Fashion Food

Fotograf Helge Kirchberger und Starkoch Roland Trettl arbeiten seit 2008 mit ihrem Projekt Fashion Food gemeinsam am Schnittpunkt von Kulinarik und Mode. Bei Ihren nächtlichen Sessions im Fotostudio entsteht dabei aus Lebensmitteln Haute Couture. Ein Hintergrundgespräch.
toggle Sidebar Wir haben gemeinsam Bilder gekocht.

Wie entstand die Idee zu Ihrem Projekt mit Roland Trettl, Herr Kirchberger?

Es gab damals einen Fotowettbewerb von Canon für die Modewoche in Düsseldorf. Die suchten Bildmaterial, um die Messeflächen ansprechend zu gestalten. Das vorgegebene Thema war: „Alles, was Mode ausmacht“. Ich wollte einen ganz neuen Zugang ausprobieren und da ich damals gerade angefangen hatte, für den Hangar 7 in Salzburg zu fotografieren, hatte ich die Idee, Lebensmittel und Zutaten als Mode zu inszenieren. Deswegen habe ich Roland Trettl angerufen und ihn gefragt, ob er sich vorstellen kann, dabei mitzumachen.

Und wie hat der reagiert?

Naja … Wir kannten uns damals noch nicht so gut und ich habe ihn im Urlaub erwischt. Er war also erst ein wenig reserviert und meinte, er überlegt sich das mal. (lacht) Kein guter Start. Aber schon zwei Minuten später hat er angerufen und gesagt, dass er das mit mir umsetzen will.

Wie lief dann die weitere Zusammenarbeit? Wie sind die Aufnahmen zu Fashion Food entstanden?

Das war immer sehr inspirierend und lustig. Wir haben die Aufnahmen bei mir im Studio gemacht. Roland meinte, dass er nur nachts kreativ sein kann. Also haben wir uns erst am Nachmittag getroffen. Gegen sechs oder sieben kamen dann die Models und Roland hat angefangen, mit den mitgebrachten Lebensmitteln aus dem Stand seine „Kleider“ zu entwerfen. Ich habe parallel das Licht gesetzt und bin ihm ein wenig zur Hand gegangen. Wir haben also quasi gemeinsam Bilder gekocht und wussten dabei nie genau, was am Ende rauskommt. Dieses spontane Arbeiten ging meist bis zum nächsten Morgen.

Ist es nicht unheimlich schwierig für einen Fotografen, mit Lebensmitteln zu arbeiten?

Natürlich war das oft eine Herausforderung. Und manches hat auch einfach nicht funktioniert. Roland hat beispielsweise einmal einen Hosenanzug aus Lardo gebastelt. Als den das Model anhatte, ist der weiße Speck durch die Körpertemperatur zu schnell glasig geworden und wir mussten die Idee ad acta legen. Generell war die Zeit zum Fotografieren immer sehr kurz. Meist musste ich innerhalb weniger Minuten mein Bild im Kasten haben.

Die Bilder von Fashion Food leben teilweise von ihrer Gegensätzlichkeit. Wunderschöne Frauenkörper räkeln sich beispielsweise in weißen Schweinenetzen. Wie gelingt es, dass das nicht ungustiös wird?

Jedes Produkt hat seine Ästhetik und seinen Reiz. Das muss man als Fotograf mit dem richtigen Licht herausarbeiten, damit es nicht peinlich wird. Roland hat mir da immer die richtigen Hinweise zu den Produkten gegeben. Etwa, dass manche eine wunderbar durchscheinende Qualität haben, wie das Schweinenetz. So gelingen dann Aufnahmen, wo man wirklich die Ästhetik und Anmutung eines Beauty- oder Fashion-Shoots transportieren kann.

Wo sehen Sie bei Ihrem Projekt die Schnittmengen von Fashion- und Kochwelt? Eine Küche ist ja nicht gerade glamourös …

Das vielleicht nicht. Aber es geht auch dort um Perfektion. In der Küche muss man auch alles geben, um einem Gericht das gewisse Etwas zu geben. Besonders in der Hochküche betrifft das ja stark auch das Visuelle, die perfekten Oberflächen und das Zusammenspiel der Farben. Ich denke, dass deshalb Roland auch ohne große Probleme in ein paar Nächten aus Lebensmitteln Mode zaubern konnte.

Wie war die Reaktion auf die Bilder?

Eigentlich durchwegs positiv. Jeder, der die Bilder gesehen hat, war begeistert. Unser Durchbruch war dann, dass Frau Heyne vom Verlag Rolf Heyne eines der Bilder in einem Kochbuch gesehen hat, das Roland mit Gérard Depardieu gemacht hatte. Dort wurde auch das Projekt erwähnt. Sie hat uns angerufen und wollte unbedingt ein Buch machen. Wir haben Fashion Food dann innerhalb von nur zwei Monaten fertiggemacht und bei der Buchmesse präsentiert. Parallel lief im NRW Forum in Düsseldorf die erste Ausstellung. Das war der Durchbruch für das Projekt. Viele Ausstellungen folgten. Die schönste war wohl in Berlin im Museum für Kommunikation. Dafür haben wir auch nochmal neue Bilder geschossen.

Werden Sie das Projekt weiterleben lassen?

Kürzlich sind die Fotos der Ausstellungen wieder alle zurück nach Salzburg gekommen. Da haben wir uns einmal wieder darüber unterhalten. Spannend wäre es schon. Aber wir würden dann auf ganz andere Art an das Thema herangehen.

Was ist eigentlich aus dem Canon-Wettbewerb geworden? Haben Sie den gewonnen?

Natürlich nicht. Ich glaube, wir sind nicht einmal unter die ersten 40 gekommen! (lacht)

Herr Kirchberger, vielen Dank für das Gespräch!