbelästigung kommen kann. Wir können mit unseren Duftsystemen einen unangenehmen Duftcocktail neutralisieren und mit einer feinen Duftnote überlagern. Das Aroma „Lemongras“ oder „Green Tea“ eignet sich dafür beispielsweise hervorragend. Ich kann mit einem Duft aber auch den Appetit anregen oder Gelüste hervorrufen. Basilikum ist beispielsweise sehr appetitanregend, Ingwer und Limette machen Lust auf einen Cocktail. In erster Linie muss das Unternehmen wissen, was es mit einem Duft erzielen möchte. Wir treffen dann eine Vorauswahl an Düften, die den Wünschen und dem Konzept entsprechen sowie maßgeschneidert zur Zielgruppe passen. In einer Vinothek jedoch würde ich von einer Luftveredelung abraten, da die Aromen des Weines Platz brauchen und für den Weingenießer nicht verfälscht werden sollen. In einem Kaffeehaus kann der Duft nach Apfelkuchen wiederum ganz bewusst als Anreiz zur Konsumation eingesetzt werden.

Wie hoch sind in etwa die Kosten für ein Duftmarketing in einem Inhaber-geführten Restaurant?

Unser Aromamarketing beinhaltet alle Leistungen, ist also ein „All-inclusive-Paket“. Es beinhaltet die Nutzung des Duftspenders, den Duft, das Nachfüllen der Düfte, das Wechseln der Düfte bis zu viermal im Jahr und die Servicebereitschaft unserer Techniker. Vor jeder Montage vereinbaren wir stets einen persönlichen Rundgang im Unternehmen. Dann entscheidet sich, ob ein oder mehrere externe Geräte verwendet werden oder das Aroma über die Lüftungsanlage eingespielt wird. Weiters sind die Düfte in Kategorien eingeteilt. Je mehr Inhaltsstoffe der Duft enthält, desto höher ist die Kategorie. Die höchste Kategorie gleicht schon fast einem sehr luxuriösen Parfüm und wird vor allem in noblen Boutiquen als „ein Hauch von Luxusaroma“ verwendet. Die Kosten für Aromamarketing starten bei 90 Euro pro Monat für einen Raum bis zu 300 m².

Zur Firma

Store Media mit Sitz in Wien ist Anbieter professioneller Duftsysteme. Das Unternehmen ist exklusiver Vertragspartner der weltweit tätigen US-Firma ScentAir, die sich auf Duftmarketing spezialisiert hat. Zu den Kunden von Store Media zählen neben luxuriösen Wiener Fünf-Sterne- Hotels ebenso die größten Shopping-Center Österreichs, Einrichtungshäuser, Dienstleistungsunternehmen wie Banken, Autohäuser, Einzelhandelsunternehmen aus verschiedensten Branchen und Gastronomiebetriebe.