

Betrieb
Wege um Wir
Guter Teamgeist ist in Gastro und Hotellerie noch wichtiger als in Anderen Branchen. Denn letztendlich spüren auch die Gäste, wenn die Stimmung stimmt. FRisch hat nachgefragt, woran Gastroprofis arbeiten können, um den Zusammenhalt ihrer Mannschaft zu fördern.
Wie entsteht trotz hohem Stressfaktor in Gastro und Hotellerie ein echtes Wir-Gefühl? Die Antwort ist an sich längst bekannt: durch aktive Maßnahmen, die den Zusammenhalt fördern. Gerade weil die Rahmenbedingungen in der Gastrobranche oft herausfordernd sind, ist es umso wichtiger, etwas für den Mannschaftsgeist zu tun. Denn fühlen sich die Menschen in Arbeitsgemeinschaften wohl und leben gegenseitige Wertschätzung, können diese „weichen Faktoren“ signifikant zur Motivation und Zufriedenheit aller beitragen. Das Gefühl der Zugehörigkeit hat dabei die stärkste Wirkung. So kann es zum Beispiel dazu beitragen, dass die Fluktuation stark vermindert wird. Denn wer sich als Teil eines funktionierenden Teams fühlt, bleibt einem Unternehmen wesentlich länger erhalten. Weiterer positiver Effekt gesunder sozialer Beziehungen: Die Fehlzeiten sinken. Teams mit einem starken Wir-Gefühl sind nämlich in der Regel engagierter, hilfsbereiter und auch zufriedener, weil sich jeder Einzelne als wichtiger Teil eines Ganzen fühlt.
„Wenn einer wegen dem Geld kommt, geht er auch wieder wegen dem Geld“, erklärt dazu Enno Schmoll, Professor für Tourismuswirtschaft an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven. Geht es um die Rekrutierung neuer Mitarbeiter, so seien deshalb laut dem Tourismusexperten die „weichen Faktoren“ besonders wichtig. Etwa die generellen Arbeitsbedingungen oder wie neue Mitarbeiter an ihrem Arbeitsort aufgenommen werden. Belegt wird dies auch durch Studien, die zeigen: Die Arbeitgeberattraktivität wird maßgeblich durch weiche Faktoren beeinflusst – Teamzusammenhalt eine gute Arbeitsatmosphäre sowie Wertschätzung und Anerkennung schlagen harte Faktoren wie Gehalt und flexible Arbeitszeiten. Ratsam ist daher, im Unternehmen auf ein gutes Gleichgewicht zwischen weichen und harten Faktoren zu achten. Ist beispielsweise die Stimmung unter den Mitarbeitern schlecht, kann das durch harte Faktoren nur bedingt und keinesfalls nachhaltig wettgemacht werden.
Geheimnis „Cultural Fit“
Doch wie entsteht dieser Teamgeist? „Durch eine starke, gut ausformulierte und lebendige Unternehmenskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und die Erwartungshaltung an unsere Branche übertrifft", glaubt Nadine Hinterholzer, Leiterin der Soulkitchen Academy der gleichnamigen Gastrogruppe. Die Ausformulierung dieser Kultur müsse für alle verständlich sein und eine klare Vision und Mission enthalten. Es müsse klar werden, wofür das Unternehmen steht, seine Werte eindeutig definiert sein und Ziele sowie der Weg, um sie zu erreichen, transparent formuliert werden. „Nur so kann man einen Sog erzeugen, diese Kultur zu teilen und zu leben. Teamgeist entsteht am Ende durch Mitarbeitende, die zur Unternehmenskultur passen“, erklärt Hinterholzer ihr Konzept vom sogenannten „Cultural Fit“ und liefert konkrete Beispiele aus ihrem Unternehmensalltag: „Agieren auf Augenhöhe, klare Kommunikation, gemeinsames Feiern selbst kleiner Erfolge sowie Achtsamkeit im Arbeitsalltag motivieren und halten den Teamgeist hoch“, unterstreicht sie. Ein Indiz, das für den Erfolg dieser Strategie spricht: Kolleginnen und Kollegen unternehmen bei der Soulkitchen Group auch in der Freizeit viel gemeinsam. Für den Diplompsychologen Professor Dr. Florian Becker von Teamgeist, einem Unternehmen für Team-Events und Prozessbegleitung, spricht das für eine überdurchschnittliche Attraktivität der Mitgliedschaft in einem Team für die Mitglieder: „Ein Gemeinschaftsgefühl entsteht dann, wenn die einzelnen Mitglieder alle sehr gerne in der Gruppe sind, die Mitgliedschaft attraktiv ist.“ Umgekehrt sinke das Wir-Gefühl, wenn man nicht mit dem Team sympathisiere.


