Pomo Promo

Dieser Beitrag ist eine Promotion-Aktion. Vor über 100 Jahren hat die US-Regierung 65 Künstler beauftragt, alle landwirtschaftlich nutzbaren Früchte zu zeichnen und zu katalogisieren. Mit Hilfe der Aquarelle sollte Pomologie betrieben werden. Seit kurzem sind die über 7.000 enorm beeindruckenden Blätter online frei verfügbar. Reinklicken lohnt sich.
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Parker Higgins ist weder Landwirt noch Forscher und sein Interesse an Pomologie hielt sich bisher stark in Grenzen. Mit diesem Fachbegriff bezeichnet man seit 1818 die Wissenschaft des Anbaus von Früchten. Für die USA hatte dieser Forschungszweig große praktische Bedeutung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann der amerikanische Aufstieg zu einer der führenden Agrarnationen, die sich besonders mit Obst nicht mehr nur selbst versorgen, sondern auch ins Exportgeschäft einsteigen wollte. Dafür war es wichtig, möglichst viel Wissen zu den unterschiedlichen Früchten, Sorten und Anbaugebieten zusammenzutragen, damit alle Farmer von diesem Wissensschatz profitieren konnten.

Ab 1886 beauftragte das United States Department of Agriculture (USDA) deshalb insgesamt 65 Künstler, möglichst viele der in den USA und anderen Ländern wachsenden Kulturpflanzen, Züchtungen, Kreuzungen und verschiedenen uralten Varianten mit Stift und Pinsel zu dokumentieren. Denn die Fotografie war damals für diesen Zweck noch zu wenig weit entwickelt. So kam bis zum Ende des Programms im Jahr 1942 eine Sammlung von Aquarellen zusammen, die heute über 7.500 Blätter umfasst.

Digitaler Schatzsucher

Bis vor kurzem war dieser kulturelle Schatz aber nur schwer zugänglich. Die USDA hatte zwar 300.000 Dollar in die Hand genommen, um die Bilder in höchster Qualität digitalisieren zu lassen. Sie verlangte für den Zugang aber so horrende Gebühren, dass innerhalb von fünf Jahren gerade einmal 600 Dollar eingespielt werden konnten. Dann kam 2015 Parker Higgins ins Spiel. Er ist Internet-Aktivist bei der Electronic Frontier Foundation und engagiert sich stark für die Redefreiheit und die Demokratierechte in den USA. „Mich hat schon immer interessiert, welche Schnittmengen die Themen Redefreiheit, Copyright und Gemeingut haben“, erklärt er seine Motivation hinter dem Projekt.

Auf die pomologische Sammlung der USDA wurde er eher zufällig beim Surfen im Internet aufmerksam: „Ich wollte einen Monat lang jeden Tag ein Projekt finden, bei dem es sich lohnen würde, es der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen“, erzählt er. „Die USDA-Datenbank passte perfekt und ich stellte eine offizielle Anfrage.“

Bis die Bilder freigegeben waren, dauerte es allerdings noch. „Die Regierung agiert in diesen Bereichen ziemlich träge. Niemand traut sich etwas öffentlich zu machen, wenn es das so lange nicht war“, berichtet Higgins über seinen Kampf mit den Institutionen. Auch dank des Drucks der Open Data Community in den USA wurde nun aber die komplette Sammlung mit hochauflösenden Bildern für jeden zugänglich gemacht. FRISCH hat sich auf die Reise durch die tausenden Bilder begeben und zeigt die schönsten auf den folgen-den Seiten.