Eye catcher

Mit Standard-Zimmern erreichen Hoteliers Gäste immer seltener. FRISCH hat Expertin Hanna Raissle dazu befragt, warum das so ist, und zeigt fünf Beispiele für Suiten jenseits jeder Norm.
toggle Sidebar Design bietet die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.

Sie helfen Hoteliers dabei, Designkonzepte für ihre Betriebe zu entwickeln, Frau Raissle. Warum wird es immer wichtiger, sich Gedanken darüber zu machen?

Weil sich in den letzten zehn Jahren am Hotelmarkt unheimlich viel getan hat. Die meisten Gäste sind weit gereist, sehen mehr und buchen seltener Hotels in internationalem Stil, die überall gleich aussehen. Hoteliers müssen heute eher echte Bedürfnisse erfüllen und aufhören, austauschbar zu sein, um bei der riesigen Konkurrenz am Hotelmarkt noch Gäste auf sich aufmerksam zu machen.

Nicht jeder Hotelier hat so gute Voraussetzungen für einen speziellen Zugang wie in den hier gezeigten Beispielen. Was kann man trotzdem daraus lernen?

Es gibt in jedem Haus etwas Besonderes! Man muss es nur mit den richtigen Herangehensweisen und Strategien herausarbeiten. Das Icehotel zeigt sich beispielsweise in unnachahmlicher Klarheit und einheitlichem Gesamtbild. Aus der Strukturierung der Räume, der Arbeit mit Licht und den verwendeten Materialien entsteht hier ein in sich absolut stimmiges Konzept. Das Kranhotel in Amsterdam wählt dagegen einen anderen Weg und setzt auf Kontraste und Brüche. Dort arbeiten die Designer mit einem großen Spektrum unterschiedlicher Aspekte. Mit der Höhe und dem Blick über Hafen und Stadt. Mit einer harten, sehr technischen Optik und dem Ausgesetztsein. Dem stellen sie aber eine Opulenz in der Zimmereinrichtung gegenüber, die Geborgenheit ausstrahlt. Das bringt in jedem Gast etwas zum Schwingen.

Dem Feralda Crane Hotel kann man nicht gerade eine Toplage bescheinigen. Sind spannende Designkonzepte ein Weg zu höherer Gästefrequenz in Randlagen?

Absolut. Design bietet die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Ich hole den Gast auf einer primär emotionalen Ebene ab. Der rationale Gedanke, wie weit das Stadtzentrum entfernt ist, spielt dann nicht mehr die größte Rolle. Je stärker ich mich positioniere, desto mehr falle ich auf. Und wenn ich viel Energie in PR und Marketing stecke, wird auch weltweit über mich berichtet. Das Crane Hotel ist dafür ein gutes Beispiel.

Wo liegen die größten Gefahren, wenn Hoteliers über eine solche Neupositionierung nachdenken?

Eine so extreme Positionierung sollte nicht konstruiert sein. Denn nur Konzepte, die authentisch und glaubwürdig sind, werden auch erfolgreich sein. Das Felswand-Hotel in Peru funktioniert beispielsweise nur deshalb so gut, weil die Seele hinter diesem verrückten Ansatz spürbar bleibt. Die Menschen, die es betreiben, sind schließlich Teil der Bergsportszene. Fehlt dieser Aspekt, kann man als Hotelier unter Umständen sehr viel Geld verlieren.

Muss denn ein Redesign zwangsläufig teuer sein?

Nein, nicht unbedingt. Je klarer das Ziel ist, desto geringer werden die Kosten am Ende sein. Vor allem müssen Hoteliers sich sehr klar darüber werden, welche Gästegruppen sie ansprechen wollen. Bei mir haben sich Fragenkataloge als gutes Hilfsmittel herausgestellt. Wenn es allerdings ein wirklich außergewöhnliches Konzept sein soll, ist es vor allem für Marketing und PR ein echter Vorteil, von Beginn an groß zu denken. Aber mittlerweile gibt es auch immer mehr finanzstarke Investoren, die helfen können, solche außergewöhnlichen Hotel-Konzepte zu finanzieren.

Frau Raissle, vielen Dank für das Gespräch!

Ausgesetzt

Gäste, die kletternd die rund 400 Höhenmeter zu einer der drei Kapseln der Skylodge Adventure Suites überwunden haben, dürfen sich mit einem besonderen Hochgefühl belohnen. Sie geniessen nicht nur einen 300- Grad-blick über eines der heiligsten Täler Perus, sie werden dabei auch noch bestens verköstigt. Abends gibt es direkt in der Felswand sogar ein Mehrgängiges Gourmetdinner mit Weinbegleitung.

Eiskalt

Übernachten im Iglu ist nicht mehr ganz neu. Doch das Icehotel im schwedischen Jukkasjärvi, 200 Km nördlich des Polarkreises, ist viel mehr als das. 40 Künstler gestalten die Suiten dieses unglaublichen Eispalastes jedes Jahr anders.

Mutig

in Amsterdam wurde aus dem rostigen Hafenkran der bankrotten NDSM Werft das Feralda Crane hotel. Drei exklusive Suiten schweben dort nun auf einer Höhe von etwa 35 Metern. Panorama und Ambiente sind so speziell, dass sich die Betreiber über die Auslastung keine Sorgen manchen müssen.

Sakral

Das flämische Mechelen ist zwar nicht weltbekannt, aber die historische Altstadt ist wunderschön. Als dort eine alte Kirche zum Verkauf stand, sah die Martin´s-Hotelgruppe sofort großes Potenzial in der Umgestaltung. Heute kommen in den Patershof nicht nur Touristen, sondern auch Geschäftsreisende.

Deep

400 Jahre lang war die Sala Mine eine der größten Silber-Lagerstätten Schwedens. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel mit Schaubergwerk. Es gibt aber eine weitere Attraktion: Die tiefstgelegene Hotelsuite Europas. auf 155 Metern ist nicht nur ein Bett untergebracht, sondern auch ein Konzertsaal. Falls einem nachts also doch etwas mulmig wird, kann man dort pfeiffend die Akustik testen.