SOULKITCHEN ACADEMY
// BEST PRACTICE
Im Rahmen des Onboarding-Prozesses der Soulkitchen Group nehmen neue Kolleginnen und Kollegen nicht nur an einem Rookie- Workshop teil, sondern bekommen auch einen Buddy zur Seite gestellt, der sie zu Beginn im neuen Job begleitet. So sollen die neuen „Soulmates“ von Anfang an mit Teamspirit, Unternehmenswerten und Firmenkultur „infiziert“ werden.
Entscheidende Extrameile
Den Teamgeist zu fördern hat für Unternehmer folglich vielerlei Vorteile. Er erhöht die Produktivität, Kreativität und Leistung – außerdem Kooperation, Kompromissbereitschaft und Kommunikation. Teams, die gut zusammenarbeiten, können deshalb interne Konflikte besser und schneller lösen.
Anzeichen dafür, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl leidet, würden sich laut Hinterholzer von Soulkitchen dagegen darin zeigen „dass nur noch Dienst nach Vorschrift gemacht wird, kein Herzblut und keine Liebe mehr spürbar sind, die interne Kommunikation nachlässig wird, die Führungsqualitäten zu wünschen übrig lassen und nicht mehr aus der ‚Fülle‘ heraus agiert wird, sondern aus dem ‚Mangel‘“. Schlussendlich würde sich dadurch die Fluktuationsrate massiv erhöhen, ist sie sicher. Ist das Zusammengehörigkeitsgefühl dagegen intakt, zeige sich das im „füreinander Einstehen“ und in der Bereitschaft, die bekannte „Extrameile" zu gehen.
Feierkultur leben
„Teamleistung ist unglaublich motivierend. Ein gemeinsames Ziel zu erreichen, ist der stärkste Motivationsantrieb für ein Team. Das unterscheidet es auch von einer Gruppe. Ein Team hat ein Ziel, das es zu erreichen hat und wodurch erst die gemeinsame Aufgabe entsteht. Es ist daher sehr wichtig, dass Führungskräfte auch kleine Erfolge im Team feiern“, sagt Unternehmensberaterin Cornelia Lohninger-Mack, Geschäftsführerin Lohninger Consulting, und ergänzt: „Man muss nicht alles highlighten, sollte aber eine gewisses ‚Feierkultur‘ leben. Auch über ein gutes Abendservice kann man sich freuen und im besten Fall dadurch die Begeisterung für den nächsten Einsatz steigern.“ Die Beraterin verweist dabei auch auf „die Power der Positivität“: „Positivität und Teamperformance hängen eng miteinander zusammen. Zig Studien haben gezeigt, dass Spitzenteams eine hohe Kommunikationsqualität aufweisen und ihren Fokus auf das, was gelingt und funktioniert, ausrichten. Worte haben Wirkung und schaffen Realität. Positivität dient also auch der Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls.“
Auf die Probe gestellt wird der Teamgeist dann, wenn neue Mitglieder ins Team kommen. Die Kunst dabei: Neuankömmlinge bestmöglich in ein eingeschweißtes Gefüge zu integrieren und sie mit dem Teamgeist zu „infizieren“. Doch wie? Für die Soulkitchen Group spielt in diesem Zusammenhang der „Onboarding-Prozess“ eine zentrale Rolle. Neben einer „Welcome Box“ bekommen neue Mitarbeitende einen sogenannten „Buddy“ an ihre Seite gestellt. „Über dieses Buddy-Programm erleichtern wir nicht nur den Start und die Integration, sondern ‚infizieren‘ zugleich den ‚neuen Soulmate‘ mit dem gelebten Teamspirit und unserer Kultur. Daneben nimmt jeder neue Mitarbeitende zeitnah nach Dienstantritt an einem unserer ‚Rookie Workshops‘ teil – hier lernen die ‚neuen‘ Soulmates die Unternehmenskultur und die Werte genauer kennen“, erklärt Hinterholzer.

