Sonnenanbeter

Wenn die Sonne ihre Strahlen in den Stall von Franz Schwödiauer schickt, drängen seine Puten sofort ins Licht. Der Wech-Vertragsbauer hat ihnen nämlich einen Wintergarten gegönnt. Fürs Tierwohl und weil die Fleischqualität davon enorm profitiert. Jetzt gibt es die heimischen Sonnenputen exklusiv bei KRÖSWANG.

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Beim Thema Tierwohl sind wir in der Putenmast in Österreich weiter als alle EU-Länder.

Sattgrün flimmern Wiesen und Maisfelder im Sonnenlicht durch das enge Drahtgeflecht. Eine frische Brise Landluft lässt fast vergessen, dass Franz Schwödiauer in dicken Gummistiefeln inmitten Dutzender seiner bis zu 20 Kilo schweren Masttiere steht. Der Vollerwerbsbauer betreibt in Ernsthofen einen Putenmastbetrieb. Genau dort, wo die Enns auf ihrem Weg hinab von den Radstädter Tauern zur Donau die Grenze zwischen Niederösterreich und Oberösterreich markiert. Schon sein Vater setzte 1978 auf das gesunde Fleisch, das sich so gut für schnelle, leichte Küche eignet. Er und seine Frau übernahmen die Landwirtschaft 2008. Sie bauten die Mast auf über 5.000 Hähne und 6.000 Hennen aus und gehören heute zu den ersten zehn Betrieben, die ihren Tieren in Kooperation mit Wech Geflügel einen Wintergarten gönnen.

Ab in den Wintergarten

Wie bitte?! "Ja, der Begriff ist vielleicht etwas ungewöhnlich" lacht Schwödiauer, "aber im Prinzip trifft er es ganz gut: Wir haben an unserem Stall ein Außengehege angebaut, dass die gesamte Innenfläche um ein Viertel vergrößert. Dieser Teil ist zwar überdacht, muss aber an seinen Längsseiten offen bleiben. So können die Tiere immer in die Landschaft schauen.“ Wenn die Sonne scheint, so wie heute, strömt die ganze Putenherde hinaus und nutzt dieses Angebot intensiv. Deswegen auch der Name, unter dem ihr Fleisch seit November von KRÖSWANG vertrieben wird: Sonnenpute.

„Im Vergleich zur konventionellen Mast bekommen Sonnenputen durch den Wintergarten außerordentlich viel natürliches Sonnenlicht“, erklärt dazu der Profihalter: „Wir wissen , wie wichtig vor allem dessen UV-Anteil für den Vitamin-D-Haushalt ist.“ Schwödiauer weiß, wie viel Einfluss Faktoren wie Stallklima, Sonnenlicht, Wasser und Futter auf Wohlbefinden und Fleischqualität haben. Ins Tierwohl zu investieren hat dabei für ihn auch eine handfeste ökonomische Seite. So fördert Vitamin D den Knochenaufbau. Die Tiere werden dadurch widerstandsfähiger und sind kaum noch krank. Auf Antibiotika muss er so nur mehr in extrem seltenen Ausnahmefällen zurückgreifen.

Auch das bessere Stallklima trägt seinen Teil zur besseren Tiergesundheit bei. Durch den Wintergarten atmen die Puten nun noch mehr Frischluft. Im Inneren der riesigen Ställe sorgen außerdem von Sensoren gesteuerte Lüftungsventilatoren für gleichmäßige Temperaturen. Ist es extrem heiß, schaltet sich sogar automatisch eine Anlage ein, die Wasser zu ganz feinem Sprühnebel zerstäubt. „Sowas hätte ich diesen Sommer auf meiner Terrasse auch gerne gehabt“, lacht der Züchter trocken.

Die vielen kleineren Investitionen im Rahmen des rund 150.000 Euro teuren Wintergartenbaus waren aber genauso wichtig. So gibt es seit dessen Einführung auch ein Meter hohe Aufsitzhilfen an jeder Stallwand. Stärkere Tiere nutzen sie als Fitnessgerät, schwächeren bietet der Hohlraum darunter eine Rückzugsmöglichkeit. „In freier Natur suchen sich Puten ihre Schlafplätze auf Bäumen. Ständig auf die Aufsitzhilfen zu klettern, entspricht also ihrem natürlichen Verhalten. Es hat zusätzlich den positiven Nebeneffekt, dass das Fleisch durch die viele Bewegung feinfasriger wird“, erklärt Schwödiauer die Vorteile.

Ideale Beschäftigung

Auch sonst halten die neugierigen Vögel kaum still und wollen beschäftigt werden. Stroh dient deshalb als Einstreu am Boden der Ställe. Außerdem verteilt der Bauer regelmäßig große Strohballen auf der Fläche. Die Halme aus den Ballen zu ziehen ist die ideale Beschäftigung. Denn um Futter und Wasser müssen sich Hähne und Hennen nicht mehr selbst bemühen. Was sie an den Futter- und Trinkstationen fressen, wird dabei genauso penibel überwacht wie das Klima. Getreide und Mais wachsen auf den umliegenden Feldern, was wesentlich zu einer ausgeglichenen CO2-Bilanz des gesamten Hofes beiträgt. Nur Soja muss notgedrungen zugekauft werden, weil es die so wichtigen Proteine für den Fleischaufbau liefert. Aber auch dafür gibt es von Partner Wech Geflügel strenge Vorgaben. Es muss gentechnikfrei sein und kommt zu einem sehr großen Teil aus der EU. Selbst Überlegungen zu einer eigenen Produktion entlang der Donau gibt es bereits.

