Garten Edel

Im Eferdinger Becken gedeiht seit Jahrhunderten nur bestes Gemüse. Die Veredelung der rein regional erzeugten Produkte übernimmt die Traditionsmarke efko. Deren Erfolgsgeheimnis: Sie gehört fast zur Hälfte der heimischen Bauern. 
toggle Sidebar Nachhaltig zu agieren und zu produzieren, ist bei uns quasi genetisch programmiert. 

Von hier oben reicht ein einziger Blick, um ein Gefühl dafür zu bekommen, warum das Eferdinger Becken so wichtig für Österreichs Konsumenten und Gastronomen ist. Rund um die Ruine Schaunberg in der Nähe des oberösterreichischen Hartkirchen breitet sich das volle 360-Grad- Panorama der fast 120 km2 großen, sanft hügeligen Landschaft aus, die die heimischen Bauern schon seit dem 13. Jahrhundert bevorzugt mit Gemüse bewirtschaften. Feld reiht sich an Feld und wird aus der Distanz zu einem riesigen Fleckerlteppich geometrischer Formen. Jetzt, im Winter, setzen sie sich in Ocker- und Braunschattierungen voneinander ab, um dann ab April von einer Welle saftigen Grüns überrollt zu werden.

„Die Bedingungen sind hier, nur einige Kilometer westlich von Linz, auf beiden Seiten der Donau perfekt für den Anbau von Gemüse“, erklärt dazu Klaus Hraby, Geschäftsführer von efko, einem der größten Unternehmen für die Veredelung von Gemüse in Europa. Dazu würden mehrere Faktoren beitragen, meint er.

Spezielles Mikroklima

Der wichtigste ist das Klima. Denn den Gemüsebauern kommt zugute, dass es dank Beckenlage immer ein bis zwei Grad wärmer ist als nur ein paar Kilometer weiter westlich. Außerdem schützen Sau- und Böhmerwald vor dem niederschlagsreichen mitteleuropäischen Übergangsklima und den polaren Nordwinden des Mühlviertels. Die mittlere Tagestemperatur fällt deshalb an 226 Tagen nicht unter fünf Grad plus. Auch Nachtfrost kommt kaum vor. Ideale Wachstumsbedingungen für Gurken, Spargel, Erdbeeren, Rot- und Weißkraut und die verschiedensten Salatsorten.

Die Böden sind ein weiterer wichtiger Grund, warum Gemüse aus dem Becken eigentlich immer die Bestnote auf der fünfteiligen Bonitätsskala bekommt: „Wir haben hier durch den Donaueinfluss Schwemmlandböden. Außerdem können unsere Landwirte durch einen riesigen Grundwassersee in nur drei bis vier Metern Tiefe immer in Trinkwasserqualität bewässern“, meint Hraby. Darauf, dass diese Erfolgsgrundlage nicht überstrapaziert wird, legen Landwirtschaftsbetriebe und Verwerter besonderes Augenmerk: „Unsere Bauern schonen die Böden, weil sie eine sehr lange Tradition des Gemüseanbaus weiterführen. Wenn zum Beispiel auf den großen Äckern in den Niederlanden 80 Tonnen Speisekartoffeln und mehr pro Hektar geerntet werden, sind es hier gerade einmal die Hälfte.“ Diese weniger extensive Bewirtschaftung mache sich auch in der Qualität bemerkbar, so Hraby.

Vorteil Genossenschaft

Überhaupt agiert die „Eferdinger Konserven“ – dafür steht das Kürzel „efko“ seit 1976 – häufig anders als die großen Agrarkonzerne jenseits der Grenzen in Deutschland, Italien und den Niederlanden. Denn die efko ist eine Genossenschaft. Gegründet wurde ihr Vorläufer von sieben regionalen Gemüsebauern schon 1941 als Eferdinger Gartenbaugesellschaft. Bereits Anfang der 50er begannen die visionären Landwirte mit der Konservierung von Gemüse zu experimentieren. Es entwickelte sich über die Jahre eine Marke, die mit ihren Gurken- und Pfefferonigläsern aus keinem österreichischen Supermarktregal mehr wegzudenken ist. Noch heute hält die Oberösterreichische Obst- und Gemüseverwertungsgenossenschaft 49 % am Unternehmen und sorgt dafür, dass dem Anbaugebiet, den Bauern und ihren Erzeugnissen mehr Wertschätzung entgegengebracht wird als anderswo.

Einmal pro Jahr wird mit den heute 120 Vertragslandwirten ein Kontrakt über Liefermengen und Preise verhandelt. Außerdem bestimmt man gemeinsam, welche Sorten wann angebaut werden, um immer ausreichende Verfügbarkeit zu gewährleisten. Selbst die idealen Fruchtfolgen werden dabei festgelegt, damit die Böden geschont werden. Die Vertragsbauern übernehmen also die Produktion und efko kümmert sich um Veredelung und Distribution. Eine Win-win-Situation für beide Seiten. Die Bauern können mit Fixpreisen kalkulieren. efko profitiert vom Wissensschatz der Bauerngenossenschaft, höchster Qualität und einer perfekt abgestimmten Planung untereinander. „Wissen Sie, wir sind so eine Art Schicksalsgemeinschaft“, beschreibt der efko- Geschäftsführer dieses Modell und erinnert dann daran, dass auch Katastrophen wie das Donauhochwasser 2013 gemeinsam durchgestanden werden müssen.