„IM ARBEITSFREIEN KONTEXT SPRECHEN DIE MITARBEITER LEICHTER ÜBER SCHWIERIGE THEMEN.“ (PAUL STANZENBERGER, CEO & CO-FOUNDER TEAMAZING, WIEN)
Auf Dysbalancen achten
Lohninger-Mack betrachtet als systemische Organisationsentwicklerin speziell in diesem Zusammenhang die Dynamiken, die in Teamsystemen herrschen. Diese verändern sich mit jedem Neuzugang oder Abgang. Zeitliche Zugehörigkeit, Achtsamkeit und Ordnung beispielsweise sind wichtige Prinzipien in jedem System, die es zu beachten gilt. Werden sie verletzt, leidet das System. Kommt beispielsweise eine neue Führungskraft und macht die Arbeit des Vorgängers schlecht, dann hat das eine Auswirkung auf das System. Eine Dysbalance entsteht. „Bei Problemen im Team ist daher genau auf solche Dysbalancen zu achten und wieder ein Ausgleich herzustellen“, betont die Expertin. Speziell ein neues Teamgefüge – wie etwa bei Saisonbetrieben regelmäßig der Fall – brauche erst Stabilität, damit das Team seine Leistungsfähigkeit entwickeln könne: „Es muss sich erst organisieren und dafür sorgen, dass eine Zugehörigkeit unter den Mitgliedern entsteht. Und genau diese Zugehörigkeit braucht es, damit sich eine gemeinsame Aufgabe herausbilden kann. Klar definierte Ziele und eine klare Kommunikationslinie wie beispielsweise die Vorgabe einer offenen Feedbackkultur sind dabei äußerst hilfreich.“

Gemeinsames Spielen ist bei Inhouse-Mini-Workshops häufig ein Eisbrecher und bringt unterschiedliche Teammitglieder dazu, ohne Vorbehalte miteinander zu interagieren. So können in der Folge auch heikle Themen innerhalb der Gruppe offen besprochen werden.
Nur mit Agentur?
Um Teamgeist zu fördern, gibt es viele Möglichkeiten. Positiv beeinflusst wird das Wir-Gefühl im Wesentlichen durch Interaktion, Nähe, gemeinsam verbrachte Zeit, gemeinsame Erlebnisse und Erfolge. Positive Auswirkungen haben auch soziodemografische oder kulturelle Gemeinsamkeiten, weshalb eine gewisse Homogenität der Teammitglieder die Identifikation erleichtert. Aufs Wir-Gefühl können sich aber auch Symbole wie Arbeitskleidung oder gemeinsame Rituale und regelmäßige Aktivitäten positiv auswirken. Im besten Fall schafft der Teamgeist eine derart positive Atmosphäre, dass selbst die Gäste von den „positiven Vibes“ angesteckt werden.
Auch regelmäßige Teambuilding-Maßnahmen können ein wichtiges Instrument sein. Dazu zählen organisierte Events genauso wie regelmäßige zwanglose gemeinschaftliche Aktivitäten wie Kinobesuche oder Kegelabende. Solche gemeinsamen Erlebnisse schaffen den Aufbau von Kontakt untereinander und sind eine Möglichkeit, das gegenseitige Vertrauen zu stärken und die Zusammenarbeit zu fördern. Bei der Soulkitchen Group beispielsweise spielen übergreifende Firmenevents und Teamveranstaltungen eine wichtige Rolle. Dazu zählen etwa gemeinsam organisierte Sportveranstaltungen.
Generell lässt sich schon durch Inhouse-Mini-Workshops viel Wirkung erzielen. Dabei sollte am Beginn der Planung jeder Aktivität die Frage nach dem Ziel stehen. Das kann beispielsweise ein besserer Umgang mit Konflikten sein oder einfach nur das gegenseitige Kennenlernen für eine tiefere Verbindung zueinander. Teambuilding-Tools wie Coaching Cards oder „Spiel-Material“ für Gruppenbildung können als Eisbrecher fungieren und die Stimmung in Workshops auflockern Kartensets wie „Frei Schnauze" oder „Über uns“ von metaFox regen bespielsweise offene Gespräche in Teams an und tragen zum besseren Kennenlernen bei. Ebenso hilfreich sind minimalistisch designte Teambuilding-Tools wie der „Tower of Power“ von ideen.kollektiv, einer auf Teambuilding- und Coachingprodukte spezialisierten Marke.
