Blos keine Retro-Nummer

Bad Gastein ist wieder im Aufwind. Das liegt auch daran, dass die Hirmer Gruppe das über viele Jahre leerstehende K&K-Gebäudeensemble am Straubingerplatz bis 2023 komplett revitalisiert. Matthias Brockmann, Geschäftsführer der Hotelbetriebsgesellschaft Travel Charme Hotels & Resorts, über die Begeisterung für ein Ausnahmeprojekt. 

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Wir wollen den Respekt vor der langen Geschichte der Gebäude bewahren, aber nicht ins historisierende abgleiten.

Wie kommt man an ein Projekt, wie das Ensemble aus Hotel Straubinger, Badeschloss und altem Postamt, Herr Brockmann?

Wir haben ein Konzept für die Immobilien entwickelt und uns damit auf die Ausschreibung des Landes Salzburg beworben. Zu unserer großen Freude mit Erfolg.

Spielte auch eine Rolle, dass Hirmer ein alteingesessenes Familienunternehmen aus dem nahen München ist, das mit Herrenmode groß wurde und jetzt verstärkt in der Hotellerie investiert?

Da ist der Landeshauptmann, Dr. Wilfried Haslauer, der bessere Ansprechpartner, aber das Unternehmen Hirmer steht für ein Qualitätsversprechen und wenn wir ein Projekt umsetzen, dann machen wir es aus voller Überzeugung.

Sie haben das Konzept schon angesprochen. War Ihnen beim ersten Besuch in den Räumlichkeiten sofort klar, was Sie mit den im 19. Jahrhundert erbauten Gebäuden machen möchte oder hat die Angst vor den ungewissen Kosten der Sanierung überwogen?

Ganz ehrlich: Mir liefen Schauer über den Rücken. Als ich mir die Zimmer und den Wellnessbereich angesehen habe, sind bei mir sofort Bilder im Kopf entstanden, wie es wohl damals zugegangen ist, als Otto von Bismarck und der österreichische Adel hier noch regelmäßig zu Gast waren. Als Hotelier überwiegt da das Kribbeln im Bauch und man freut sich darauf, mit so einem altehrwürdigen Gebäude arbeiten zu dürfen. 

Kein Gedanke an die Zahlen? Die Gebäude standen aufgrund der Untätigkeit der vorherigen Besitzer viele Jahre leer.

Richtig, 18 Jahre lang hat hier niemand mehr gewohnt. Aber wir haben die Substanz vor dem Kauf untersuchen lassen und sie war überraschenderweise noch sehr gut. Wir rechnen deshalb mit einer Gesamtinvestition im mittleren zweistelligen Millionenbereich bis 2023.

Und was dürfen die Gäste dann erwarten?

Auf jeden Fall wird das keine reine Retronummer. Gemeinsam mit BWM Architekten aus Wien wollen wir ein sehr individuell auf jedes Haus abgestimmtes Konzept umsetzen, das den Respekt vor der langen Geschichte der Gebäude bewahrt, aber nicht ins Historisierende abgleitet. Innerhalb dieses Rahmens wird das Hotel Straubinger ein sehr gediegenes Fünf-Sterne-Hotel, das Badeschloss wollen wir in der Vier-Sterne-Kategorie für sportlichere Gäste ansiedeln und in der Alten Post sollen Geschäfte einziehen, die dazu beitragen, den Platz wieder zu beleben. Wir könnten uns zum Beispiel einen Concept Store vorstellen oder eine moderne Bäckerei. Konkret werden das aber erst die weiteren Planungen zeigen.

Glauben Sie, dass in solchen sehr speziellen Konzepten die Zukunft der Hotellerie liegt?

Absolut. Vor allem in der Ferienhotellerie. Wir müssen raus aus der Austauschbarkeit, denn die Gäste suchen authentische Erlebnisse. Das Hotel Straubinger ist ein Ort, der diese authentische Atmosphäre von sich aus ausstrahlt. Das belegen auch die hier gezeigten Bilder sehr eindrucksvoll. Aber es muss eben eine moderne Ebene dazukommen, die das Ganze noch einzigartiger macht.

Wissen Sie schon, was das für das kulinarische Angebot bedeutet? Werden Sie am Ende sogar aufs Schnitzel verzichten?

Wir werden das kulinarische Konzept natürlich nicht am Gast vorbei entwickeln. Aber wir wollen uns auch etwas trauen und spannende Alternativen und Neuinterpretationen der österreichischen Küche anbieten. Auch hier sind wir noch in der Entwicklungsphase. Für ambitionierte Köche werden wir jedenfalls ab 2023 ein sehr interessanter Arbeitgeber sein.


Herr Brockmann, vielen Dank für das Gespräch!