Ekelhaft schön

Meals Ready to Eat (MRE) heißen die abgepackten Rationen für Soldaten im Militärjargon. Fotograf Henry Hargreaves und Koch Chuck George basteln aus Ihnen Gerichte, die auch in Sternehäusern serviert werden könnten. Im Interview erzählt uns Henry Hargreaves, warum man sie aber eher nicht probieren sollte.
toggle Sidebar Die meisten Gerichte sind schrecklich.

Die Idee, mit Essensrationen für Soldaten Plating-Orgien zu veranstalten, ist ein wenig seltsam. Wie kam´s dazu?

Der Vater von Chuck war in der US-Armee. Er hat den Kindern immer seine Essensrationen mitgebracht. Die fanden das toll, weil es für sie so ungewöhnlich war, Essen so verpackt zu bekommen. Er hat mir das mal erzählt und so kam es zu der Idee für das Projekt.

Wie sind Sie an die MRE-Packungen gekommen? Die gibt´s ja schließlich nicht im Supermarkt …

Aber zum Glück im Internet! (lacht) Wir mussten viel im Graubereich agieren. Einiges haben wir über e-Bay bekommen, und es gibt auch Webseiten, die sich auf den Verkauf von Militaria spezialisiert haben. Aber darauf möchte ich lieber nicht weiter eingehen. Denn es ist illegal, Armeebestände zu verkaufen oder zu kaufen.

Haben Sie den Inhalt der Packungen auch gekostet?

Ja, und leider stimmt das Vorurteil: Die meisten Gerichte sind absolut schrecklich. Vieles konnte ich gar nicht probieren, weil mich schon der Geruch so abgestoßen hat. Da gibt es keinen großen Unterschied zu Hundefutter. Vor allem die amerikanische und chinesische Armee beschränken sich fast ausschließlich auf Pasten. Da geht es wirklich nur darum, dem Körper in Extremsituationen irgendwie Energie zuzuführen. Bei den Franzosen und Russen gibt es wenigstens Gerichte, bei denen es eine Art Essensritual gibt. Da kann man sich beispielsweise mal einen Cracker mit Käse schmieren.

Was sagt das Essen in den Packungen dann über das Verhältnis der Armeen zu ihren Soldaten aus?

Über die Qualität des Essens und das Anrichten drückt sich immer Wertschätzung aus. Es ist ein Gradmesser dafür, wie viel Respekt ich jemandem entgegenbringe. Insofern ergibt sich schon eine gewisse Ironie aus der Tatsache, dass die Armeen den Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, so schlechtes Essen vorsetzen, während die Menschen zu Hause Essen und Essengehen auf ihren Instagram-Accounts inszenieren.

Hatten Sie beim Anrichten Ihrer Teller eigentlich „Vorbilder“?

Ja, wir haben uns da schon etwas an der Art und Weise orientiert, wie in den verschiedenen Ländern angerichtet wird. Für die Rationen der russischen Armee habe ich mir zum Beispiel angesehen, wie die Teller im White Rabbit in Moskau angerichtet werden. Und bei jenen der Chinesen haben wir viel mit goldenen Tellern gemacht, weil Mahlzeiten dort in den Lokalen relativ häufig so angerichtet werden. Dadurch sollte man die kulturellen Unterschiede bei den Bildern spüren.

Hat sich eigentlich schon eine der Armeen bei Ihnen gemeldet, um sich ein paar Tipps zu holen, was sie in Zukunft besser machen können?

Das wäre schön. Ich denke, da gäbe es viel, was man verbessern könnte! (lacht) Selbst dann, wenn man wichtige Voraussetzungen wie Haltbarkeit oder Hitzebeständigkeit berücksichtigt.

Herr Hargreaves, vielen Dank für das Gespräch!