Food Revolution 5.0

So heißt eine Ausstellung, die noch bis zum 29. Oktober im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen ist und sich die Frage nach der Zukunft des Essens stellt. Frisch hat sich mit MKG-Direktorin Prof. Dr. Sabine Schulze darüber unterhalten.
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Ihre Ausstellung heißt Food Revolution 5.0. Warum dieser Titel?

Eine Revolution unseres Ernährungssystems steht noch ganz am Anfang – ist aber dringend notwendig. Immer mehr Konsumenten, Designer und Künstler setzen sich mit dem Thema der Lebensmittelproduktion, dem Vertrieb und mit neuen Formen des Konsums auseinander. Der Titel Food Revolution 5.0 meint: Wir müssen das Wissen, das über Generationen und Jahrhunderte über das Essen zusammengetragen wurde, verbinden mit den neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen und daraus nachhaltige Lösungen entwickeln.

Geht es nur um die Auseinandersetzung oder auch darum, einen Standpunkt zu beziehen?

Die Ausstellung möchte den Besuchern nicht mit erhobenem Zeigefinger entgegentreten, sondern vielmehr Denkansätze liefern und ein Umdenken ins Rollen bringen. Die zum Teil spekulativen Ideen der präsentierten Designer machen auf die Missstände aufmerksam. Andere bieten Lösungsmodelle, die schon heute praktische Anwendung finden. Sie alle verbindet die Idee, dass die Gestaltung unserer unmittelbaren Umwelt, von der Aufteilung und Einrichtung der Küche über Tisch, Sitzplatz und Besteck bis hin zur Verpackung unserer Lebensmittel, wesentlich unser Verhalten und unsere Einstellung zu den Dingen beeinflusst.

Warum sollten sich gerade Köche die Ausstellung ansehen?

Eine wichtige Frage der Ausstellung ist, wie man die Bevölkerung in Zukunft möglichst gut, gesund und nachhaltig ernähren kann. Kantinen, Großküchen, Mensen und Restaurants tragen hier eine besondere Verantwortung, denn der Großteil der Menschen erlernt und verfestigt hier im Laufe des Lebens seine Ernährungsgewohnheiten. Menschen essen in Kitas, in der Schulküche, in der Uni-Mensa, später in der Firmenkantine und am Abend im Res- taurant. Viele Betreiber haben sich bereits auf eine nachhaltige Herstellung, neue Bedürfnisse und Zielgruppen eingestellt. Sie kochen bio, vegan und halal oder bieten ein außergewöhnlich gestaltetes Ambiente. Im Rahmen unseres Kantinenwettbewerbs zeigen wir auch gute Beispiele aus Hamburg. Die sechs Finalisten werden in der Ausstellung vorgestellt und von den Besuchern bewertet.

Daneben sind die Ideen und Ansätze, neue nahrhafte Lebensmittel wie Algen und Insekten zu produzieren und zuzubereiten, sehr vielversprechend und für uns noch ungewohnt. Die Ausstellung ruft außerdem traditionelles Wissen wieder ins Bewusstsein, liefert interessante Informationen über die Strukturen der weltweiten Lebensmittelproduktion und -verteilung und gibt spannende Impulse und Ideen, die in der Umsetzung vielleicht gar nicht so aufwendig und kostenintensiv sind, wie sie scheinen.

Wie waren die Reaktionen auf die Ausstellung bisher?

Mit unserer Ausstellung können wir nicht die Welt verändern, aber einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die Menschen genauer hinschauen, sich mit ihrer Ernährung wirklich beschäftigen. Wenn unsere Besucher mit neuen Erkenntnissen und Ideen nach Hause gehen und in ihren Familien und im Freundeskreis über die Zukunft des Essen diskutieren, dann haben wir etwas bewirkt. Wir freuen uns sehr, dass so viele Schulklassen kommen. Das Interesse an der Ausstellung ist insgesamt sehr groß.


Wie realistisch ist es, dass manche der Zukunftsvisionen der Ausstellung auch den Sprung in die Realität schaffen?

Wir zeigen in der Ausstellung nicht nur spekulatives Design, das provoziert und uns zum Nachdenken bringt. Die Insektenfarm von Katharina Unger oder das Biovessel von Bionicraft, aber auch der Beehive von Beecollective sind nur ein paar Beispiele für Modelle, die bereits im Gebrauch sind und tatsächlich funktionieren.

Frau Prof. Dr. Schulze, vielen Dank für das Gespräch!