„MAN MUSS NICHT ALLES TOLL FINDEN, SOLLTE ABER EINE GEWISSE FEIERKULTUR LEBEN.“ (CORNELIA LOHNINGER-MACK, GESCHÄFTSFÜHRERIN LOHNINGER CONSULTING)



TEAMAZING
// BEST PRACTICE
Die Agentur aus Wien hat sich auf Teamevents spezialisiert. Die Idee dahinter: Abseits der eigentlichen Betriebsstätte, in arbeitsfreiem Kontext, öffnen sich alle Teammitglieder viel eher – unabhängig von ihrer Position in der hierarchischen Struktur. Mit interaktiven Herausforderungen, bei denen alle gemeinsam ein Ziel errreichen müssen und dabei Spaß haben, können emotionale Bindungen entstehen, die das Team zusammenschweißen. Entscheidend ist dabei, diese Erfahrungen gemeinsam zu reflektieren, um sie in den Arbeitsalltag zu übertragen.
www.teamamazing.at
Hilfe von außen
Hängt der Haussegen aber richtig schief und ist die Stimmung im Betrieb am Boden, können meist nur noch extern stattfindende Events den Teamgeist wieder wecken. „Die Wirkungsweise und damit Vorteile liegen im arbeitsfreien Kontext begründet. Mitarbeitende lernen sich in ungewohnten Situationen neu kennen, das Vertrauen zueinander wird gestärkt und mit der richtigen Anleitung sprechen die Mitarbeitenden auch leichter über schwierigere Themen“, sagt Paul Stanzenberger, CEO & Co-Founder der auf Teamentwicklung spezialisierten Eventagentur teamazing, und ergänzt: „Die positiven Erlebnisse dienen noch lange als Erinnerungsanker und schweißen die Belegschaft zusammen.“
Eine auf Teamevents spezialisierte Agentur kann diesbezüglich auf bewährte Methoden und Konzepte zurückgreifen und in kürzerer Zeit maßgeschneiderte Lösungen für ein qualitativ hochwertiges Teamevent liefern. Stanzenberger führt weitere Punkte ins Treffen: „Die Opportunitätskosten sind bei einer internen Organisation oft höher als die Investition in eine externe Agentur. Das eigene Personal muss viel Zeit investieren, um die hohe Qualität zu erzeugen, da es nicht in der Routine ist, wenig spezifische Erfahrung hat und teilweise auch keine entsprechende Ausbildung. Das bedeutet, dass es viel lernen und ausprobieren muss – die investierte Zeit fehlt dann in anderen Bereichen und bei anderen Aufgaben. Es bleibt beispielsweise Umsatz liegen oder wichtige Projekte stehen. Wenn man sich für eine spezialisierte Agentur entscheidet, muss man die Opportunitätskosten der ersten Variante berücksichtigen. Außerdem bieten externe Trainer eine neutrale Perspektive bei der Moderation von Diskussionen.“
Damit ein Teamevent von Erfolg gekrönt ist, sollte er mehrere Elemente beinhalten, sagt Profi Stanzenberger und zählt drei wichtige Punkte auf: „Es braucht erstens interaktive Herausforderungen, bei denen das Team aktiv zusammenarbeiten muss, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, und zweitens Spaß, Spannung und Unterhaltungswert, damit emotionale Bindungen innerhalb der Teammitglieder entstehen. Dritter wichtiger Punkt ist die Zeit für Nachbereitung und Reflexion der Erfahrungen, um sie in den Arbeitsalltag zu übertragen.“
Um sicherzustellen, dass derartige Veranstaltungen eine nachhaltige Wirkung haben und die positiven Ergebnisse nicht auf den Einzelevent beschränken, braucht es laut dem teamazing-CEO Kontinuität. Um eine nachhaltige Veränderung zu erzielen, erhalten die Teams bei teamazing-Events einen individuellen Fahrplan zur weiteren Entwicklung, in dem die Erkenntnisse aus dem Teamevent im Arbeitsalltag Anwendung finden. Als Beispiel für ein sehr erfolgreiches Teamevent nennt er den „Perfect Run“. Dabei müssen die Teammitglieder gemeinsam eine Reihe von Aufgaben unter Zeitdruck beim ersten Versuch meistern. „Gelingt dies nicht, muss das Team wieder an den Start und mit dem nächsten Versuch einen ‚Perfect Run‘ schaffen. Die Teammitglieder übernehmen, gemäß ihren Stärken, verschiedene Rollen und jeder trägt zum Erfolg bei“, so Stanzenberger. Der „Perfect Run“ ist hinsichtlich seiner Durchführung flexibel. Er kann bei einer Partnerlocation von teamazing genauso wie am Unternehmensstandort, indoor wie outdoor, durchgeführt werden.