„Beim Thema Tierwohl sind wir in der Putenmast in Österreich weiter als alle anderen EU-Länder“, bestätigt auch Dr. Karl Feichtinger, Geschäftsführer von Wech Geflügel: „Österreich ist das einzige Land in der EU mit einer gesetzlich geregelten Besatzdichte von 40 kg/ m2. Selbst Deutschland hat nur unverbindliche Vorgaben.“ Die Konsequenz: Importiertes Putenfleisch hat einen uneinholbaren Preisvorteil, weil die in Österreich verpflichtende Besatzdichte in anderen Ländern um bis zu 75 % überschritten wird. Der Selbstversorgungsgrad bei Putenfleisch beträgt hierzulande deshalb gerade einmal ein Drittel. Zwei Drittel kommen aus dem Ausland. In der Gastronomie und der Großverpflegung steigt dieser Anteil sogar auf über 90 %. Natürlich bedeutet das auch Abstriche bei der Fleischqualität: „Man erkennt Putenfleisch aus fragwürdiger Erzeugung sofort“, unterstreicht Feichtinger: „Es ist fahl, wässrig und generell weniger kompakt.“

Argument Tierwohl

Trotzdem ist das Preisargument nicht wegzudiskutieren. Die Investition in Tierwohl und bessere Fleischqualität bedeutet bei der Sonnenpute im Einkauf zwangsläufig einen Aufpreis. Der werde sich jedoch für die Gastronomen bezahlt machen, glaubt Feichtinger. Denn neben dem Trend zu regionalen Produkten sieht er auch den Anteil der Gäste stetig wachsen, für die Tierwohl ein weiteres entscheidendes Kriterium ist. „Wir glauben, dass die Zahl der Verbraucher stark steigt, die qualitativ hochwertige Ware aus Betrieben wertschätzt, denen Tierwohl und CO2-Bilanz nicht egal sind. Die Diskussion um die Waldbrände in Brasilien hat das gezeigt. Jetzt ist das vielleicht noch eine Nische, aber wenn solche Produkte endlich besser gekennzeichnet werden, wird deren Marktanteil größer werden“, ist der Wech-Geschäftsführer überzeugt.

Darum hat Wech nun auch das Projekt Sonnenpute mit zehn Wech-Vertragsbetrieben und KRÖSWANG als exklusivem Gastronomiepartner gestartet. In den nächsten Jahren werden Köche und Gastronomen das Fleisch der Sonnenpute ausschließlich über den oberösterreichischen Lebensmittelhändler beziehen können: "Wir haben uns ganz bewusst für KRÖSWANG entschieden" erklärt dazu Feichtinger:  „Kein anderes Unternehmen setzt sich so intensiv mit Produkten österreichischer Herkunft auseinander und versucht die Gastronomie von ihrem Mehrwert zu überzeugen.“

Gründe, sich noch öfter Lebensmittel aus österreichischer Erzeugung ins Kühlhaus liefern zu lassen, sieht Geschäftsführer Manfred Kröswang viele. „Regionalität ist beim Gast seit vielen Jahren ein Riesentrend“, argumentiert er: „Ich bin sicher, dass das so bleiben wird. Dabei sollten wir den Begriff nicht zu eng fassen. Menschen, die etwa nach Österreich auf Urlaub kommen, nehmen meist das ganze Land als Region wahr, nicht nur den Lungau, das Ötztal oder das Salzkammergut. Der Fokus auf österreichische Produkte bedeutet deshalb nicht nur höhere Produktqualität und kürzere Transportwege. Er ist ein super Marketingtool, wenn es zum Beispiel mit einer Kennzeichnung auf Speisekarten oder im Gespräch richtig genutzt wird.“

Die Gäste von morgen

Das gelte in besonderem Maß für die jüngeren Zielgruppen der Generationen Y und Z, für die Tierwohl und ökologisches Bewusstsein viel wichtiger sind als für die Generationen davor. Und das Totschlag-Argument Preis? „Wenn man den Materialpreis für eine 180-Gramm-Portion Putenbrust durchrechnet, kommt man auf Mehrkosten von 70 Cent pro Gericht“, erklärt dazu Kröswang: „Ich bin überzeugt, dass die meisten Gäste bereit sind, einen Euro mehr zu bezahlen, wenn sie dafür sicher sein können, dass sie Topfleisch von kerngesunden Puten aus der Region essen, die vor der Schlachtung nicht in unhygienischen Massenställen dahinvegetiert sind.“

Ähnlich sieht das auch Putenbauer Schwödiauer. Er hat die dicken Gummistiefel mittlerweile gegen bequemeres Schuhwerk getauscht und sitzt auf einer Bank vor dem Stall in den Strahlen der untergehenden Sonne. Dann dreht er den Kopf zur Seite und sagt zum Abschied bestimmt: „Mir ist ganz wichtig, dass den Gastronomen endlich bewusst wird: österreichisches Putenfleisch zu verkaufen bedeutet keine Umsatzeinbrüche. Wenn sie es richtig angehen, werden sie damit ihren Umsatz sogar steigern. Schreiben Sie das.“