Bademantel Bohème

Was aussieht, als ob die Römer ihre Badekultur in eine Fabrik aus den 30ern verpflanzt hätten, steht mitten in Williamsburg. Die Gründer Travis Talmadge und Jason Goodman setzen bei ihrer neuen Wellnessoase bewusst auf ein zeitgeistiges Gastrokonzept. Deshalb dinieren New Yorker Hipster neuerdings im Bademantel und tun dabei so, als ob das die normalste Sache der Welt wäre. 
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Ihr habt einen ganz anderen Wellnessansatz, als wir ihn aus der österreichischen Hotellerie und Fitnessszene kennen. Könnt Ihr uns ein wenig über das Konzept hinter dem Bathhouse erzählen?

Uns geht es beim Bathhouse stark um den sozialen Aspekt. Wir wollen, dass sich unsere Gäste nicht nur erholen, sondern auch miteinander interagieren. Bisher haben sich Wellnesstrends in Städten immer stark mit sehr funktionaler Ernährung und Fitness beschäftigt. Wir wollten uns stärker auf die Erholung und das Loslassen fokussieren. Denn selbst wenn du auf Leistung und einen Topkörper hintrainierst, musst du dir auch Gedanken über die Erholungsphasen machen – und genau darum geht es bei unserem Konzept. Außerdem haben wir bemerkt, dass die Gastronomie sich immer stärker Richtung Erlebnisse und ganzheitliche Erfahrungen entwickelt. Mit dem Bathhouse versuchen wir all diese Aspekte unter einen Hut zu bekommen.

Glaubt Ihr, dass Ihr damit einen Trend anstoßen könnt? Wird es bald mehr Badehäuser mit Gastro in Großstädten geben?

Was wir definitiv sagen können, ist, dass die Menschen das uralte Konzept der Badehäuser und Saunen aus Europa hier gerade wieder entdecken. In den letzten zehn Jahren ging es nur um die richtige Trainingsform, jetzt geht es auch wieder mehr um die Erholung nach dem Training. Wir sehen das vor allem in großen Städten wie New York. Immer mehr Menschen werden auf die positiven Auswirkungen des Saunierens aufmerksam. Kürzlich wurde zum Beispiel eine Studie aus Finnland veröffentlicht, die über 20 Jahre lief und hier große Aufmerksamkeit bekam.

Wie wichtig ist für Euch das Restaurant und das Gastroangebot dabei?

In den Badehäusern des Altertums wurde ganz selbstverständlich Essen serviert. Das haben wir uns zum Vorbild genommen und bieten Gerichte an, die zum Badehaus-Erlebnis passen, weil sie nicht zu schwer sind. Aber sie müssen trotzdem extrem gut schmecken, Spaß machen und sich von der typischen Diät- und Wellnessküche abheben. Die Küchen der Levante und des östlichen Mittelmeerraums waren ein idealer Referenzpunkt, weil dort viel mit Gemüse und Olivenöl gekocht wird. Wir sind aber dabei nicht dogmatisch und geben dem Ganzen auch einen modernen Touch. Also haben wir Gerichte wie einen leicht bitteren Salat mit Dattelpüree und Sonnenblumenkernen genauso auf der Karte wie geröstete Selleriewurzeln mit Pilzjus und scharfem Honig oder Shrimps mit Yuzu Aioli. Unsere Gäste lieben diesen Mix!

Das Bathhouse liegt mitten in Williamsburg, einem Stadtteil von Brooklyn in New York. Ins Restaurant kann man auch einfach von der Straße aus reinschneien. Sitzen Eure Gäste wirklich im Bademantel rum?

Allerdings! Es ist wirklich so, dass die meisten Gäste, die zu uns kommen, um zu saunieren und zu baden, anschließend im Restaurant essen gehen. Und die meisten haben tatsächlich ihre Bademäntel an. Das wirkt manchmal etwas surreal. Denn natürlich kommen auch Gäste von der Straße zu uns ins Restaurant.

Zum grandiosen Design passt das ja nicht gerade, oder?

So würde ich das nicht sehen. Die Menschen sollen sich wohlfühlen. Für uns heißt das, dass wir einen modernen und cleanen Look wollten, der nicht ablenkt. Spannend wird das dadurch, dass wir das gesamte Konzept in eine Fabrik aus den 30er Jahren eingebaut haben. So ergibt sich ein schöner Mix aus klaren, modernen Linien und den rauen Texturen, Ecken und Kanten des bestehenden Gebäudes.

Travis und Jason, vielen Dank für das Gespräch!