Was die Kosten betrifft, so gibt es keine fixen Pauschalpreise. Bei teamazing sind die Preise immer aufwandsbezogen und daher von Teilnehmeranzahl, Eventdauer, Anzahl an Eventmitarbeitern sowie der Fahrdistanz abhängig. „The Perfect Run“ mit einer Dauer von zwei Stunden kommt beispielsweise exklusive Anfahrts- und Locationkosten für fünf Teilnehmer auf 740 Euro netto, bei 25 Mitarbeitern sind es 1.326 Euro netto. Halbtägige Teamentwicklungsworkshops kommen für 3 bis 11 Teilnehmer auf 1.470 Euro netto, exklusive Anfahrts- und Locationkosten. Investitionen, die sich lohnen, wenn danach wieder gemeinsam in die Hände gespuckt wird.
„EIN GEMEINSAMES ZIEL ZU ERREICHEN, IST DIE STÄRKSTE MOTIVATION FÜR JEDES TEAM.“ (NADINE HINTERHOLZER, LEITUNG SOULKITCHEN ACADEMY, SALZBURG)
SPIELIDEEN
MENSCHEN LIEBEN SPIELE. HIER SECHS BEISPIELE, DIE LAUT DEN SPEZIALISTEN VON TEAMGEIST.COM IM TEAMBUILDING-KONTEXT PERFEKT FUNKTIONIEREN.
WAHRHEIT UND LÜGE Dauer: ca. 40 – 60 Minuten Teilnehmerzahl: 2 – 6 Personen, bei größerer Gruppe kleine Teams bilden. Hilfsmittel: ab 3 TeilnehmerInnen Notizblöcke und Stifte. Ansatz: Jeder Teilnehmende erzählt drei Fakten und eine Lüge über sich, die die anderen erraten müssen. Die Kollegen können sich so untereinander besser kennenlernen und bekommen Einblicke in die jeweiligen Persönlichkeiten. | MALE, WAS ICH SAGE Dauer: 20 – 30 Minuten Teilnehmerzahl: 2 Personen pro Team Hilfsmittel: Notizblöcke und Stifte Vorbereitung: Zettel und Stifte Zusammenfassung: Eine Person bekommt ein Bild, die andere Stift und Papier. Die Person mit dem Bild beschreibt, was sich auf dem Bild befindet, das Gegenüber muss es nachzeichnen. Die Spielidee sensibilisiert so für die zwei Seiten einer kommunikativen Situation. |
ERSTER GEDANKE Dauer: 30 – 40 Minuten Teilnehmerzahl: 4 – 10 Hilfsmittel: Zettel und Stifte Zusammenfassung: Mit diesem Spiel lassen sich Problemlösungsideen für ein reales Projekt finden. Dafür nennt jemand eine Problemstellung und die Teammitglieder notieren die erste Idee, die ihnen in den Sinn kommt. Die Ansätze werden dann gemeinsam besprochen. | GEISTESBLITZ AUF EINER SERVIETTE Dauer: ca. 20 – 30 Minuten Teilnehmerzahl: Kleine Teams à 2 – 4 Personen Hilfsmittel: Papierserviette und Stifte Ansatz: Nach der Präsentation einer Problemstellung bekommt jedes Team Stift und Papierserviette, auf die es seine Lösung skizzieren muss. Diese Spielidee fördert die gemeinsame Lösung eines kreativen Problems sowie die Konzentration aufs Wesentliche. |
EIN-WORT-EISBRECHER Dauer: 20 – 30 Minuten Teilnehmerzahl: 4 – 8 Personen, bei größerer Gruppe kleine Teams bilden. Hilfsmittel: Notizblöcke und Stifte Vorbereitung: Themen oder Fragen vorbereiten Ansatz: Jeder sagt ein Wort, das ihm als Erstes zu einem Thema einfällt. Etwa zur Mittagspause oder der Teamarbeit. Die Assoziationen aller dazu werden notiert und verglichen. So kommt die Gruppe deutlich leichter ins Gespräch. | PUZZLE Dauer: ca. 50 – 60 Minuten Teilnehmerzahl: 2 – 4 pro Gruppe Hilfsmittel: Ein einfaches Puzzle oder zerschnittene Spielkarten. Ansatz: Das Team wird in Gruppen aufgeteilt, von denen jede ein Puzzle fertig machen muss. Wer als Erstes fertig ist, gewinnt. Einige Puzzleteile befinden sich aber in der Mischung der anderen Gruppen. Bei diesem Spiel ist der Erfolg sehr abhängig von den Problemlösungsund Führungsqualitäten. Denn nun sind erfolgsversprechende Strategien gefragt, vor den anderen an die fehlenden Puzzleteile zu kommen. |