Nachhaltige Produktion

Für die Endkunden bringt die Genossenschaft dagegen ausschließlich Vorteile. 80 % des verwerteten Gemüses wächst in einem Umkreis von nur 10 bis 15 Kilometern um die drei großen efko-Verwertungsbetriebe. In der Haupterntezeit von Mai bis Oktober liefern die Traktoren jeden Morgen ihre Produkte an, die dann noch am selben Tag ausgeliefert oder verarbeitet werden. „Durch unsere besondere Struktur schaffen wir es, dass die Erzeugnisse nur sehr kurz bei uns im Lager bleiben“, erklärt Hraby, warum Gemüse und Salate aus den efko-Hallen besonders frisch und knackig beim Kunden ankommen. Darüber hinaus sind die efko- LKWs nie lange unterwegs. Und selbst das Wasser für die Füllung und das Auswaschen der Gurken- und Sauerkrautgläser kommt direkt aus dem eigenen Trinkwasserbrunnen. „Nachhaltigkeit ist bei uns quasi genetisch programmiert“, bringt Hraby prägnant auf den Punkt, warum die efko trotz ihrer mittlerweile über 600 Mitarbeiter und etwas über 150 Mio. Euro Jahresumsatz kein Konzern ist, dem es nur um Gewinnmaximierung geht.

Diese Verbundenheit mit der Landwirtschaft und ihren Erzeugnissen macht sich auch an den Produktionsstandorten bemerkbar. Klar geht es hier hochmodern, technisiert und absolut hygienisch zu. Aber es wird alles dafür getan, die Seele des Produkts auf dem Weg ins Glas nicht zu verlieren. Sterilisation als Verfahren kommt deshalb nicht in Frage. Bei efko wird ausschließlich pasteurisiert und so wichtige Vitamine erhalten. Die frisch per Hand gepflückten Gurken kommen in ein Glas und werden mit einer Lake aus Wasser, Salz und Essig wenige Minuten auf eine Kerntemperatur von maximal 78 bis 80 Grad erhitzt. So bleiben sie für ein ganzes Jahr knackfrisch und sind sogar noch nach vier Jahren genießbar.

Neues Gastrosortiment

Fast noch höhere Qualitätsansprüche haben die efko-Rezeptentwickler beim speziell für die Gastronomie entwickelten Sortiment. „Aus unserem Kartoffelsalat ist mittlerweile fast ein Forschungsprojekt geworden“, lacht der efko-Chef über den Aufwand, den seine Mitarbeiter betreiben, um die ideale Geschmacksmischung und den richtigen Biss hinzubekommen. „Kartoffelsalat ist fast so etwas wie eine geschmackliche Landkarte Österreichs. In Bregenz schmeckt er anders als in Eisenstadt, in Wien ist er süßlicher und weiter im Westen eher säuerlich. Einen Geschmack zu treffen, auf den sich alle Österreicher einigen können, ist also gar nicht so einfach. Trotzdem bin ich sicher, dass wir heute den besten Kartoffelsalat im Großgebinde anbieten, den man kaufen kann“, unterstreicht Hraby selbstbewusst.

Das liege auch an der großen Erfahrung seiner Mitarbeiter. Kartoffeln sind ein Naturprodukt, das sich über das ganze Jahr verändert. „Wir haben zum Glück Kollegen, die nach ihren vielen Jahren bei efko ganz genau wissen, welche Kartoffelsorte sich zu welcher Zeit am besten für unseren Kartoffelsalat eignet“, gibt der Manager einen kleinen Einblick, wie viel Know-how für die Großproduktion eines simplen Erdäpfelsalats nötig ist. Nicht nur die Knollen werden dabei individuell zusammengestellt, auch die Rezeptur für die Marinade ändert sich entsprechend dem verwendeten Typ. „Wir betreiben wirklich großen Aufwand, weil wir Gastronomen und Köchen ein Produkt bieten wollen, mit dem sie im Alltag Zeit sparen können und trotzdem keinerlei Qualitätseinbußen akzeptieren müssen.“ Weiter veredeln können Köche die Salate im Großgebinde natürlich trotzdem. So möchte efko mit seinem Sortiment Küchenleitern helfen, auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel zu finden.

Dieser verstärkte Fokus auf die Gastronomie ist dabei Teil einer Strategie, die sich das Unternehmen für seine Entwicklung bis 2025 vorgenommen hat. Hraby: KÜCHE . Herkunft „Im Bereich Konserven haben wir heute eine so große Marktdurchdringung, dass Wachstum kaum noch möglich ist. Deswegen werden wir unser Angebot im Bereich Frische-Convenience und Außer- Haus-Konsum stark ausbauen.“ Ab diesem Jahr wird es unter der Marke efko auch frische Schnitt- und Pflücksalate, marinierte Salate, Schnittgemüse und viele weitere Produkte geben. Natürlich – wie sollte es anders sein – sorgfältig aus regionalen Rohstoffen hergestellt. Denn es gibt in Österreich und Süddeutschland wenig Gemüse, das qualitativ hochwertiger ist und nachhaltiger produziert wird als jenes der Genossenschaft aus dem Eferdinger Becken.