Interview

„Erfolgreiche Teams ähneln gut gepflegten Gärten.“
Cornelia Lohninger-Mack berät seit über 20 Jahren Tourismusbetriebe in Sachen Organisations- und Teamentwicklung und setzt ihren Fokus dabei auf „Systemik“.
Welche Bedeutung haben Teamgeist und Zusammengehörigkeitsgefühl in der Hotellerie und Gastronomie?
Eine zentrale! Der Erfolg eines Betriebs hängt maßgeblich von der Zusammenarbeit der Mitarbeiter ab. Es gibt kaum eine andere Branche, wo die Interaktion von Mitarbeitern und Kunden derart intensiv ist. Wenn ein Team ein harmonisches Miteinander auch nach außen ausstrahlt, beeinflusst das wesentlich die Zufriedenheit der Gäste. Je stärker der Teamgeist, desto höher die Performance.
Welche Rolle spielen dabei die Führungskräfte?
Sie setzen den Rahmen und achten darauf, dass die vorgegebenen Werte gelebt werden. Das Team ist ein autonom lebendiges System, das innerhalb dieses Rahmens agiert. Ist die Führungskraft zu schwach, beispielsweise um bei Grenzüberschreitungen einzuschreiten, dann findet das Team selbstorganisiert Lösungen. Verselbstständigt sich das System, entstehen allerdings oft Dynamiken, die nicht förderlich für die Teamleistung sind.
Sie sind eine Pionierin der systemischen Organisationsentwicklung im Tourismus. Welche Idee steckt hinter diesem Konzept?
Sie versteht das Team als ein System. Dieses besteht nicht aus Menschen, sondern aus den Mustern seiner Beziehungen, auch Teamdynamiken genannt. In meiner Arbeit betrachte ich sogenannte Leitprozesse, die sich bei jedem Team vollziehen: Entscheidungen über Zielsetzungen, Interaktionsmuster, Teamerhalt, Zielbearbeitung, Teamgrenze und Teamreflexion. Diese Entscheidungsprozesse bilden Muster, die jede Situation und die Leistungsfähigkeit und die Stimmung des Teams gestalten.
Das müssen Sie anschaulicher erklären ...
Stellen Sie sich ein erfolgreiches Team als lebendiges System vor, ähnlich wie einen gut gepflegten Garten. Am Anfang steht die Zugehörigkeit. Wer gehört zur Gemeinschaft? So wie ein Garten Grenzen hat, um die Pflanzen vor äußeren Einflüssen zu schützen, zieht auch ein Team eine klare Linie: Diese Grenze sorgt für Stabilität und Klarheit. Neue Mitglieder – wie neue Pflanzen – benötigen Platz und Raum, um zu wachsen. Damit sie gedeihen, braucht es offene Arme und Bereitschaft von denen, die schon lange im Team sind. Die wahren „Immunkräfte“ eines Teams entstehen, wenn Mitglieder über ihre Aufgaben hinaus Einsatz zeigen, besonders in Krisenzeiten. Führungskräfte fungieren dabei als Gärtner, die die Balance wahren und dafür sorgen, dass das Wohl des gesamten Systems stets im Blick bleibt. So kann jedes Teammitglied seine individuellen Fähigkeiten entfalten und zum Blühen des Teams beitragen.
Wie gehen Sie in Ihrer Arbeit vor?
Meine Beratungsarbeit findet einerseits auf der Organisations-, andererseits auf der Teamebene statt. Erstere ist für die Orientierung und psychologische Sicherheit im Team verantwortlich. Beide Themen schaffen die Basis für Vertrauen in ein und die Teilhabe an einem Team. Auf diese Ebene gehört auch das Onboarding, das eine äußerst wichtige Rolle dabei spielt, wie sich ein neuer Mitarbeiter im Team integrieren kann. Auf Teamebene sind gemeinsame, ungezwungene Unternehmungen angesiedelt. Führungskräfte sollten ein Budget haben, das sie selbstverantwortlich für Teamaktivitäten ausgeben können. Wichtig ist, sich als Führungskraft im Vorfeld des Events zu fragen, was ist der Sinn hinter der Aktion und welche Aktion passt überhaupt zum Team, sodass auch Freude und Spaß mit an Bord sind.
Was sind die größten Herausforderungen in der Teamentwicklung?
Ein ständiger Wechsel im Team und die Interkulturalität. Es braucht einen permanenten Weiterentwicklungsprozess, um ein Team stabil zu halten, sodass es arbeitsfähig bleibt und eine Performance erzielen kann. Ich habe speziell für Saisonbetriebe ein kompaktes und effektives Trainingsformat entwickelt, das Betrieben hilft, in kurzer Zeit ein Team für den Saison-Kick-off fit zu machen. Für solche Maßnahmen braucht es eine professionelle, externe Begleitung. Führungskräfte und Eigentümer können das aus zeitlichen Gründen und aufgrund ihrer Befangenheit gar nicht leisten. Sie sind schließlich Teil des Systems.
Was halten Sie von Teambuilding-Events?
Ein starker Teamgeist kommt nicht durch punktuelle Aktionen zustande. Tschakka-Tschakka-Veranstaltungen können ein positiver Impuls sein, der aber auch schnell wieder verpufft. Ich begleite beispielsweise seit über zehn Jahren einen Hotelbetrieb im Salzburgerland. Dort haben wir uns in einem ersten Schritt dem Thema Führung in all seinen Facetten gewidmet und darauf basierend Leitlinien und Prinzipien erstellt. Aus dieser Arbeit ging die Implementierung einer internen Weiterbildungsakademie hervor. Die Auseinandersetzung mit herausfordernden Themen im Rahmen der Akademie schafft eine gemeinsame Aufgabe, Verantwortung und einen gemeinsamen Auftrag. Sie verbindet Menschen miteinander und dadurch wird auch das Bewusstsein geschaffen, dass eine Teamleistung größer und besser sein kann als die Summe von Einzelleistungen.
Gibt es so etwas wie eine Basis für guten Teamgeist?
Ein Grundprinzip ist die offene Feedbackkultur, wobei es bei Feedback in alle Richtungen keine Angst vor negativen Konsequenzen geben darf. Für eine systemische Teamentwicklung braucht es regelmäßige Feedbackrunden mit einer offenen und wertschätzenden Kommunikation. In diese Kultur muss man aber erst hineinwachsen.
Cornelia Lohninger-Mack
Cornelia Lohninger-Mack ist in einem Familienbetrieb aufgewachsen und war viele Jahre als Führungskraft in der Hotelbranche tätig. Seit 2003 berät sie mit ihrer Agentur Lohninger Consulting führende österreichische Leitbetriebe in der Tourismusbranche in Sachen Personal- und Führungskräfteentwicklung, Nachfolgebegleitung und Neue Arbeitswelten. Die systemische Organisationsentwicklung ist für die Organisationspsychologin ein zentraler Teil ihrer Beratungsarbeit.